Du darfst!

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„Lauf nicht so freizügig rum!“ „Zieh Dir etwas Vernünftiges an!“

Warum? Warum darf ich nicht das anziehen, worin ich mich wohl fühle? Ich stehe an der Bushaltestelle. Ca. 20.15 Uhr, ein Sommerabend. Ich schaue, wann der Bus kommt, will nur noch nach Hause und was essen. Ein Auto hält neben mir. Ein silberner Mercedes voll besetzt. Die Beifahrertür geht auf: „Hey, Bus ist da!“, sagt ein Mann und zwinkert mir zu. Ca. 30 Jahre alt, er macht Anstalten, auf mich zuzukommen. Es sitzen vier weitere Männer im Auto. Sie schauen mich alle an. Ich laufe weg. Schnell. Wohin? Keine Ahnung. In die Videothek. Fährt das Auto mir hinterher? Ist das der gleiche Mann, der da gerade auch ‚Video World’ betritt, wie gerade eben? Ich hole mein Handy raus: „Mama, bitte hol mich ab!“ Ob ich jetzt eine lange Jeans anhatte oder eine kurze Hot-Pan. Ob ein Croptop oder einen langen Pullover - EGAL! Ich lese andere Berichte von dummen Anmachen. Der Schlusssatz geht in die Richtung: „Ich war ja selbst schuld, wenn ich mich leicht bekleide.“ Entschuldige dich doch gleich, ein Mensch zu sein! Es gibt keinen Grund, sich selbst die Schuld zu geben.

Jeder Mensch ist frei

Fangen wir mit dem banalsten Argument an, das Grundgesetz. Jeder Mensch ist von Natur aus gleich und frei. Er darf selbst über seinen Körper entscheiden. Sprich: Du darfst anziehen, was du willst, wie du es willst, wo und wann du willst. Jeder, der meint, du kleidest dich einem Anlass entsprechend falsch, vertritt seine eigenen Interessen, seine eigene Einstellung. Wenn du meinst, es ist das Richtige, dann ist es das Richtige.

Kleidung zur Individualität

Wenn du dich jetzt der Meinung anderer fügst, geht deine eigene Individualität verloren. Deine eigene Meinung wird unterdrückt. Lass dir nichts einreden, was du eigentlich nicht magst. Kleidung ist optisch betrachtet der beste Weg, sich selbst zu repräsentieren und in Form von Stoffen seine Persönlichkeit widerzuspiegeln. Allerdings muss das nicht heißen, wenn du kurz und wenig bekleidet bist, dass du klischeehaft „einfach zu haben“ bist. Es ist auch ein Ausdruck von Bequemlichkeit, wenn du dich mit kurzen Hosen wohler fühlst. Wenn du schöne Beine hast und stolz drauf bist, warum zeigst du sie nicht? Wenn schon 90 % aller Frauen irgendwann von Cellulite befallen sind, aber du nicht, warum nicht stolz drauf sein? Und wenn schon Cellulite, dann einfach Bodypositivity. Sei stolz auf deinen Körper. Sei stolz darauf, dass du dich traust, ihn zu zeigen. Und erinnere dich immer daran, dass es nicht gleich eine Einladung zum Gaffen ist, wenn du Haut zeigst, sondern ein Zeichen von Selbstbewusstsein und Mut. Du darfst! Es kommt allein darauf an, was du magst und wie du dich präsentieren möchtest. Alles andere ist ein Zwang der Gesellschaft, der aus uns Menschen etwas wie eine einheitliche Masse formt, die leicht zu verändern ist. Aber du bist kein Objekt, das sich von anderen anstößig anquatschen lässt oder sogar angefasst werden darf. Zeige das!

VON S.

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Nein heißt Nein! Das ist jetzt Gesetz!

Seit dem 10. November 2016 gelten strengere Gesetze. Alle Infos dazu findest du auf nein-heisst-nein-berlin.de!

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