Musik zum Abschminken

Bianca Heinicke aka Bibis Beauty Palace ist in aller Munde. Nein, nicht wegen einer neuen Schmink-Reihe, sondern aufgrund ihrer musikalischen Ambitionen. Richtig, Bibi singt jetzt. „How it is“ heißt die Single und sorgt seit letzter Woche für viel Wirbel im Netz. Über 300.000 Likes, über 2 Millionen Dislikes und ein regelrechter Shitstorm folgten. Fällt das alles noch unter freie Meinungsäußerung oder ist das einfach schon zu viel? Auch die jup! Redaktion hat intensiv diskutiert. Einige Statements seht ihr hier! Und was denkt ihr?

 

Mareike:

“How it is (Wap Bap)” ging musikalisch und inhaltlich geradewegs an mir vorbei und Bibi selbst kümmert mich mitnichten. Allerdings hat mich der Shitstorm, der über sie und ihren Song hereingebrochen ist, so derartig schockiert, dass ich doch ernsthaft an unserer jungen Generation zweifeln musste. Wie kann ein simples Musikstück die Menschen zu Unmenschen mutieren lassen? Ungeachtet Bibis’ vermeintlicher Motivation, die hinter diesem und all ihren anderen Videos stecken mag, kann es nicht sein, dass sich gefühlt die ganze Internet-Community gegen eine Person ausspricht, über sie urteilt und sie verurteilt, ohne jemals ein Wort mit ihr gewechselt zu haben. In kürzester Zeit hatte ihr Video Millionen Klicks und mindestens ebenso viele Dislikes und demütigende Kommentare, die sich gegenseitig in ihrer Niveaulosigkeit zu übertrumpfen suchten.
Stellt Euch einfach kurz vor, ihr würdet solche Äußerungen über Euch lesen müssen und das noch in tausendfacher Ausführung? Ich denke kaum, dass sich jeder Kommentarschreiber dessen bewusst ist, was Worte in Menschen auslösen können. Zwei, drei lustig bösartige Worte sind schnell getippt, gepostet oder geliket - in meinen Augen zu schnell.

Liebe Leute, Hass sollte kein kollektives Spiel sein, ist es in diesem Fall aber offenbar geworden.

Bibis Song war der Auslöser für eine Welle aus Missgunst und Feindseligkeit, die mit der eigentlichen musikalischen Leistung lange nichts mehr zu tun hat. Und das ist in meinen Augen nicht das, was ich mit dem Internet verbinden will.
Also haltet vor dem nächsten Kommentar doch mal eine Sekunde inne und denkt kurz noch einmal an die möglichen Konsequenzen und die Reichweite Eurer Worte.

 

Dat:

Ohne Auswirkung auf die Außenwirkung

Niemand hatte die Absicht, ein gutes Lied zu veröffentlichen. Dass Bibis Song kein Chartbreaker im klassischen Sinne ist, sollte hinlänglich bekannt sein. Er setzt auf Provokation und hält sich mittels wahnsinniger Polarisierungseffekte im Gespräch. Das Video ist ein perfekt-diskrepantes Produkt, das in Bild und Ton derart unstimmig ist, dass selbst der einfachste YouTube-„Kollege“ zum Musikkritiker wird und als weiteres Resonanzrohr fungiert.
Wer glaubt, bei der Songproduktion sei einfach schnell und schlampig gearbeitet worden, weil der Name „Bibi“ den Song eh verkaufe, denkt zu kurz. Vielmehr wäre jener versunken im stetig wachsenden Meer an Songs von YouTubern. Das Management musste dem Glück hier auf die Sprünge helfen. Nicht umsonst wurde beispielsweise „Pizzalied“-Urheber Sam Sommer engagiert, der seinen vor Jahren geschriebenen, mit Plagiatsvorwürfen behafteten Song ausgrub. Das Team hinter Bibi hat schlichtweg erkannt, dass Hass und Wut die stärksten Motive für Kommunikation im Netz sind. Hätte man nicht genau darauf abgezielt, hätte spätestens Bibi selbst die Bewertungs- und Kommentarfunktion unter ihrem Video deaktiviert, wie es bei Shitstormvideos allgemein üblich ist.
Bibi genießt außerhalb ihrer Zielgruppe aufgrund fragwürdigen Influencer-Marketings und perfiden Product Placements ohnehin schon einen geschädigten Ruf. Ein Lied mit Negativ-Rekord tut ihrer Karriere deshalb keinen Abbruch: Die Abonnentenzahl ihres YouTube-Kanals stagniert lediglich, ihr Name aber geht durch die Decke - eine ausgezeichnet kalkulierte Kosten-Nutzen-Rechnung.

