FILM FEEDBACK: Folge 3

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am 19.06.2017
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In der dritten Folge Film Feedback stelle ich euch heute vier Filme vor, von denen ich allesamt total begeistert bin. Jeder Film hat seine eigenen Vorzüge und deswegen hoffe und denke ich, dass für jeden etwas dabei sein wird.

Aktueller Film

Pirates of the Caribbean 5: Salazars Rache (USA 2017, R: Joachim Rønning, Espen Sandberg, FSK 12)

Endlich ist er da! Der fünfte Teil der Fluch der Karibik – Reihe mit Johnny Depp als Captain Jack Sparrow in einer der Hauptrollen. Viele von euch werden sich, genauso wie ich, sehr gefreut haben, als sie hörten, dass ein fünfter Teil in die Kinos kommt. Und so möchte ich euch jetzt erzählen, ob bzw. inwieweit meine Erwartungen eher enttäuscht oder übertroffen wurden.

In PIRATES OF THE CARIBBEAN 5: SALAZARS RACHE geht es wie immer um Captain Jack Sparrow (Johnny Depp), der plötzlich in ein neues Abenteuer stolpert, als eine Truppe Geisterpiraten unter der Führung von Sparrows erklärtem Todfeind Captain Salazar (Javier Bardem) das Teufelsdreieck verlässt, in dem sie bislang festgehalten wurden. Salazar und seine Crew sinnen auf Rache an allen lebenden Piraten und wollen sie töten, allen voran Captain Jack. Diesem bleibt nur eine Möglichkeit, sich aus der brenzligen Situation herauszuwinden: Er muss Poseidons magischen Dreizack finden, der ihm die Herrschaft über die Weltmeere verleiht und mit dem er Salazar in die Schranken weisen kann. Auf der Suche danach trifft er zum einen auf die junge Astronomin Carina Smyth (Kaya Scodelario), die ebenfalls den Dreizack finden will, um sich in der von Männern dominierten Welt der Wissenschaft beweisen zu können, sowie auf den jungen Seemann Henry Turner (Brenton Thwaites), der versucht, seinen Vater zu finden. Dieser ist allerdings mit einem Fluch belegt, der ein solches Zusammentreffen verhindert – und Captain Jack und Henrys Vater sind alte Bekannte...

Mit einer Länge von ein bisschen mehr als zwei Stunden ist dieser Film ein aufregendes Filmspektakel, das seinen Vorgängern um nichts nach steht. Die neuen Charaktere bringen frischen Wind in die Piratenwelt, doch auch alte Bekannte wie Geoffrey Rush als Barbossa tauchen in diesem Film wieder auf.

Mir persönlich hat der Film sehr gut gefallen, wobei ich wahrscheinlich auch ein wenig voreingenommen in diesen Film gegangen bin, da ich ein großer Fan der ganzen Reihe bin. Meine Erwartungen im Bezug auf Spaß, Witz und ein spannendes Piratenabenteuer wurden nicht enttäuscht, auch wenn der Film seine Längen hat, in denen nicht so viel Aktion stattfindet.

Einen großen Pluspunkt erhält der Film von mir zudem für die Mischung aus neuen/jungen Charakteren und den bereits erwähnten alten Bekannten, da Fortsetzungen, die nach längerer Zeit erscheinen, es oftmals schwer haben, weil sie die Erwartungen der Zuschauer nicht erfüllen können. Nimmt man einen bereits bestehenden Cast, dreht man sich oftmals im Kreis. Stellt man allerdings eine komplett neue Besetzung auf, wirkt der Film oftmals wie ein schlechtes Remake der vorherigen Filme. Dementsprechend hat es der neue PIRATES OF THE CARIBBEAN durch seine Verschmelzung der alten und neuen Schauspielergeneration, dass jeder auf seine Kosten kommt.

Fans spekulieren zudem, ob das nun der finale Film dieser Reihe war oder ob noch weitere Piratenfilme produziert werden. Einen kleinen Hinweis auf die Zukunft von Captain Jack Sparrow und Co. gibt vielleicht die versteckte Szene NACH dem Abspann. Also bleibt, nachdem der Film zu Ende ist, ruhig sitzen, genießt die tolle Musik des Abspanns und schaut euch dann diese kleine Szene an, um euch eure eigene Meinung zum Thema „weitere Fortsetzungen“ zu bilden.

Wer eine weitere Meinung zu PIRATES OF THE CARIBBEAN 5: SALAZARS RACHE lesen möchte, kann sich gerne Ollis Artikel durchlesen!

