Violine – ein Instrument für jedermann?

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Yura Lee ist eine weltberühmte Violinistin und Bratschistin. Als Solistin ist sie mit zahlreichen bedeutenden Orchestern aufgetreten. Natalie traf sie beim Young Euro Classic Festivalund sprach mit ihr über ihre Karriere und die Bedeutung der klassischen Musik in der heutigen Zeit.

VON NATALIE | ÜBERSETZUNG: SARINA

jup!: Du wurdest in Südkorea geboren, aber dann bist du in die USA gezogen. Gibt es Gründe für den Umzug?

Yura: Mein Vater hat einen neuen Job bekommen, der in New York war. Meine ganze Familie ist daraufhin umgezogen. In der Nähe der Arbeit war die Juilliard School, welche die größte Schule für Musik ist. Deswegen war es für mich sehr einfach Musik (weiter) zu studieren.

Also hat der Umzug nichts mit Musik oder dem Studium zu tun?

Nicht wirklich. Bei einigen meiner Freunde war Musik der Grund, warum ihre Leben sich veränderten, aber für mich war es mit der Musik nicht so ernst, als ich jünger war.

Hast du geplant, jemals eine professionelle Musikerin zu werden?

Ich habe nicht daran gedacht, es professionell zu machen, aber ich habe mein erstes Konzert gespielt, als ich neun Jahre alt war. Das war sehr früh, aber ich mochte es. Deswegen habe ich immer weitergemacht, bevor ich überhaupt merken konnte, dass ich es professionell tue.

Gibt es bestimmte Probleme, die mit diesem Beruf verbunden sind?

Ja natürlich, viele. Zuerst muss ich sagen, dass die Probleme, im Gegensatz zu dem Spaß, den ich habe, wenig sind. Also, es gibt Probleme, aber natürlich auch viele, viele gute Dinge. Ein Problem ist, dass ich immer reise und unterwegs bin. Es ist dadurch schwierig, Freundschaften oder Beziehungen zu führen und aufrechtzuerhalten. Es ist eigentlich fast unmöglich.

Aber dafür siehst du viele verschiedene Plätze auf der Welt!

Ja, das stimmt, ich kann viele verschiedene Orte sehen und das ist toll. Ich denke, viele Musiker werden ziemlich einsam, weil wir immer allein sind, aber gleichzeitig lässt es uns die Welt ein bisschen anders sehen. Weil es meistens so ist, dass es nur mich und den Rest der Welt gibt. So ist man nicht immer in Gruppen und sieht alles auf eine andere Weise.

Yura Lee

Wer ist dein größtes Vorbild und warum?

Für mich sind Vorbilder Menschen, die ihr Leben in der Art und Weise leben, wie sie es für richtig halten. Deswegen ist es für mich egal, was sie tun und wie erfolgreich sie es tun, solange sie ehrlich zu sich selbst sind. Und für mich war mein Vater so eine Person. Eine sehr treue und ehrliche Person. Für mich gibt es also nicht ein Vorbild. Es ist jeder um mich herum, der Dinge so macht wie er sie machen möchte und dabei immer ehrlich zu sich selbst ist.

Also hast du kein genaues Vorbild wie zum Beispiel Beethoven?

Nein. Der Grund dafür ist, dass jedes menschliche Wesen einige Stärken, einige gute Seiten, aber natürlich auch einige Schwächen, weniger gute Seiten hat. Ich kenne meine eigenen schwachen und starken Seiten nicht. Deshalb habe ich keine Möglichkeit, bei Menschen die ich noch nie gesehen habe, Stärken und Schwächen zu erkennen. Es ist also gefährlich für mich eine bestimmte Person zu bevorzugen. Ich weiß nicht, wer die Person ist, aber ich kann zum Beispiel eine Idee von der Person mögen. Für mich kann jeder Inspiration sein, aber sich auf eine bestimmte Person zu fixieren, kann ein kleines bisschen gefährlich sein, weil ich nicht alles von jedem weiß und wissen kann.

