#DEPL: Deutsche Uni vs. Polnische Uni

am 25.01.2019
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Ich bin Paulina, komme aus Polen und mache ein Auslandssemester an der Freien Universität Berlin. Auf jup! Berlin erzähle ich euch, was mir im Alltag in Deutschland so auffällt. Heute: Das Unileben!

VON PAULINA

Die Prüfungszeit nähert sich mit großen Schritten. Mein erstes Semester an der FU Berlin und zugleich mein vorletztes an der polnischen Uni ist bald vorbei. Was für Unterschiede oder Gemeinsamkeiten gibt es? Was war positiv, was war negativ? Hier meine Eindrücke.

Der erste Eindruck: Praktisch muss es sein!

Nein, es war nicht das Gebäude der FU, das mir sofort ins Auge fiel. Es waren die Studierenden, vor allem die weiblichen Studentinnen. Denn die deutschen Studentinnen tragen immer (oder sehr oft) Rücksäcke und scheinen immer ‘praktisch’ und bequem gekleidet zu sein – das macht natürlich Sinn, schließlich ist die Uni kein Laufsteg. Polnische Studentinnen dagegen und auch viele andere Studentinnen aus dem Ausland sind im Vergleich oft voll geschminkt und tragen Damenhandtaschen anstatt Rücksäcke. So lässt sich also schon äußerlich schnell feststellen, wer keine „richtige“ deutsche Studentin ist.

Seminare

Sowohl an polnischen als auch an deutschen Unis gibt es neben Vorlesungen auch Seminare. Natürlich sind sie anders organisiert: andere Credit-Points, andere Lehr- und Arbeitsmethoden und ­­was damit auch verbunden ist: andere Prüfungsaufgaben. An deutschen Universitäten werden viel mehr Hausarbeiten geschrieben als an polnischen Unis (Bezug: humanistische Studiengänge). Eine schriftliche Arbeit, die ca. 30 Seiten umfasst, wäre schon eine gute Bachelorarbeit in Polen – in Deutschland dagegen nur eine Hausarbeit von vielen. So scheint es hier normal zu sein, dass Hausarbeiten um die 15-20 Seiten lang sein müssen. Das ist natürlich anstrengend. Jedoch bringt es einen enormen Vorteil: Die deutschen Studierenden haben sicherlich viel weniger Probleme beim Schreiben der Abschlussarbeit, weil sie es über ihre gesamte Studienzeit geübt haben.

Diskussionskultur

Die deutschen Studierenden diskutieren gerne. In Polen muss der oder die Dozent*in sehr oft eine bestimmte Person direkt ansprechen, um eine Antwort bzw. Aussage zu bekommen. Das ist hier anders. Die Studierenden melden sich von selbst, um etwas zu sagen oder etwas nachzufragen.

Wer studiert eigentlich?

Wer entscheidet sich eigentlich für ein Studium? In Polen heutzutage jeder. Egal, ob er oder sie will oder eher nicht, (fast) alle gehen studieren, also tut man es selbst auch. Auch in Deutschland entscheiden sich viele für ein Studium. Das zeigen auch die vielen offenen Lehrstellen, für die sich keine Auszubildenden finden lassen. Meine Erfahrung ist, dass meine deutschen Kommilitonen oft genau wissen, warum sie etwas studieren und es daher auch wirklich wollen.

Doch was verbindet uns? Sowohl in Deutschland als auch in Polen fängt der Großteil der Studierenden zu spät an, sich auf die Prüfungen vorzubereiten : ) Also bis bald, ich muss lernen!

Hier noch ein paar Bilder von der FU Berlin und der Universität Breslau/Wrocław, wo ich sonst studiere:

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