Gesellschaftliche OHN | MACHT und ihre Verarbeitung

Fotografie-Ausstellung von Abderahman Baack zum Abend der Pariser Anschläge

 

EIN BEITRAG VON JOSY

 

jup!-Redakteur Abdu hat am 13.11.2015 die Terroranschläge in Paris erlebt. Zusammen mit einer Gruppe des Netzwerkes "Diversität und Partizipation" vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) war er im Stade de France, um sich das Fußballspiel Deutschland gegen Frankreich anzuschauen. Doch statt einen schönen Abend erlebte die Gruppe Angst, Verunsicherung und den Ausnahmezustand in Frankreichs Hauptstadt Paris.

Nun stellt Abdu seine Fotografien in einer Ausstellung der WerkStadt zum Thema OHN | MACHT aus. Dabei werden Erinnerung und die künstlerische Verarbeitung der Nacht des 13.11.2015 gezeigt. Der Abend einer Gruppe junger Leute, die in der Nacht der Pariser Anschläge nur sicher durch die Stadt wollten. Anlässlich der Vernissage am 13.8.2016 hat jup!-Redakteurin Josy ein Interview mit Abdu zu seiner bevorstehenden Ausstellung geführt.

 

  • Foto: Abderahman Baack
  • Foto: Abderahman Baack
  • Foto: Abderahman Baack
  • Foto: Abderahman Baack

jup!: Wie kamst du zu dieser Ausstellung?

Abdu: Meine Mutter hat mir die Ausschreibung für eine Ausstellungsreihe zum Thema Macht/Ohnmacht von der WerkStadt gezeigt. Da habe ich mich dann mit meinen Bilder aus Paris beworben. Und die haben mich angenommen.

 

Die Ausstellung ist zum Thema der gesellschaftlichen Macht und Ohnmacht und deren Verarbeitung, warum denkst du, passen deine Fotos dazu?

An dem Abend wurde Macht ausgeübt und andere Leute haben Ohnmacht erfahren. Es ist eine andere Sicht auf diese Ereignisse, anders als man sie aus den Nachrichten kennt. Es sind „Inside-Bilder“. Bilder, die in der Situation entstanden sind, gemacht von jemanden, der in der Situation war und nicht von jemanden, der als Reporter „Das Bild“ ergattern wollte. Sondern sie zeigen die Situation einer Gruppe und deren Emotionen. Eine Gruppe, die versucht in dieser Nacht einfach sicher durch die Stadt zu kommen.

 

Wann und wie hast du realisiert, was los ist? Und wie bist du damit umgegangen?

Man hat den ersten Knall von der Bombe neben dem Stadion gehört und gespürt. Und dann den zweiten Knall nur noch gehört. Da hat man schon gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Man hat ganz viel Polizei und Feuerwehr gehört. Man hat gemerkt, da stimmt irgendwas nicht, irgendwas ist nicht ganz richtig. Und dann habe ich mein Handy herausgeholt und bei Twitter unter dem #paris geschaut, dort stand dann auch, dass es zwei Detonationen in Paris gab. Diese Informationen habe ich an meine Gruppe weitergeben. In der Halbzeitpause sind wir dann in den Oberring gegangen, wo an einem Imbiss Nachrichten liefen. Abwechselnd liefen dort Bilder vom Bataclan und von dem Café, wo die Attentäter waren. Dann haben Freunde und Bekannte telefonisch oder per Messenger nachgefragt, was los ist und ob bei mir alles okay sei.  Sie haben mich über die Situation weiter informiert. Kurz nach halb zwei Uhr morgens haben wir dann das Stadion verlassen.

 

Warum hast du in dieser Situation fotografiert?

Es gab keine anderen Dinge zu machen. Es diente der Ablenkung. Eine Bekannte vom Workshop hat ebenfalls fotografiert. So konnten wir uns vom Trubel ablenken und den Fokus auf die Bilder lenken.

 

Hilft dir die Arbeit an der Ausstellung beim Verarbeiten der Erlebnisse?

Die Bilder hab ich vorher bearbeitet und seit dem nicht mehr verändert. Sie wären also auch ohne diese Ausstellung so entstanden, wie sie sind. Ich habe sie kurz nach den Anschlägen bearbeitet, um ein emotionales Spiegelbild zu erschaffen. Sie sollen einen Eindruck von der Situation geben. Natürlich hätten sie besser bearbeitet werden können, dass war aber nicht der Sinn. Sie sollen die Emotionen widerspiegeln. Das Arbeiten an der Ausstellung hat an sich nicht direkt geholfen. Aber durch die Ausarbeitung der Texte zu den Bildern, die bei der Vernissage noch nicht dabei sein werden, konnte ich den Abend ein bisschen besser ordnen, da die Bilder mit den Texten in chronologischer Reihenfolge ausgestellt werden.

 

Es ist deine zweite Ausstellung, wegen deiner ersten warst du ja in Paris dabei. Wie hast du dich auf die jetzige vorbereitet?

Ich habe alles selber gemacht. Einen befreundeten Fotografen habe ich um Hilfe gebeten und mich beraten lassen. Ansonsten gibt es da nicht mega viel, was ich vorbereiten kann, es ist ja auch nur eine kleine Ausstellung. Es ist der normale Rhythmus vom Fotografieren und Bearbeiten und dann muss ich die Bilder drucken lassen.

 

Wie sollen der Ausstellungsraum und die Bilder auf die Betrachter wirken?

Ich habe die Bilder so angeordnet, dass man sich nur auf die Bilder fokussiert. Mein Ziel ist es, dass man den Abend in Paris beobachtet und  man unseren Abend in Paris nachverfolgen kann.

 

Warum hast du dich für Schwarz-weiß-Bilder entschieden?

Auf der einen Seite passt es besser zur Stimmung, auf der anderen Seite ist schlicht und ergreifend die Bildqualität viel zu schlecht. Es war nachts und die einzigen Lichtquellen waren Laternen, dementsprechend schwierig ist es, zu fotografieren. Beim Bearbeiten habe ich dann gemerkt, dass es besser zu Stimmung und den Emotionen passt und dass die Bildqualität dann besser ist.

 

Wie fühlst du dich, wenn du die Bilder heute siehst?

Kommt drauf an... Wenn ich sie kurz überfliege, sind es halt Bilder. Wenn ich mir Zeit nehme und mich zurückerinnere, fühle ich mich nicht wieder direkt in die Situation versetzt, sondern es kommt mir eher wie ein schlechter Albtraum vor. Es sind Szenen, an die man sich erinnern kann, aber nicht weiß ob manches wirklich real ist oder nicht vieles einfach der Kopf erfunden hat. Es ist ein nicht greifbares Gefühl. Man kann sich halb daran erinnern und dann doch nicht. Das ist gut und schlecht zu gleich.

 

Möchtest du weitere Projekte zu dem Thema Macht und Ohnmacht realisieren?

Es ist ein sehr schwieriges Thema und meine Bilder haben einfach gepasst. Was spannend daran ist, dass es in die Streetfotografie passt. Ansonsten ist nichts geplant. Vielleicht passt das Thema ja sonst noch zu meiner Demo-Fotografie, dort wird ja auch Macht und Ohnmacht ausgeübt und passt zur Beziehung zwischen Polizei und Demonstranten.

 

Die Ausstellung ist vom 13.08.16 bis zum 24.09.16 in der WerkStadt in der Emserstraße 124, 12051 Berlin anzuschauen.

 

Mehr von Abdus Werken findest du auf seinem Blog LANB und auf seinen Facebookseiten (LANBBerlin und U&C Photography).

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