Und wer Lust auf den Film hat, den Trailer aber noch nicht gesehen hat (was ich mir fast nicht vorstellen kann), der kann sich diesen hier anschauen!

Ein Klassiker

Vertigo (USA 1958, R: Alfred Hitchcock, FSK 12)

Dieser Klassiker von Alfred Hitchcock zählt zu meinen Lieblingsfilmen.

Polizist John ‘Scottie’ Ferguson (James Stewart) leidet an Höhenangst, seit er einen Kollegen bei der Verfolgung eines Verbrechers über Dächer in den Abgrund hat stürzen sehen. Eigentlich möchte er deswegen seine Arbeit aufgeben, als der ehemalige Schulfreund Gavin Elster (Tom Helmore) ihn bittet, seine Frau Madeleine (Kim Novak) zu beschatten. Diese scheint, wie sich herausstellt, vom Geist ihrer Großmutter besessen zu sein, welche sich mit 26 Jahren das Leben nahm. Auch Madeleine stürzt sich in die Bucht von San Francisco und Scottie, der sie dabei beobachtet hat, kann ihr gerade noch das Leben retten und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Scottie verliebt sich in die schöne Unbekannte, doch der Fluch ist noch nicht gebrochen.

Dieser Film überzeugt nicht nur mit seiner spannenden und teilweise schockierenden Handlung, sondern ebenfalls mit einer, für diese Zeit, besonderen Technik. Alfred Hitchcock verwendete für diesen Film nämlich eine Technik, die das Schwindelgefühl bei Höhenangst simulieren soll und später als „Vertigo-Effekt“ etabliert wurde. Auch das verwendete Farbspektrum ist sehr interessant, wenn auch teilweise etwas überoffensichtlich und aufdringlich. Und auch der Cameo Auftritt des Regisseurs darf in diesem Film natürlich nicht fehlen.

Alfred Hitchcock gilt meiner Meinung nach sowieso bis heute als einer der einflussreichsten Filmregisseure, daher schadet es nicht, sich seine Filme anzuschauen.

Wer also Lust auf einen guten alten Alfred-Hitchcock-Film hat und PSYCHO oder DIE VÖGEL schon zu oft gesehen hat oder wer gerne einen Thriller aus den 1950ern sehen möchte, dem kann ich VERTIGO nur wärmstens empfehlen.

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Der Abgedrehte

Being John Malkovich (USA 1999, R: Spike Jonze, FSK 12)

Der Titel dieses Films sagt eigentlich schon alles aus, worum es in dieser knapp zweistündigen Filmkomödie geht.

Der Film erzählt die Geschichte von Craig Schwartz (John Cusack), einem arbeitslosen Puppenspieler, der eine hoffnungslose Ehe mit seiner bisexuellen Frau Lotte (Cameron Diaz) führt. Durch Dr. Lester (Orson Bean) erhält er eine Stelle in einem Büro als Verwaltungsangestellter. Doch schon mit dem Vorstellungsgespräch fängt die Absurdität an: Das Büro liegt im 7 1/2 Stock und man kann nur gebückt, die Räume durchschreiten. Craig entwickelt Gefühle für seine Mitarbeiterin Maxine (Catherine Keener), die aber nichts für ihn übrig hat.

Eines Tages entdeckt Craig eine kleine Tür hinter einem Schrank. Als er die Tür öffnet, findet er sich in John Malkovich Kopf wieder. Craig kann nun alles sehen und fühlen, was Malkovich sieht und fühlt. Nach einer Viertelstunde wird er herausgelassen und fällt in einen Straßengraben in der Nähe des New Jersey Turnpike.

Craig erzählt Maxine von diesem Eingang und bald verkaufen sie für 200 Dollar Eintrittskarten für einen Besuch in Malkowichs Gehirn. Langsam gerät das zunächst noch lustige Abenteuer außer Kontrolle, da jeder John Malkovich für seine eigenen Zwecke missbraucht. Der Schauspieler wird durch das ständige Eindringen in seinen Kopf paranoid und findet schließlich heraus, was mit ihm gespielt wird. Der Eingang hat aber noch ein viel größeres Geheimnis, von dem nur Dr. Lester weiß.

Allein die Tatsache, dass es in diesem Film um eine Tür in das Bewusstsein eines anderen Menschen geht, ist schon ziemlich schräg. Doch auch die Charaktere dieses Films scheinen alle nicht mehr wirklich bei Sinnen zu sein oder schwerwiegende mentale Probleme zu haben. Angefangen bei Craig, der im Laufe des Films seine Frau in einen Käfig sperrt um sich dann an ihrer Stelle in den Kopf von John Malkovich zu begeben, über Maxine, die Craig und Lotte gegeneinander ausspielt, bis hin zu Dr. Lester und dem eigentlichen Geheimnis hinter der Tür zu John Malkovichs Kopf.

