Nachhaltigkeit ist in Mode

Berlin Fashion Week 2019

Meine Damen und Herren, Platz gemacht! Da bin ich. Dieser Satz stand mir wohl ins Gesicht geschrieben, als der 15. Januar 2019 vor der Tür stand und ich endlich mein auffälliges, rosa-goldenes Kleid hervorkramen und anziehen konnte. Es war soweit. Ich, ein wohl eher gewöhnliches „Modekätzchen“, hatte eine Woche lang Zeit mich als Besucherin der großen Berlin Fashion Week, davon inspirieren zu lassen, was auf den Laufstegen Berlins getragen wurde. VON NUSHIN

Für jup.berlin in der Front Row

Direkt im Zentrum der Stadt, unweit der Friedrichstraße betrete ich das E-Werk und befinde mich sofort in einer anderen Welt. Die Halle des Geschehens, wo die Modenschauen stattfanden, war ein  länglicher Raum, der bis zum letzten Platz gefüllt war. Ich habe Glück und darf meine erste große Show aus der ersten Reihe bestaunen. Das Licht verdunkelt sich und leichtverschwitzte Models betreten den Runway in Kleidungsstücken, die von Designer zu Designer nicht hätten unterschiedlicher sein können. Einheitlich bewegen sich die Köpfe der Gäste von rechts nach links, immerzu hin und her. Aber kaum war ich im Bann der Show gefesselt, waren die 15 Minuten Action auch schon wieder vorbei.

Das Comeback der Fashion Week – Kilian Kerner

Besonders gefiel mir das Comeback von Kilian Kerner, der nach der Pleite seines Labels mit seiner selbstinszenierten, ausdrucksstarken Show Großstadtleben unter seinem neuen eigenen Label KXXK alle Modebegeisterten vom Hocker haute. Kreativ, fordernd, progressiv und provozierend – so beschrieb Kerner seine Watch-and-buy-Kollektion selbst und damit hatte er den Mund nicht zu voll genommen. Es gefällt mir, zu wissen, dass er seinem Traum, wieder in die Modebranche einzusteigen, nachgegangen ist und so gutes Feedback absahnen konnte.

 

 

Das diesjährige Thema der Fashion Week ist Nachhaltigkeit. Mir stellt sich hier sofort die Frage, wie eine Modemesse, die ja im Wesentlichen dafür da ist, neue Trends zu schaffen und den Verkauf von Kleidung anzukurbeln, ernsthaft mit Nachhaltigkeit einhergehen kann.

Nachhaltigkeit – bitte was?

Nachhaltigkeit – das Wort selbst scheint ja ziemlich trendy zu sein. Überall trifft man darauf. Ernährung, Industrie, Transport und jetzt also auch Mode. Aber was bedeutet das eigentlich?

Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Das erste Nachhaltigkeitsbewusstsein entstand im 18. Jahrhundert. Damals kam es zu einer überhandnehmenden und unkontrollierten Abholzung von Bäumen für den Bergbau. Hans Carl von Carlowitz (1645-1714), der damalige Oberberghauptmann in Kursachsen, forderte damals, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung, durch Säen und Pflanzen nachwachsen konnte.

Nachhaltige Mode - der große Slogan der Modeindustrie

Tatsächlich war ich sehr überrascht, als ich erfuhr, was für fortgeschrittene Möglichkeiten es gibt, Kleidung herzustellen und dabei die Ressourcen unserer Erde zu schonen. Das Start-Up Nat-2 hat auf der Messe der Fashion Week Schuhe vorgestellt, die aus den Abfällen der Lebensmittelindustrie herstellt werden. Milch, Fischhaut und Ochsenblut gehören hier zu den Materialien. Unglaublich!

Auch die Verarbeitung von Bio-Baumwolle, die Wiederverwendung von Plastik und andere ökologisch hergestellte Materialien gehören zu bemerkenswerten Trends, die Modebranche etwas umwelt - und ressourcenschonender machen sollen. Aber auch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Löhne der ArbeiterInnen spielen eine wichtige Rolle in Sachen Nachhaltigkeit und nicht zuletzt natürlich unser aller Konsumverhalten. All das hat letztendlich zu dem geführt, was heute allgemein als Fast Fashion bezeichnet wird.

