iPad Air: Viel mehr braucht es nicht

am 09.11.2020

Das neue iPad Air ist da. Es kommt in einem überarbeiteten Design, mit dem neusten Prozessor und jede Menge Features. Ob es einen Laptop vollständig ersetzen kann, haben wir ausprobiert.

Apple ließ seine Kunden auf das neue iPad Air eine halbe Ewigkeit warten. Mitte September vorgestellt und nun seit 23. Oktober verfügbar. Sehnlich erwartet wurde das Gerät, weil in ihm der neuste Prozessor, der auch die neuste iPhone-Generation antreibt, verbaut ist. Dazu wirkt das Gerät auf dem Papier sehr leistungsstark.

Das iPad Air (4. Generation) im Überblick:

Displaygröße: 10,9 Zoll

Betriebssystem: iPad OS 14

Gewicht: 458 g (Wi-Fi Modelle) / 460 g (Wi-Fi + Cellular Modelle)

Prozessor: A14 Bionic Chip

Sonstige Features: USB-C Anschluss, 2‑Lautsprecher-Audio, Fingerabdrucksensor in der Sperrtaste, kompatibel mit dem Magic Keyboard, dem Smart Keyboard Folio sowie dem Apple Pencil (2. Generation)

Farben: Silber, Space Grau, Roségold, Grün, Sky Blau

Preis: ab 632,60 Euro

Neues Design, neue Farben, neue Technik 

Das Design des neuen iPad Airs hat mit dem Vorgänger nichts mehr zu tun. Es kommt ohne den klassischen Home-Button. Der 10,9 Zoll Screen hat nur schmale Ränder und geht somit fast von Kante zu Kante. Es sieht jetzt so aus wie der große Bruder – das iPad Pro. Das sogenannte Liquid Retina Display ist gestochen scharf und subjektiv würde ich sagen, dass man im Vergleich zum Display des günstigeren iPad (8.Gen) einen klaren Unterschied sehen kann. Das liegt auch daran, dass das sogenannte True Tone an Board ist, was für sattere Farben sorgt. Auch die Farben des Gehäuses stehen im Fokus. Denn im Gegensatz zu seinen Vorgängern wird es nun auch beim iPad Air farbenfroh. Fünf Farben stehen zur Verfügung. Das Gerät in grün, das wir ausprobiert haben, sieht wirklich schick und edel aus. 

Das iPad Air kommt farbenfrohen daher. Hier im Bild: Das grüne Modell.

Ohne Home-Button fällt aber auch die Möglichkeit des Fingerabdrucks weg. Denkste! Die Ingenieure haben diesen nur verlegt. Der Sensor befindet sich nun in der Sperrtaste des Geräts. Während unserer Test funktioniert das – nach kurzer Eingewöhnung – schnell, zuverlässig und problemlos. 

Das Herzstück des neuen iPad Airs ist der A14 Bionic Prozessor, der 40 Prozent mehr Leistung bringen soll als beim Vorgänger. Um den Laptop zu verdrängen, ist das auch nötig, denn anspruchsvolle Apps brauchen viel Power - gerade Multimedia-Anwendungen wie Bildbearbeitung oder Videoschnitt. 

Multimedia-Anwendungen sind auch das Stichwort für die nächste Neuerung. Denn Apple hat seinem neuen iPad Air auch einen USB-C-Anschluss statt des Lightning Anschlusses spendiert. Damit ist das Gerät für die Zukunft gerüstet und es wird so das Anschließen von Geräten wie Kameras ermöglicht. 

Kompatibel ist das Gerät auch mit allerhand Zubehör. Zum Beispiel mit der zweiten Generation des Apple Pencil – nicht jedoch mit der ersten. Die zweite Generation bietet ein neueres Design und die Funktion durch einen Doppeltipp auf den Stift, Werkzeuge zu wechseln, sodass man fix zwischen Stift und Radierer wechseln kann ohne den Bildschirm berühren zu müssen. Auch mit dem Magic Keyboard ist das iPad Air kompatibel. Magneten fixieren das Tablet an der Tastatur und es scheint zu schweben. Dazu bietet das Keyboard ein Trackpad. Da kommt Laptop-Feeling auf. Sowohl der Stift als auch das Keyboard müssen jedoch separat gekauft werden. 

Auch bei diesem iPad achtet Apple auf die Umwelt. Wie bei vielen anderen Geräten, ist das iPad Air aus 100 Prozent recyceltem Aluminium und auch bei der Verpackung wurde auf Nachhaltigkeit Wert gelegt. All das ist Teil von Apples Bemühungen bis 2030 über alle Tätigkeitsbereiche des Unternehmens, die Zuliefererkette und den Produktlebenszyklus hinweg klimaneutral zu werden.

Wie viel Computer ist das iPad schon? 

