Ein Kurzfilm in nur drei Tagen

am 25.06.2019
Teilen

Mit der Technik in die Pampa! - Als ich diesen Spruch 2014 das erste mal von einem Freund hörte, dachte ich zunächst: „Nein, das will ich auf keinen Fall!“. Mitten in der Wildnis Campen und Workshops besuchen, da könnte ich mir echt schöneres in meiner Freizeit vorstellen. Dennoch bin ich damals mitgefahren und hatte es nicht bereut.
Das Jugendmediencamp findet jedes Jahr zu Pfingsten in Kratzeburg statt und wird von dem Jugendpresseverband Brandenburg, der Junge Presse Berlin e. V. und dem Jugendmedienverband Mecklenburg-Vorpommern organisiert. Zu dem Themen „Bild“, „Ton & Sprache“ sowie „Design & Gesellschaft“ können Jugendliche zwischen 14 und 26 Jahren viel neues zum Thema Medien lernen. 

 

Freitag, 7. Juni 2019 - Fahrt nach Kratzeburg

Los ging es bereits auf dem Bahnhof Berlin Gesundbrunnen. Dort traf ich mich mit anderen Teilnehmern, die ich bereits aus dem letzten Jahren kannte. 12:49 kam unser RegionalExpress nach Kratzeburg. Wie jedes Jahr war er total überfüllt, auch weil viele Radfahrer*innen das verlängerte Wochenende für eine Radtour über die mecklenburgische Seenplatte nutzen.

In Kratzeburg angekommen (wir waren als vorbildliche Camper bereits um 15 Uhr, drei Stunden vor Beginn, vor Ort) ging es zunächst dadrum, das Zelt aufzubauen. Mit meiner Übung aus den vergangenen Jahren lief das aber glücklicherweise recht zügig ab. 

Wenn man auf das JugendMedienCamp zurückkehrt ist das auch ein Stück wieder wie heimkommen. Man sieht Freunde wieder, die man so ziemlich genau ein Jahr lang nicht gesehen hat, einfach weil es sich zeitlich nicht ergeben hat und auch, weil ja jeder in seiner Heimatstadt seinen eigenen Freundeskreis hat. 

Es war brütend warm, die Außentemperatur in Kratzeburg lag bei 30 Grad, doch glücklicherweise sorgte der Käbelicksee um die Ecke für Abkühlung.

 

Samstag, 8. Juni 2019 - der erste Tag auf dem Camp

Die erste Nacht auf dem Camp war wie immer seltsam: In einem Zelt zu übernachten ist dann doch nochmal etwas anderes, als in den eigenen vier Wänden zu schlafen. Außerdem wird man durch jedes kleine Geräusch wach, so zum Beispiel auch um vier Uhr morgens, als der Platzregen begann. Um sieben Uhr, pünktlich zum Wecken, war es damit dann aber auch wieder vorbei, sodass man mehr oder weniger vom Regen verschont blieb und die Sonne schien. 

2016, auf dem dritten JugendMedienCamp auf dem ich war, gab es einen wirklich Sintflutartigen Regen, sodass die gesamte Zeltstadt evakuiert werden musste und die Teilnehmenden in den Workshopzelten schlafen mussten, die aber geerdet und somit vor Blitzeinschlägen sicher waren.

Auf dem JugendMedienCamp ist es schon eine Tradition geworden, die Teilnehmer*innen mit Musik zu wecken. Also wurden Lautsprecher in der Zeltstadt installiert, die ab sieben Uhr morgens damit begannen, die Camper*innen mit den besten Hits der letzten 40 Jahre zu wecken.

Nach einen ausgiebigen Frühstück, das sehr lecker war, (auch weil es nicht der typische Campingfraß ist, sondern sehr gut von einem Caterer gekocht wird) begannen die Workshops. In diesem Jahr war für mich der Kurzfilm-Workshop dran: In nur drei Tagen einen ganzen Film von der Idee zur Postproduktion zu produzieren ist eine harte Leistung, die viel Planung benötigt. Zunächst mussten Ideen gesammelt werden, worum es überhaupt in dem Film gehen soll. In den letzten Jahren gingen die Camp-Filme immer in Richtung Krimi, wohl auch, weil sich ein Camp mitten in der Pampa einfach dafür anbieten. Davon wollten wir endlich mal abweichen, deswegen entwickelte sich unser Konzept eher Richtung Comedy.

