Der Schönheitswahn geht in die nächste Runde

VON NUSHIN

Seit dem 8. Februar ist es wieder so weit: Tausende weibliche Teenager suchen ihre einmalige Chance im Modelbusiness durchzustarten. Mit oberflächlichen Blicken werden die “Auserwählten“ rausgefiltert und für den Job als Nachwuchsmodel vorbereitet. In der Castingshow Germany‘s Next Topmodel (GNTM) von Heidi Klum, einem internationalem Topmodel, geht es darum, Deutschlands „nächstes Topmodel“ durch das Prinzip eines großen Wettbewerbes zu finden. Die Teilnehmerinnen werden mit unterschiedlichen Aufgaben und Fotoshootings konfrontiert. Das Ziel einer jeden Staffel ist es, einer jungen Frau den Einstieg in die Modebranche als Model zu vereinfachen. Die Gewinnerin der Staffel erhält einen Sach- oder Geldpreis, ein Covershoot für ein bekanntes Modemagazin und einen zunächst befristeten Modelvertrag in einer renommierten Agentur – zufällig die Agentur von Heidi Klums Vater Günther Klum. Somit öffnet sich angeblich für die Gewinnerin die Tür zum Traumberuf als Model.

 

Donnerstag, 20:15 Uhr, Fernseher an!

Jeden Donnerstag heißt es für mich um 20:15 ProSieben einschalten. Ja, auch ich gehöre zu den regelmäßigen GNTM-Guckern. Auch wenn ich jedes Mal vorm Fernsehen sitze und mich mit meiner Mutter über die Umstände und das vermittelte Schönheitsbild aufrege, ist der Unterhaltungsfaktor zu groß, um wegzuschalten. Die Mädchen zicken rum, beschweren sich wegen den unnötigsten Dingen und versuchen krampfhaft die Aufmerksamkeit der Kamera, den Jurymitgliedern und Auftraggebern auf sich zu ziehen – was davon echt ist oder nur geschickter Zusammenschnitt durch die Produktionsfirma, die Zuschauer*innen erfahren es nicht.

 

Das Gefälschte, über das Niemand redet.

Fest steht: Die Einschaltquoten haben immer Vorrang und die Teilnehmerinnen geben in der  Fernsehshow viel über ihr Leben preis. Sie begeben sich in die Gefahr, für immer den Stempel der Teilnehmerin einer Deutschen Unterhaltungsshow an sich haften zu haben. Etwas, was im internationalen Business nicht immer gut ankommt.

Die Kandidatinnen wohnen jedes Jahr in einer Villa im Herzen von Los Angeles. Natürlich mit All-Inclusive-Service, in einer Location wie man sie sonst nur aus Hollywood-Filmen kennt. Heidi Klum scheint wie die Mutti der Teilnehmerinnen vor Ort zu sein. Dass dieses sorglose Leben von den GNTM-Teilnehmerinnen nicht annähernd der Realität von Topmodels entspricht, konnten vorherige Gewinnerinnen wie Jana Beller bestätigen. Jana Beller klagte sich zwei Monate nach ihrem Gewinn der Staffel 2011 mit einem Anwalt aus dem GNTM-Vertrag (Agentur One) heraus. Für sie war schnell klar, dass das Modelleben selten ein perfektes und glückliches Leben repräsentiert: „Das Model-Business ist extrem tough, und wenn man ehrlich ist, kann nur eine Handvoll Models gut davon leben.“ (Quelle: Stern 2011)

  • Finale 2011 // Foto: flickr/Nadja Amireh (CC BY-SA 2.0)
  • GNTM 2009 // Foto: flickr/ ds1987 (CC BY-SA 2.0)

 

An all die, die das Gleiche vorhaben…

Jeder, der die Sendung schaut, inklusive mir, hat bestimmt auch mal die Fragen im Kopf gehabt: „Habe ich die Voraussetzungen, um als Model zu arbeiten? Würde ich weit kommen? Wäre ich gut genug für die Show?“. Bestimmt ermöglicht Heidi Klum einigen Teilnehmerinnen den Startschuss in ein aufregenderes Leben. Aber leider muss man für diesen Schritt auch viel aufgeben. Man darf den Druck als Person des öffentlichen Lebens nicht unterschätzen. Wie schwer das tägliche Model-Leben den Körper und die Seele belasten kann, hat die Autorin Jolina Müller (der echte Name wurde geändert), die bereits seit 8 Jahren als Model arbeitet, in einem Beitrag „Das wahre Model-Leben macht unglücklich und einsam“ preisgegeben:  „Ich sah in den Spiegel und fühlte mich ausgelaugt. Meine Haare wurden von Tag zu Tag kaputter. Meine Haut wehrte sich, meine Kopfhaut wurde rot und juckte, meine Augen tränten […] Am Klischee, dass Models nur Kleiderständer seien, schien mir plötzlich ganz schön viel Wahres dran zu sein. Mache ich nicht mit, steht schon die nächste dankbar parat.“ (Quelle: WELT 2015)

Einerseits ist der Modelberuf für junge Mädchen attraktiv, da man mit seinem Aussehen Geld verdienen kann und die Möglichkeiten hat, im Scheinwerfer zu stehen und die Welt zu bereisen. Aber es gibt auch viele Schattenseiten. Empfehlenswert ist das wirklich nur für Persönlichkeiten mit einem starken Charakter und dem Bewusstsein, die Gesundheit immer an erster Stelle zu sehen.

Und jetzt stell dir das nächste Mal, wenn du bei Germany’s Next Topmodel einschaltest, die Frage: Ist das, wofür die Mädchen dort kämpfen, wirklich beneidenswert? Wer versichert, dass während dem Einstieg in eine Modelkarriere der Aspekt „glücklich sein“ nicht in Vergessenheit rückt?

 

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