 

fashion week19

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Fast – Faster – Fast Fashion

Fast Fashion bezeichnet das Prinzip der Modeunternehmen, so schnell und so günstig wie möglich neue Mode in die Geschäfte zu bringen. Immer schneller wechselnde Kollektionen treiben den Markt an und setzen sowohl Designer, Herstellende als auch Konsumierende permanent unter Druck.

Aber unter uns: Zwar unterstreichen die Designer der Fashion Week den Punkt Nachhaltigkeit bei der Präsentation ihrer Mode, Hoffnung auf eine pflichtbewusstere Modebranche gab sie mir aber nur mäßig. Denn wenn ein Model ein 300-Euro-Kleidchen durchs Scheinwerferlicht trägt, habe ich noch lange keine Vorstellung davon, wie viele Produktionswege das kleine Stückchen Stoff bereits hinter sich hat. Hier fehlt mir noch immer die Transparenz.

So sollte man immer vorsichtig sein und genau hinschauen, denn sogenanntes green-washing zieht sich durch alle Konsumbranchen und soll davon ablenken, dass unser Konsumdurst und enormer Ressourcenverbrauch in Deutschland und anderen Industrienationen noch immer weit davon entfernt ist, die Umwelt zu entlasten.

Denn der nachhaltigste Weg ist Slow Fashion – also gar nicht erst neue Kleidung zu kaufen, die nur für dich eine aufwendige Produktion, Ex- und Import hinter sich hat. Denn was auf den großen Modemessen sicher nicht thematisiert wird, ist, dass Second-Hand-Geschäfte in Deutschland boomen. Verkaufsportale wie Kleiderkreisel, Micolet, Mädchenflohmarkt oder eben der Flohmarkt von nebenan bieten reichlich Kleidung von Privatpersonen für einen meist günstigen Preis an. So kannst du auch das Fast-Fashion-T-Shirt mit einem reineren Gewissen kaufen. Auch Kleidertauschpartys werden immer beliebter. Sie geben dir die Möglichkeit, alte Kleidung mit anderen Modebegeisterten zu tauschen. Das Prinzip ist einfach: Man geht mit einer Hand voll Kleidung zu einem Kleidertausch-Treffpunkt und mit einer Hand voll neuer Kleidung wieder nach Hause. So wird Shopping auf einmal zum social event. Doch zurück zur Fashion Week.

 

Pelz ist out.

Ein Lob muss ich aber doch noch aussprechen. Aufgrund eines neuen Verbotes, das besonders auf den hartnäckigen Aktivismus der Tierschutzorganisation PETA zurückgeht, verzichtete die Mercedes-Benz Fashion Week in diesem Jahr erstmalig und gänzlich auf tierquälerische Pelzprodukte.

Na also! Es geht doch. Aber es gibt noch viel mehr Gründe warum wir künftig stärker auf die Herstellung unserer Kleidung achten sollten. Denn was Hans Carl von Carlowitz mit Blick auf den Wald schon im 18.Jhd. forderte, gilt heute umso mehr:

„Verbraucht nur so viele Ressourcen, wie unser Planet fähig ist zu reproduzieren.“ 

Oder wie der britische Unternehmer Richard Branson es formuliert hat:

„There is no planet B. We have to take care of the one we have”.

Natürlich kann man hoffen, dass mehr Unternehmen auf den Nachhaltigkeits-Trend aufspringen,  aber wir sollten genau darauf achten, dass den schönen Worten auch Taten folgen. Als Konsumenten haben wir die Macht durch aktives Handeln, dahingehend Druck auszuüben. Und wir haben diese Verantwortung mitzutragen. Wenn du darauf achtest, was du isst und was du trägst, dann vermeidest du einen sehr großen Teil der Müllproduktion und der Ausbeutung der Ressourcen der Erde.

Achtsamkeit und Bewusstsein - das sind die Stichworte, über die wir alle viel öfter nachdenken sollten.! ...Obwohl?... Warum nicht einfach sofort danach handeln?!

  • "Modekätzchen" - Nushin ist zum ersten Mal auf der Berlin Fashion Week.
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