 

Jessica:

Was Bibis Song langfristig für  einen Schaden anrichtet? Sie crasht den Musikmarkt. Major-Labels fördern Stars bei ihrer "Musikkarriere", weil sie genau um das bestehende breite Publikum wissen. Statt Newcomer zu unterstützen, gehen dann die Lochis oder Bibi auf Tour. Das Marketing wird schließlich gespart. So müssen folgend auch Live-Musiker und Techniker für etwas arbeiten, was sie eigentlich verachten. Aber in dem Business zählt bekanntlich nur das nötige Kleingeld.

 

Abdu:

Sie hat es getan und ist nun auch auf den „Pseudo-Künstler-Zug“ aufgesprungen, der bereits seit längerem fast die komplette YouTube-Welt beschäftigt. Anhaltend schlechter werdende TV-Quoten treiben die Kommerzialisierung YouTubes umso stärker an und das bringt nicht immer positives hervor, wie sowohl an dem nun neu erschienen Lied von „Bibi H.“ zusehen ist als auch an dem gesamten Konstrukt ihrer Karriere, welche einzig und allein darauf abzielt, 13-jährigen Fangirls/-boys das Taschengeld zu klauen.  Mal abgesehen davon, dass ich den Song echt nicht gut finde, sorgen sowohl Textstellen als auch Melodie für reichlich Diskussionsstoff. Gerüchte machen die Runde, Videos in denen Bibis Stimme angeblich ohne Autotune zu hören ist machen die Runde.  Letztendlich hat Bibi also genau das, was sie wollte: Aufmerksamkeit und Geld! Denn egal, ob sich nun ein Fan oder ein Hater das Video anschaut, Bibi gewinnt immer.

 

Sina:

YouTuber machen plötzlich Musik. Wie aus heiterem Himmel fällt ihnen ein: „Oh, das klappt ja ganz gut und ich habe Musik ja schon immer geliebt und ja, das mache ich jetzt.“
Im Fall von ApeCrime oder DatAdam scheint das wirklich gut zu funktionieren. Sie gehen sogar auf Tour, legen ihre YouTube-Karriere lahm, um weiter Musik zu machen und auch den Fokus darauf zu legen.
Die gute Bibi scheint das als Aufforderung gesehen zu haben und hat jetzt auch ihren ersten Song veröffentlicht: „How it is (Wap bab)“. Mit einem strahlenden Lächeln singt sie, wie schlecht sie sich fühlt, als ihr Freund sie verlassen hat. Sie läuft durch ein Märchenschloss und betreibt im Video-Product-Placement ohne Ende.
Ich glaube, sie vergisst manchmal, wie viel Follower sie hat und welchen Einfluss auf Mädchen jüngeren Alters. Als ob das nach jeder Trennung so abläuft. Da wird doch die Realität total verzehrt. Viel schlimmer ist, dass sie mit sowas auch noch Geld macht. Mit einem Lied, dass sie nicht einmal selbst geschrieben hat. Mit einem Video, das aussieht, als ob zu viele Einhörner ihren Mist dort gelassen haben. Aber wem’s gefällt. Viel Spaß!

 

Friederike:

Am besten wäre es wohl, wenn wir uns alle mal ein wenig entspannen.
Ich persönlich habe nie wirklich etwas mit "Bibis Beauty Palace" zu tun gehabt. Als dann plötzlich von allen Seiten die Information über ihren neuen Song kam, dachte ich mir: "Mensch, das kann man sich ja mal ansehen." Und genauso schnell, wie die Information zu mir kam, so schnell ist sie wieder von mir abgeprallt. Ich habe mir dieses Video angesehen und das war es dann auch. Weder das Video noch das Lied sind besonders spannend. Keine aufregende Message steht dahinter, die nun angeregt diskutiert werden müsste. Vollkommen gegenteilig haben allerdings die Menschen um mich herum reagiert. Noch Wochen später wird das Lied auf dem Schulhof herumkrakeelt. Es werden noch immer Parodien, React-Videos, Songanalysen und so weiter und so fort gedreht.
Aber können wir nicht alle einmal innehalten und darüber nachdenken, womit wir unsere Zeit verschwenden? Rauf und runter über diesen - vergleichsweise zu dem, was sonst so in der Welt passiert - doch eher unspannenden Song zu diskutieren, bringt niemanden von uns weiter. Neuer Inhalt kommt auch nicht dazu und wir machen uns weiter und weiter über das Gleiche lustig.
Also alle mal tief durchatmen und neue Hobbys suchen!

 

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