Würdest du die Violine und die Viola als ein Instrument für jeden bezeichnen?

Für jeden, der es mag zu üben, ja. Es ist ein sehr unnatürliches Instrument, du musst deinen Hals verbiegen, deinen Arm drehen, es ist schwer zu spielen. Beim Klavier ist dein Körper sehr natürlich, nicht so wie bei der Violine. Deswegen musst du sehr viele Stunden üben.

Was macht die Zusammenarbeit mit jungen Leuten so besonders?

Junge Leute sind immer sehr neugierig, zum Beispiel bei den Proben haben sie keine Angst, Fragen zu stellen. Sie sind begeistert und es ist nicht wie ein Beruf für sie, es ist wie eine Leidenschaft. Wenn man älter wird und Leidenschaft und Beruf zusammenkommen, ist es gut, aber wenn man jung ist, ist es absolut kein Beruf, es ist das, was man gern macht und das ist sehr toll.

Denkst du, dass die klassische Musik auch in der Zukunft Erfolg haben wird, abgesehen als Lehrstoff in der Schule?

Ich finde es ehrlich gesagt ein bisschen schade, wie unwichtig die klassische Musik für viele Menschen wird. Ich denke, wenn man liebt, was man tut, sollte man es weiterhin tun, auch mit der Möglichkeit auf Fehlschläge. Ja, der Markt ist sehr klein, aber wenn man etwas dagegen tun kann, warum sollte man es nicht tun? Ich beispielsweise weiß nicht, ob es mir gelingt oder nicht. Ich weiß nicht, wie klein der Markt werden wird. Ich weiß das alles nicht, aber ich liebe was ich tue, deshalb probiere ich es immer weiter.

Klassische Musik ist ja auch eine Traditionen. Einige Menschen mögen klassische Musik und diese werden die Musik doch auch immer mögen.

Besonders in Deutschland gab es viele berühmte klassische Musiker wie Mozart und so weiter. Deswegen frage ich mich, wenn es sich in Deutschland nicht mehr durchsetzt, wo soll es das sonst tun?

Welchen Wert hat das Young Euro Classic-Festival deiner Meinung nach für unsere Gesellschaft?

Ich denke, Veranstaltungen wie diese sind sehr wichtig. Es bietet jungen Menschen die Möglichkeit, für Konzerte zu arbeiten, Hallen zu füllen. Wenn du übst, ist es nicht das Gleiche, wie wenn du bei Konzerten spielst. Deswegen denke ich, dass es toll für junge Menschen ist, diese Möglichkeit zu haben und auch Erfahrungen zu sammeln. Ich erinnere mich, als ich jünger war. Ich bin zu Musik-Festivals gegangen und habe in Orchestern gespielt und es war eine sehr schöne Zeit für mich. So denke ich, dass es wichtig für junge Musiker ist, diese Art von kulturellen Erfahrungen zu erleben.

Welches Fazit ziehst du jetzt nach dem Festival?

Das Erste was ich gemerkt habe, ist, dass junge Menschen sehr wichtig für mich sind. Ich bin nicht sehr alt, ich bin 31, aber ich bin auch nicht sehr jung. Deswegen mag ich es, junge Leute zu sehen, die das Thema Musik so ernst nehmen. Es ist toll zu sehen, dass es Hoffnung für unsere Zukunft gibt. Ich weiß, es ist komisch, das zu sagen, weil ich nicht so alt bin, aber ich bin wirklich sehr glücklich darüber. Ich habe das Fazit gezogen, was ich immer bemerke, wenn ich in Deutschland spiele, dass die Musik in Deutschland sehr geschätzt wird. Mehr als in anderen Ländern und ich bin sehr dankbar dafür. Es gibt viel Anerkennung für Kultur und Musik in Deutschland und das mag ich wirklich sehr.

Möchtest du im Jahr 2017 wieder bei dem Festival teilnehmen?

Ja, immer wenn es mir möglich ist.

jup!: Danke für das Interview!

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