Empowerment statt Hetze

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"i, Slam" Finale 2018

Wir stellen euch vier junge Aktivst*innen vor, die sich mit ihren Projekten auf kreative Weise gegen Diskriminierung und für den Dialog einsetzen.

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Leila ist BfDT Botschafterin 2019

Leila Younes El-Amaire ist Poetry-Slammerin und setzt sich für das Empowerment junger Muslim*innen ein. Seit der Gründung 2010 engagiert sie sich bei "JUMA – jung,muslimisch, aktiv". Darüber hinaus gründete Leila 2011 den „i,Slam e.V.“ und ist seitdem als Vorstandsmitglied aktiv und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit. Der Verein organisiert einen muslimischen Poetry-Slam. Er soll jungen, talentierten Muslim*innen die Möglichkeit geben, gehört zu werden, wenn sie sich kreativ und poetisch zu gesellschaftlichen, politischen oder religiösen Themen äußern.

Ich arbeite gern mit jungen Menschen zusammen. Als ich noch zur Schule ging, hatte ich ein, zwei Lehrer, die mein Potential gesehen und mich gefördert haben. Deshalb sehe auch ich gerne das Potential in jungen Leuten und möchte sie in ihrer Kreativität unterstützen. Und dann zu sehen, wie genau diese Menschen ihr Potential entfalten, ist das, was mich motiviert. Bei all dieser Arbeit komme ich aber sehr oft an meine Grenzen. Letztlich habe ich all das schon immer neben meinem Studium und Nebenjob gemacht, weshalb ich am Ende des Tages nur wenig Zeit zum Ausruhen hatte. Deshalb muss man auch immer Wege und Mittel finden, wie man wieder zu Kräften kommen kann. Trotz allem macht die Arbeit Spaß und ich würde sie gegen nichts eintauschen wollen.

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Dennis ist Engagement-Botschafter 2019

Dennis Sadik Kirschbaum ist Antirassismus-Trainer und interreligiöser Aktivist aus Berlin. Seit gut zwei Jahren ist er Vorsitzender von "JUMA e.V." - jung muslimsich aktiv. Hier treffen sich Muslim*innen um sich zu empowern, zu vernetzen und um etwas in der Gesellschaft zu bewegen. Zudem engagiert sich Dennis Sadik Kirschbaum in verschiedenen Bildungsträgern um gegen Antisemitismus, Rassismus oder Islamfeindlichkeit zu kämpfen.

Ich beschäftige mich seit langer Zeit mit Antisemitimus und Islamfeindlichkeit, da ich aufgrund meines jüdischen und arabischen Namens schon als Teenager mit diesen Diskriminierungsformen zu tun hatte. Auch heute erlebe ich immer wieder Hass und Ablehnung. Letztens meinte eine Schülerin: Es kann ja sein, dass ihr Pass deutsch ist, aber ihr Blut ist es sicherlich nicht. Das sind Momente, in denen auch ich als erfahrener Trainer an meine Grenzen stoße und erstmal innehalten muss. In der Regel schaffe ich es aber dann doch noch einen Ansatz zu finden, um ein konstruktives Gespräch mit den Schüler*innen zu führen. Das motiviert mich dann am Ball zu bleiben. In den letzten vier Jahren konnte ich einen positiven Wandel bemerken. Heute gibt es muslimsiche oder jüdische Idole die im TV oder auf Social Media eine riesen Reichweite haben und teilweie auch über diese Diskriminierungsformen sprechen. Dies schafft eine höheres Interesse bei Jugendlichen sich mit diesen Themen zu beschäftigen und erleichtert mir die Arbeit, da viele schon ein Vorwissen mitbringen.

Ouassima Laabich-Mansour (rechts)

Ouassima Laabich-Mansour ist Vorstandsmitglied in der MJD e.V. und Masterstudentin an der Hertie School of Governance.