Die spannende Frage ist: Kann ich alles, was ich sonst mit dem Laptop mache auch mit dem iPad machen? Schon das günstige iPad, das wir vor wenigen Wochen ausprobiert haben, hat gezeigt, dass viele Aufgaben mit dem iPad gemeistert werden können. Das Betriebssystem iPadOS 14 ist perfekt auf das Gerät abgestimmt. Mehr zu den einzelnen Features findest Du in unserem Bericht zum iPad.  
 
Die meiste Zeit am PC verbringen wir wohl im Internet und in Office-Programmen. Beides stellt das iPad Air vor keine Probleme. Für beides bietet Apple auch Apps. Der hauseigene Browser Safari ist fix und bringt neuste Privatsphäre-Features mit. So werden zum Beispiel Tracker geblockt. Auch im Bereich Office bringt Apple gleich eine Reihe Apps kostenfrei mit. Mit Pages, Numbers und Keynote sind die Grundlagen in dem Bereich abgedeckt und zwar auf professionellem Niveau. Zusätzlicher Vorteil bei Apples hauseigenen Apps: Sie werden bei der Betriebssystem-Entwicklung mitgedacht und profitieren von allen Features. Das muss bei Drittanbieter-Software nicht immer so sein.  

Doch bei manchen Aufgaben kommt man mit den Apple-Apps an die Grenzen. Aber dafür gibt es zahlreiche Apps im App-Store. Im Bereich Bildbearbeitung kann man, vorhandenes Abo vorausgesetzt, auf Photoshop von Adobe zurückgreifen. Die Entwickler der Firma haben das Programm mit zahlreichen Features auch aufs iPad gebracht. Für die allermeisten grundlegendsten Bildbearbeitungen reicht das, auch wenn einige Funktionen noch fehlen. In Sachen Videobearbeitung gibt es zum einen die kostenlose App iMovie von Apple selbst. Wer aber auf ein professionelleres Tool zurückgreifen möchte, wird bei LumaFusion fündig. Die App, die auch von zahlreichen YouTubern und Content Creatorn genutzt wird, erinnert stark an die Programme, die man auch auf dem PC nutzt. Das Arbeiten klappt problemlos und hier kommt auch die Power des iPad Air ins Spiel. Selbst bei 4K-Material macht das Gerät nicht schlapp und reagiert ohne Verzögerung. So macht Videobearbeitung richtig Spaß. 

Wer sein iPad Air über den USB-C-Anschluss an einen Monitor anschließt erlebt eine Überraschung. Der gespiegelte Inhalt des iPads füllt nicht den ganzen Bildschirm aus, sondern es werden schwarzen Ränder angezeigt. Die App Shiftscreen soll Abhilfe. schaffen. Tatsächlich wird der Monitor mit der App zum richtigen zweiten Bildschirm. Dazu unterstützt sie verschiedene Apps mit speziellen Funktionen, die das Arbeiten mit einem zweiten Monitor noch effektiver gestalten. 

Der letzte Part, den gerne auch der Computer ausfüllt, ist das Thema Gaming. Vorweg muss man sagen, das iPad ist hier mit Nichten so flexibel und vielfältig wie ein PC, aber es gibt im App Store viele Spiele, die echt Spaß machen. Richtig spannend wird es mit dem Apple-Service Apple Arcade. Für fünf Euro im Monat bekommt man hier Zugriff auf mehr als 100 Spiele entwickelt von namhaften Entwicklern. Die Spiele, die ich getestet habe, haben eine tolle Grafik und machen viel Spaß. Wer ein Apple-Gerät hat, sollte auf jeden Fall den Testmonat nutzen und sich in unzählige, verschiedene Welten stürzen und Spiele ausprobieren. 

Den Laptop braucht es (fast) nicht mehr 

Das iPad kann den Laptop im Alltag bei so ziemlich allen Tätigkeiten ersetzen. Natürlich muss man sich bei gewissen Dingen erstmal umstellen und bei manchen Apps muss man im Gegensatz zur Desktop-Version noch Abstriche machen. Doch die Power des Geräts in verblüffend und stellt wohl auch die meisten Laptops in den Schatten. Doch diese Performance hat auch seinen Preis. Denn um wirklich richtig gut mit dem iPad Air zu arbeiten, benötigt man mindestens eine Tastatur. Auch der Apple Pencil macht Spaß, fördert die Variabilität des Geräts und hat seinen Preis. Entscheidet man für das iPad Air, eine Tastatur und den Pencil ist man schnell bei über 900 Euro. Das ist vergleichbar mit einem guten Ultrabook. Ob man sich am Ende für das iPad Air oder einen Laptop entscheidet, bleibt auch ein wenig Geschmacksache. Doch eines hat sich gezeigt: In vielen Fällen kann das iPad Air einen Laptop nicht nur ersetzen, sondern die bessere Wahl sein.