jup!od #22

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am 20.04.2017
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 21. April 2017

Es heißt, eine*n gute*n Sänger*in macht sein/ihr Wiedererkennungswert aus. Egal ob durch eine besondere Stimme oder Effekte in der Produktion. Nur wer sich durch etwas auszeichnen könne, kann sich in der Musikbranche durchsetzen, einfach anders sein. Das Motto scheint sich Adel Tawil wohl zu Herzen genommen zu haben und zeigt auf seinem gleichnamige Album zu seiner neuen Single „So schön anders“ warum er so erfolgreich ist.

Vom Bandmitglied zum Solokünstler-aber immer noch Chartstürmer. Adel Tawil weiß, wie man die Zuhörer begeistert.

Seinen Durchbruch hatte Adel als Teil des Duos Ich+Ich (zusammen mit Annette Humpe). Dort machte er sich mit Hits wie „Vom selben Stern“ einen Namen. Sieben Jahre später entschied er, solo weiterzumachen und brachte 2013 sein erstes alleiniges Studioalbum „Lieder“ auf den Markt. Anders war bei dem Debüt, dass der Text der Single „Lieder“ aus den Songs entstanden ist, die ihm selbst sehr am Herzen lagen. Der Song erlangte dabei so viel Zuspruch, dass er es bis in die Top 10 der deutschen Single-Charts schaffte. Knappe drei Jahre später nun das neue Album. Und wie der Titel verspricht: Es ist anders. Nicht anders als seine vorherige Musik. Anders in dem Sinne, dass man sofort weiß: Ja, ich höre gerade Adel Tawil.

So schön anders, dass als Teaser für die heute erscheinende Platte vorab gleich vier Songs statt der üblichen zwei bis drei veröffentlicht wurden. Die Single „So schön anders“ handelt von einer Person, die dem Ich im Song sehr ähnelt, doch auf ihre Art und Weise dennoch sehr einzigartig und speziell ist. Eine Metapher für den Tawil-Stil seit Tag 1 seiner Karriere. Aber auch für den Rest des Albums. Wie ein roter Faden zieht sich eine leichte Monotonie durch Akkorde und Inhalte. Auch gibt es nicht viele Höhen und Tiefen, dennoch lässt sich sagen: Es ist irgendwie anders. Jeder Track weist neben dem Erkennungswert gelegentlich eine gewisse eigene Note auf. Die angesprochene Monotonie findet einen eher positiven Ursprung.

Der Grund dafür ist zum einen die Kollaboration mit dem aktuellen deutschen Shootingstar KC Rebel, der zusammen mit Summer Cem an „Bis hier und noch weiter“ mitwirkt. Es geht um den Willen, immer weiter zumachen und ein Ziel zu erreichen, auch wenn einen die Nachwirkungen einer Trennung verfolgen, und man nicht ganz loslassen kann. Dieses Motiv wird auch in anderen Songs, wie „Mein Leben ohne mich“ verarbeitet.

Schön anders ist auch, dass auch politische und religiöse Anekdoten miteinander verknüpft werden und „Gott steh mir bei“ nicht nur melodisch aufgebaut ist, sondern stilistisch und zum Verständnis mit Stimmen von Donald Trump oder Angela Merkel geziert ist. Eine klare Andeutung auf die aktuellen Geschehnisse in Amerika und wie diese Sorge in aller Welt auslösen. Die Kernaussage: Selbst als Atheist muss gebetet werden, damit neue Umstände nicht gleich Schlechtes bedeuten.

Auch „Eine Welt, eine Heimat“ featuring Youssou N’Dour und Mohamed Mounir setzt ein kleines Highlight. Es hebt sich durch die fränzösischen Parts der beiden Gäste ab, auch Tawil selbst wendet sich für ein paar Aussagen dem Englischen zu. Dazu sind auch hin und wieder Elemente aus dem Elektro-Pop zu hören. Schön anders, aber er hat schon mit Ausflügen in Richtung Rap ("Der Himmel soll warten“, feat. Sido) bewiesen, dass er auch anders kann.

Es ist definitiv nicht der Fall, dass das zweite Studioalbum auf die Individualität Adel Tawils abgestimmt ist. „So schön anders“ beschäftigt sich mit Veränderungen auf mehreren Ebenen. Veränderungen, die schwer zu akzeptieren sind, Veränderungen, die einen vielleicht aus der Bahn werfen können. Aber auch Veränderungen, die notwendig sind. Verändert hat sich aber auch nach über 20 Jahren, die Tawil schon einen Plattenvertrag hat, nicht sein Stil. Er hat offensichtlich etwas, was nicht jeder deutscher Künstler hat und schafft. Insofern kann man nur appellieren, sich das neue Werk anzuhören.

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