Gesagt! Getan! Demokratisch Handeln!

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am 09.04.2019
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Was bedeutet dir die Welt, in der du lebst?

Hast du dich schon mal so richtig über etwas aufgeregt? Das Gefühl gehabt, irgendwas läuft krumm und du würdest am liebsten mal deine Ärmel hoch rollen und Hand anlegen? Na, dann mach’s doch!

Sich in einer demokratischen Gesellschaft zu bewegen bedeutet, dass du ein Wort mit einlegen kannst. Deine Stimme zählt, du und deine Mitmenschen können den Unterschied machen! Wenn uns etwas stört, können wir uns für eine Veränderung einsetzen. Zum Beispiel, indem wir auf Straßen gehen und demonstrieren. Dass das einen gewaltigen Stein ins Rollen bringen kann, zeigt Greta Thunberg mit #FridaysforFuture. Oder aber kann man eine Petition unterzeichnen - so wie bei der Debatte um Artikel 13, die eine Riesenwelle an Reaktionen auslöste.

Man sieht, alles ist miteinander vernetzt. Doch eines bleibt klar: Es würde kein Wandel zustande kommen, wo nicht Bewegung gemacht wird. Deshalb ist es von Bedeutung, diesen Diskurs stetig voranzutreiben und Impulse zu geben.

Diese Idee verfolgt auch das Programm Demokratisch Handeln, bei dem auch dieses Jahr wieder Beteiligungsprojekte vernetzt wurden. Nach dem Motto “Gesagt! Getan! Wir suchen Beispiele für Demokratie. In der Schule und darüber hinaus” tagte am 2. April 2019 die 6. Regionale Lernstatt Demokratie. Im FEZ Berlin wurden zu diesem Anlass viele bunte und kreative, aber auch denkanregende Projekte vorgestellt und sich viel miteinander ausgetauscht.

 

Schaut mal, unser Mitmischen-Song flimmert über die Leinwand!

Demokratie, wie geht das eigentlich? Wo im Alltag versteckt sie sich, wie kann man sich miteinbringen, Demokratie methodisch anwenden und ein Bewusstsein für politische Prozesse schaffen? Spielerisch, aber auch mit konkreten Absichten, versucht man hier bei der Lernstatt diesen Fragen auf den Zahn zu fühlen.

Beteiligung? Das muss man uns nicht zweimal sagen! Auch jup! war mit am Start, und das - na klar, cooler kann man ja wohl kaum Anreiz schaffen - mit dem Mitmischen-Song “Setz’ dich ein!”. Direkt zu Beginn der Veranstaltung wurde unsere Musik eingespielt. Eine super Einleitung, die die Stimmung lockerte. Manche Kinder wippten schon mit den Knien, waren munter drauf. Das Credo: Politisches Engagement muss nicht zum Gähnen sein!

Nach einer warmen Begrüßung durch die Projektleitung - Hella Sobottka, Philip Hamdorf und Michael Kunsmann - ging es für die einzelnen Schul- und Vereinsgruppen an die Arbeit. In großen, zusammengesetzten Teams begegnen sich alle auf Augenhöhe und stellen innerhalb ihrer Konzeptgruppe ihre Ideen vor. Es sprüht nur so vor Vielfältigkeit!

Von Stolpersteinen bis hin zum bewussten Umgang mit Nachhaltigkeit und Umwelt wurde hier nichts ausgelassen. Auch musikalisch angehaucht: Ein Song mit einem eigens produzierten Video zum Thema Verschmutzung. Grundschüler*innen verwenden lediglich ein paar alltagstaugliche Gegenstände zur Erzeugung der Geräusche und singen dazu mit. Ebenso originell und ausschlaggebend der Titel “Weniger ist Meer”. Dass so ein Satz ernste, aber wichtige Töne anschlagen kann, zeigt auch das Projekt “Die Rückkehr der Satans-Nazis”.

Bitte, was? Fragezeichen über Fragezeichen stapeln sich da im Kopf. Doch vielleicht steckt genau hinter diesem “Interpretations-Schock” die Absicht, ganz nach der Devise, einen wachrütteln zu wollen. An wen glauben wir heute eigentlich? Wen beten wir an? Wer sind unsere Idole? Mit selbst gebasteleten Altären haben die Jugendlichen versucht die Verschiebung aufzuzeigen. Das Ergebnis dieses Headliners schmälerte der gewollte Effekt nicht - das Projekt mit den collageartig-gebastelten Kathedralen schaffte es bis in die Räumlichkeiten des Abgeordnetenhauses. Tja, wer wagt, der gewinnt!

Bevor die Köpfe weiter rattern, wird sich noch zwischendurch der Bauch vollgeschlagen. Schon flitzt man in den Ausstellungsraum: Endlich kann man ein Blick auf alle Projekte werfen!

Projektleiter Michael Kunsmann bringt Input rein.

Große Augen hier und da: Nicht nur die Kids selbst können sich hier was von anderen Schulen abgucken, sondern auch die Lehrer*innen oder medienpädagogische Fachkräfte finden viel Inspirationen. Es wird die Runde gemacht und viel miteinander diskutiert. Man staunt nicht schlecht, die Diversität und vor allem der Mut zum Aufhorchen und Aussprechen wird in der Ausstellung deutlich. Man begegnet hier Themen wie "gewaltfreie Erziehung", "Kinderrechte" und Leitsätzen wie “Vom ‘Die’ zum ‘Wir’”. Nochmals wird einem ins Bewusstsein eingeprägt, dass junge Menschen durchaus verstehen, in welcher Richtung das Rad sich dreht. Das sind ihre Vorstellungen. Ihre Szenarien.

Ihre Welt, in der sie leben möchten. Ohne Gewalt, Hass oder Ausgrenzung jeglicher Art.

Stimmrecht in Schulkonferenzen, Zivilcourage, respektvoller Umgang selbst in sportlichen Aktivitäten - die Liste ist endlos lang, die Ideen stoßen auf keine Grenzen. Und genau das ist das Schöne: Die Kinder und Jugendlichen erheben ihre Stimme und treten keinen Schritt zurück - vor Aufklärung, vor dem “Warum”. “Warum sind Dinge eigentlich so wie sie sind?”, das fragt sich ja wohl kaum ein sogenannter erwachsener Mensch einfach so oder jemand anderen direkt und hemmungslos. Aber, warum denn eigentlich nicht?

Diese Kinder und Jugendlichen haben keine Angst, mal ganz ehrlich zu hinterfragen. Sie konfrontieren gerade heraus und packen die Tatsachen auf den Tisch. Trivial ist das schon längst nicht mehr - aber vielleicht war diese offene Vorgehensweise das nie wirklich. Vielleicht macht es einen erheblichen Unterschied, den Absichten der Jugendlichen zu horchen. Vielleicht begünstigt das genau die Art von Entwicklung, die wir für starken Zusammenhalt in unserer demokratischen Gesellschaft mehr denn je brauchen.

Deswegen, meiner Meinung nach, verdient diese Tatkraft Applaus. Und dem dürfen diese engagierten jungen Menschen auch stolz entgegenkommen, als sie gegen Ende der Veranstaltung ihre Urkunden erhalten. Denn an diesem Tag wussten sie - so gut wie du und ich - dass sie was ganz richtig gemacht haben.

Bravo und weiter so!

 

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