Nachdem ein grober Plan stand, wurden die Szenen aufgeteilt und jede Gruppe begann, an einer Szene zu arbeiten und sich Dialoge auszudenken. Anschließend wurde alles zusammengetragen und ein Storyboard für den Film entstand. In einem Storyboard werden alle Details des Film festgeschrieben, zum Beispiel wie die Kameraeinstellung aussieht oder welcher Darsteller was sagt.

Und gleich am ersten Abend wurde dann auch die erste Szene gedreht. Eine kitschige Rosamunde-Pilcher-Szene, wie das Paar gemeinsam in den Sonnenuntergang galoppiert. Wenn man so die erste Szene abgedreht hat, ist das ein total befreiendes Gefühl, da man weiß, das all diese langweilige Vorarbeit wie planen und scripten vorbei ist und es endlich los geht. 

Später am Abend standen dann auch noch die Mini-Workshops an: Ich war bei Bodypainting dabei. Zuvor hatte ich das noch nie gemacht, weshalb ich mich freute, hier auf dem Camp neues kennenzulernen. Das ist auch etwas, warum ich das JugendMedienCamp so mag: Die Camper*innen hier können neue Sachen ausprobieren, die sie normalerweise so im Alltag nicht erreichen würden. Der Workshop „KunstExplosion“ hatte die passenden Farben besorgt, die wir dann direkt auf die Haut auftragen konnten. Während sich die anderen Teilnehmenden an komplizierten Kunstwerken wie ein Auge oder ähnliches auf dem Arm oder ins Gesicht malten, blieb ich bei einem einfachen Regenbogen auf der Arminnenseite. 

Zentraler Bestandteil des Camps ist das Lagerfeuer. Dort kann man abends noch entspannt sitzen, wenn das normale Programm vorbei ist. Das erinnert etwas an dieses typische Klassenfahrt-Feeling in der Oberschule. 

Sonntag, 9. Juni 2019 - Drehtag

Heute startete ich den Tag mit einer Morgenroutine. Die wird jeden morgen freiwillig direkt vor dem Frühstück angeboten und auch wenn ich kein Fan bin von solchem Esoterikzeug ist es doch mal spannend, etwas Neues auszuprobieren. Das ist die Magie am JugendMedienCamp, die ich so liebe und bereits gestern erwähnte: Man probiert Dinge aus, für die man so im normalen Alltagstrott keine Zeit hätte. Nach einer Mediation, bei der man aufschrieb, was man von diesem Tag erwartet und was einem am gestrigen Tag besonders gefallen hat, war noch Zeit für einen Sprung in den erfrischenden Käbelicksee, bevor es zum Frühstück ging. 

Vormittags waren die Diskussionsrunden eingeplant. Viele Themen wurden diskutiert, es ging um das „Leben im All“, „Kapitalismus überwinden“ oder „Gendern und Sexismus“. Diese Diskussionsrunden verlaufen meist enorm spannend, zumal man immer wieder neue Fakten und Sichtweisen auf ein Thema kennenlernen kann. 

Nach der Ideenfindung und der Planung gestern, begann heute der Hauptdreh. Wir haben unseren Film für die Planung in fünf kurze Abschnitte (Szenen) eingeteilt, die jeweils eine Fernsehfilmgenere behandeln: Nachrichten, Western, Dokumentation, Scripted Reality und Rosamunde-Pilcher-Film. 

Für den Western-Teil habe ich die Regie geführt. Die Aufgabe des Regisseurs ist es, alle Mitarbeitenden wie Kameramann, Regie-Assistenz und Darsteller*innen zu koordinieren. Letztendlich hat der Regisseur für die jeweilige Szene die volle Verantwortung und er muss dafür sorgen, das alles so aufgenommen wird, wie es im Storyboard geplant ist. Dieser Job kann aber, gerade aufgrund des sehr sehr knappen Zeitplans sehr stressig werden, auch weil man die Film-Crew gefühlt wie eine Horde Kinder bändigen muss. Eine sehr stressige Aufgabe, die auf der anderen Seite aber auch enorm viel Spaß macht. 