Ouassima ist der festen Überzeugung, dass Räume, in denen jungen Menschen eine Plattform geboten wird, um eigene Potenziale zu entfalten und in den Austausch mit Anderen zu treten, essentiell und notwendig sind. Sie weiß, dass sie heute nicht der Mensch wäre, der sie ist, wenn es nicht die starken Vorbilder gegeben hätte, die nicht nur Freunde sondern auch Mentor*innen für sie gewesen sind. Und natürlich fällt es manchmal schwer, neben Arbeit, Studium und familiären Verpflichtungen dem Ehrenamt gerecht zu werden und eine Ausgewogenheit und gleichzeitige Leichtigkeit zu bewahren - aber die wunderbaren Gespräche, die positiven Veränderungen und die vielen spannenden Begegnungen mit weiteren Aktiven bestärkt sie. Seit ihrem 12. Lebensjahr ist sie Teil der Muslimischen Jugend und würde keinen Moment, keinen Vortrag und keine Freizeitaktion missen wollen. Es ist wichtig für sie, ein Teil einer starken und heterogenen Community sein zu können, die es ihr erlaubt zu lernen und zu lehren. Und die bemüht es in Bewegung zu bleiben und gleichzeitig zu bewegen.

Ozan Zakariya Keskinkilic ist in der Berliner Salaam-Schalom-Initiative aktiv und setzt sich gegen antimuslimischen Rassismus und Antisemitismus ein. Er leitet Workshops, hält Vorträge und plant öffentliche Veranstaltungen. Er ist Mitherausgeber des Sammelbandes „Fremdgemacht & Reorientiert. jüdisch-muslimische Verflechtungen“ (2018) und Autor des Buches „Die Islamdebatte gehört zu Deutschland“ (2019). 

In der Salaam-Schalom-Initiative geht es darum eine community-übergreifende Solidarität zu leben. Das heißt auch, die eigene Diskriminierungserfahrung mit der anderer Menschen zusammenzudenken, Allianzen zu schmieden und sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen. Ich teile diese Vision gemeinsam widerständig zu sein und Orte zu gestalten, in denen insbesondere Muslim*innen und Jüd*innen verdrängte Erinnerungen und Erzählungen verbinden, sich Gehör verschaffen, sozusagen den klischeebehafteten Bildern in der Gesellschaft etwas entgegenhalten. Wir sind keine Fremden. Wir werden zu Fremden gemacht. In der Regel werden die Debatten über unsere Köpfe hinweg geführt. Hier erheben wir die Stimme(n).

Natürlich ist es mühsam und anstrengend, sich immer wieder zu erklären, Antworten zu geben, die eigene Erfahrung zu verteidigen und den gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft einzufordern. Tatsächlich stoße ich immer wieder an Grenzen, die von außen abgesteckt werden, um mich zum Schweigen zu bringen. Wer sich öffentlich gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und Diskriminierung äußert, macht sich angreifbar. Hassnachrichten über Soziale Medien gehören genauso zum Alltag wie Beleidigungen und Angriffe im offline-Leben.

Erst einmal ist der Aktivismus an sich ein Zeichen für etwas Großes, Bewegendes. Gemeinsam mit anderen Demonstrationen planen, Workshops leiten, öffentliche Veranstaltungen organisieren, das ist zwar harte Arbeit und nimmt viel Zeit in Anspruch, aber bedeutet auch Freundschaft zu anderen zu pflegen und sich gegenseitig zu stärken. Besonders schön ist es, wenn auch andere neugierig auf uns werden, selbst mitmachen wollen, uns direkt ansprechen, weil sie sich in unseren Geschichten wiederfinden oder Inspirationen für eigene Aktionen bekommen.

Ehrlich gesagt zwingt mich die aktuelle Lage, weiterzumachen. Ich kann nicht schweigen, wenn Menschen diskriminiert und angegriffen werden, wenn ihre Rechte eingeschränkt werden und Hass geschürt wird. Gleichzeitig motiviert mich natürlich auch die Vision einer Gesellschaft, in der Menschen ohne Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homophobie, Transphobie und Diskriminierung leben können, sich selbst verwirklichen können. Der Weg ist lang, und alleine kann dieser Kampf nicht geführt werden. Wir brauchen neue Formen des Widerstandes, wir brauchen eine radikale Solidarität.

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