Hellas Filmbox Festival

am 22.01.2019
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Am 16. Januar öffnete sich im Kino Babylon zum 4. Mal der Vorhang für das HELLAS FILMBOX BERLIN. Mit dem ergreifenden Historiendrama "Die letzte Notiz" wurde das größte griechische Filmfestival in Anwesenheit des Regisseurs Pantelis Voulgaris, der Autorin Ioanna Karystiani und des Hauptdarstellers André Hennicke eröffnet. Ich hab mir das Opening Event für euch angeschaut.

Opening Event

Ein Höhepunkt des Hellas Film Box Festival war auf jeden Fall das Opening Event. Der Abend fing entspannt an. Ich war mit meiner Stiefoma einen Happen essen und dann ging es los zum Rosa-Luxemburg-Platz ins Kino Babylon, in dem das Festival stattfand. Ich stand auf der Gästeliste und logischerweise auch mein Name. Dieser verrät, dass ich griechische Wurzeln habe, sagt allerdings nichts über meine Sprachfähigkeiten aus, denn ich spreche genau so viel Griechisch wie jeder Touri auf Korfu. Wenn ich also auf Griechisch angesprochen werde, und das passiert mir mit meinem Namen ziemlich häufig, dann antworte ich jedes Mal in perfekter Aussprache: „then milao poly kalla ellinika“ (ich spreche nicht sehr gut griechisch) und so lief es auch dieses Mal, allerdings mit einem Unterschied: Die haben es tatsächlich geschafft sowohl meinen Vor- als auch meinen Nachnamen falsch zu schreiben :/

Im Foyer war es ziemlich laut und überall um uns herum wurde Griechisch gesprochen. Kein Wunder - ich war ja auch auf dem HELLAS Film Box Festival. Ich dachte immer, nur meine griechische Familie wäre extrem laut und über herzlich - also mit großen Umarmungen, Küsschen hier und da, bisschen Wangen kneifen zur Begrüßung - aber seit diesem Festival weiß ich: es scheint ein fester Bestandteil der griechischen Kultur zu sein. Dementsprechend war die Stimmung auch laut, herzlich, vertraut, fröhlich und aufgeschlossen.

Ohne Reden kein Eröffnungs-Event

Nun ging es langsam los. Wir suchten uns nette Plätze und lauschten zunächst den Reden. Die meisten Reden der verschiedenen Organisatoren, Partner, Politiker und und und waren auf Deutsch. Nur Lefteris Kretsos, griechischer Staatssekretärs für Telekommunikation und Medien sprach auf Griechisch, was aber kein Problem war, denn zu meinem Glück wurde alles übersetzt.

Die Ballade von Mauthausen

Als der etwas zähe Redenteil absolviert war begann der künstlerische Abschnitt des Abends. Gemeinsam mit der deutschen Sängerin Michaela Meise betrat die weltberühmte griechische Sängerin Maria Farantouri die Bühne. Auch Maria Farantouri hielt noch eine kurze Ansprache bevor sie mit der, von Mikis Theodorakis geschriebenen Ballade von Mauthausen, und von einem Pianisten begleitet, die Herzen der Anwesenden verzauberte, natürlich auf Griechisch. Die deutsche Fassung präsentierte dann Michaela Meise, die sich selbst am Akkordeon begleitete. Beide Sängerinnen haben wunderbare, jedoch sehr unterschiedliche Stimmen. Die von Maria Farantouri war sehr tief und etwas rau, die von Michaela Meise eher hell und klar. Dadurch kam es mir so vor als würden die beiden zwei unterschiedliche Lieder singen. Die Ballade von Mauthausen ist auch bekannst als eines der "schönsten Musikwerk[e], mit dem jemals der Opfer des Holocaust gedacht wurde“.

„Die letzte Notiz“

Der Eröffnungsfilm „Die letzte Notiz“ bezieht sich auf ein Kapitel der deutsch-griechischen Geschichte, das vor allem in Deutschland nicht sehr bekannt ist. Dieses Kapitel wird oft als eines der dunkelsten bezeichnet, so die Moderatorin in ihrer Anmoderation. „Die letzte Notiz“ ist ein Historiendrama, das im Frühjahr 1944, im Konzentrationslager Chaidari unweit von Athen spielt. Griechenland war damals von den Nazis und ihren Verbündeten Bulgarien und Italien besetzt. In der Folge der Ausbeutung der griechischen Wirtschaft durch das Deutsche Reich brach in Griechenland eine große Hungersnot aus¹. Um den Angriffen der widerständigen Partisanengruppen Herr zu werden wurden teilweise ganze Dorfbevölkerungen von deutschen „Sondereinheiten“ ermordet . In Folge der Ermordung von vier deutschen Offiziere durch griechische Partisanen wurden am 1.Mai des Jahre 1944 200 griechische Gefangene im KZ Chaidari exekutiert. Die Hauptfigur Napoleon Soukatzidis, war Inhaftierter und zu gleich Dolmetscher für den Lagerkommandanten in Chaidari. Obwohl er gezwungener Maaßen viel Zeit mit dem Kommandanten verbrachte und dem Verhör seiner Mitgefangenen beiwohnte und übersetzte, respektierten und vertrauten ihm die meisten Gefangenen im Lager. Da der Film auch wahre historische Ereignisse wiedergibt ist er natürlich eher realistisch gehalten und ohne viele Special Effects oder großes Boom Peng Pow, was mir persönlich eher gefällt. Wer also auf Filmfiguren mit gut ausgebautem Charakter steht und ein bisschen was über die griechische Nachkriegsgeschichte lernen will, der sollte sich „Die letzte Notiz“ auf jeden Fall ansehen.

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