Der Zeitdruck ist auch deshalb so wichtig, weil sich bestimmte Szenen nur bei bestimmten Lichtverhältnissen drehen lassen. Und da auch das Wetter keine unwichtige Rolle spielt, muss man auf alle Eventualitäten gefasst sein und Außenszenen möglichst schnell abdrehen. Ein Bankraub oder ein Duell in der Wüste (oder Pampa) macht sich im Regen schließlich nicht so gut. 

Abends drehten wir dann noch einige Szenen bei einer Autofahrt. Die Szene handelte davon, das einige Teilnehmenden des JugendMedienCamps in die Lagerzelte der Organisatoren einbrechen, um Essensvorräte zu stehlen. Abendaufnahmen sind beim Film immer enorm schwierig, da es nur einen kurzen Zeitraum gibt, bei dem es zwar dunkel genug ist, damit es wie nachts wirkt, aber nicht zu dunkel, sodass das Bild anfängt zu rauschen. Außerdem mussten wir uns beeilen, da ab 21:30 Uhr das Konzert von Phaenotyp anfangen sollte. Wenn die Musik der Band über die Wiese schallt, kann man natürlich keinerlei brauchbare Tonaufnahmen machen. 
Die Berliner Band Phaenotyp lieferte ein erstklassiges Konzert ab. Anschließend folgte dann noch ein gemütlicher Karaokeabend. 

 

Montag, 10. Juni 2019 - Schnitt- & Präsentationstag 

Heute hieß es: Endspurt! Um 20 Uhr sollte die Abschluss-Präsentation beginnen und bis dahin sollte noch einiges getan werden: Das gesamte Material musste gesichtet, geschnitten und korrigiert werden, einige fehlende Szenen sollten noch aufgenommen und die Off-Texte eingesprochen werden. Während meine Kollegen noch ein paar Szenen aufgenommen haben, fing ich schon mal das Sichten des Materials und den Schnitt an. Normalerweise hat man bei einem Kurzfilm von circa 7 Minuten Länge viel mehr Zeit zum schneiden des Videos, da wir aber schon am Abend präsentieren sollte musste das um einiges schneller gehen. Einige Szenen mussten deswegen leider wegfallen. 

Beim Schnitt setzt man sich mit den Ansprechpersonen zusammen, die das Storyboard für die jeweilige Szene geschrieben hat und schneidet mit ihr zusammen das Projekt. Dabei muss man zum einen auf die Wünsche der Autoren eingehen, zum anderen kann man auch nicht alle Wünsche (auch aufgrund des großen Zeitmangels) umsetzen. 

Letztendlich waren wir dann zwei Minuten bevor wir unsere Ergebnisse präsentieren sollten fertig. Die Präsentation an sich war ein total toller Erfolg: Das Publikum lachte an den Stellen, an denen wir uns es gewünscht haben und allgemein fielen die Reaktionen auf den Film sehr positiv aus. Aber auch die Ergebnisse der anderen Workshops konnten sich sehen lassen. Am Ende eines so stressigen Tages konnte man aber froh sein, endlich fertig zu sein und im Schlafsack zu liegen. 
 

Das Ergebnis des Kurzfilm-Workshops findet ihr auf der Website vom Jugendmediencamp!

 

Dienstag, 11. Juni 2019 - Abreisetag

Und damit war das JugendMedienCamp auch schon wieder vorbei. Wunderbare fünf Tage lagen hinter uns, man hat viele neue tolle Freundschaften geschlossen und auch so einiges gelernt. Ich persönlich würde sagen, das es gar nicht mal so die Workshops sind, die mich so sehr vom JugendMedienCamp überzeugt haben, sondern einfach die Camp-Atmosphäre. Da man die fünf Tage ohne Internet und ähnliches total von der Aussenwelt angeschnitten ist, beschäftigt man sich lieber mit den Menschen vor Ort. Neue Leute kennenlernen fällt so sehr viel leichter, auch weil man sich jederzeit irgendwo dazusetzen kann.

Alles im allen (erneut) ein sehr schönes Camp mit einem wunderbaren Feeling, tollen Leuten und spannenden Diskussionsrunden. Falls man es nicht zum JugendMedienCamp 2019 geschafft hat. Über Pfingsten, vom 29. Mai zum 2. Juni 2020 heißt es wieder: Mit der Technik in die Pampa.

Bitte keinen kompletten Klarnamen verwenden.