Auch wenn der Film absurd ist, so sind die schauspielerischen Leistungen der Protagonisten trotzdessen sehr gut, denn es erfordert auch ein wenig Mut und Können, solch verrückte Charaktere zu verkörpern. Neben „Filmstars“ wie Cameron Diaz (bekannt aus Filmen wie BAD TEACHER, VERRÜCKT NACH MARRY oder DREI ENGEL FÜR CHARLIE), John Cusack (DAS DARF MAN NUR ALS ERWACHSENER) oder Catherine Keener (aktuell im Kino in GET OUT zu sehen) sind sowohl John Malkovich und Charlie Sheen als sie selbst zu sehen.

Ein absurder Film, der aber trotzdem noch Spaß macht, auch wenn man für diesen Film sein Gehirn wahrscheinlich besser ausschalten sollte.

Wem es jetzt in den Fingern juckt oder wer schon immer mal wissen wollte, wie es in John Malkovich Bewusstsein aussieht, der sollte sich BEING JOHN MALKOVICH auf jeden Fall anschauen.

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Eine allgemeine Empfehlung:

Victoria (D 2015, R: Sebastian Schipper, FSK 12)

VICTORIA – ein Film, der das erste Mal 2015 auf der Berlinale lief und dem Kameramann Sturla Brandth Grøvlen den Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung einbrachte.

Die Protagonistin war in diesem Fall Titelgeberin, denn die junge Spanierin Victoria tanzt durch die Berliner Szene. Vor einem Club lernt sie vier Freunde kennen, die sich als Sonne, Boxer, Blinker und Fuß vorstellen. Man kommt ins Gespräch. Sonne und Victoria interessieren sich füreinander und setzen sich bald von der Gruppe ab. Ihr zarter Flirt wird jedoch jäh von den anderen unterbrochen, denn für die Kumpels ist diese Nacht noch lange nicht zu Ende. Um eine alte Schuld zu begleichen, müssen sie noch ein Ding drehen – und Victoria soll als Fahrerin fungieren.

Was ich an diesem Film so besonders und beeindruckend finde, ist dass es ein in nahezu Echtzeit ablaufender Film ist, der aus einer einzigen 140-minütigen Kameraeinstellung besteht. Das heißt, dass der Film ganz ohne Schnitte und verschiedenen Kamerapositionen auskommt. Die Kamera verfolgt Victoria förmlich und fängt alles ein, was diese im langsam aufwachenden Berlin erlebt. Der One-Take-Film (zu dt.: Ein-Einstellungs-Film) überzeugt mit seiner Authentizität. Dass sich jemand in der heutigen Zeit, in der eher eine sehr hohe Schnittfrequenz üblich ist, traut, einen Film zu produzieren, der in einem Stück abgedreht wurde, ist schon bemerkenswert und noch bemerkenswerter ist es, dass man es dem Film gar nicht anmerkt, dass er in einem Mal gedreht wurde. Natürlich gibt es Momente in diesem Film, die nicht glatt laufen, sodass sich z.B. Schauspieler versprechen oder eine Requisite versehentlich fallen gelassen wird, doch diese Patzer werden charmant in den Fluss des Films eingebaut und machen ihn, meiner Meinung nach, nur noch besser.

So muss es auch die Jury beim Deutschen Filmpreis 2015 gesehen haben, denn der Film wurde in sechs Kategorien mit einer „goldenen Lola“ prämiert, unter anderem als bester Spielfilm und für die beste Regie.

Der Film lässt sich zwar Zeit, doch macht ihn das keineswegs schlecht, träge oder langatmig. Der Film bildet zwei Stunden aus dem Leben der Protagonistin ab, mit allen Höhen und Tiefen und wird trotz fehlender Schnitte und einer großen Portion an Realismus, nicht langweilig.

VICTORIA ist für mich ein aufregender Film mit viel Herz und der richtigen Portion Brutalität und Spannung.

Wer also keine Lust auf einen actiongeladenen, hektischen „Baller-Film“ hat, sondern eher nach einem Film sucht, der sich Zeit lässt und trotzdem noch spannend ist, für den ist VICTORIA wahrscheinlich ein Volltreffer.

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Eine Übersicht aller Film Feedback Folgen findest du hier!

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