Spieglein, Spieglein an der Wand

Spätestens wenn die Pubertät beginnt, wird der eigene Körper zum ganz großen Thema. In dieser Lebensphase verändert sich der Körper mit jedem Tag ein bisschen mehr:

Schamhaare und Brüste wachsen unkontrolliert, die Stimme verändert sich und zu allem Überfluss verursachen die Hormone eine emotionale Achterbahnfahrt.

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Wieso fühlen sich viele Jugendliche in ihrem Körper unwohl? (jup!Berlin)

Die körperlichen Veränderungen in der Pubertät bringen die Selbstwahrnehmung gehörig aus dem Gleichgewicht. Das Aussehen spielt in dieser Selbstfindungsphase eine entscheidende Rolle und man muss seinen Körper neu kennenlernen.

Dabei orientiert man sich vor allem an der eigenen Umwelt und bestehenden Schönheitsidealen. Dazu gehören auch retuschierte Werbung, perfekt inszenierte Selfies von Stars auf Instagram und Magermodels bei Germany’s Next Topmodel.

Der Schönheitswahn geht in die nächste Runde

Seit dem 8. Februar ist es wieder so weit: Tausende weibliche Teenager suchen ihre einmalige Chance im Modelbusiness durchzustarten. Mit oberflächlichen Blicken werden die “Auserwählten“ rausgefiltert und für den Job als Nachwuchsmodel vorbereitet. In der Castingshow Germany‘s Next Topmodel (GNTM) von Heidi Klum, einem internationalem Topmodel, geht es darum, Deutschlands „nächstes Topmodel“ durch das Prinzip eines großen Wettbewerbes zu finden. Die Teilnehmerinnen werden mit unterschiedlichen Aufgaben und Fotoshootings konfrontiert.

von Nushin

Dass die Bilder eher selten der Realität entsprechen, wird gerne übersehen. Durch die bestehenden und oft unerreichbaren Schönheitsideale wächst die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper immer schneller.

Nur die Hälfte (52%) der Mädchen und 67% der Jungen sind (laut BRAVO "Dr. Sommer-Studie 2016) mit ihrem Körper zufrieden. Mädchen finden sich zu dick und Jungen zu wenig muskulös. Die Mehrheit (78%) meint auch, dass es einen Zusammenhang zwischen Beliebtheit und "Dünn sein" gibt.

 

Ob gewollt oder nicht, der „Körperkult“ hat alle fest im Griff. Die Wahrnehmung und Darstellung des eigenen Körpers, aber insbesondere körperliche Attraktivität hat einen extrem hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. So verwundert es nicht, dass auch Jugendliche ihren Körper „benutzen“, um sich zu inszenieren und präsentieren.

Den Körper zu gestalten, zu formen und zu „verschönern“ hilft dabei sowohl mit sich selbst, als auch mit der Außenwelt in Kontakt zu treten, sich zugehörig zu fühlen oder individuell abzugrenzen. Ob nun Kosmetik und Mode, Piercings und Tattoos, Ausdauer- und Krafttraining oder auch Diäten und Schönheitsoperationen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

 

Hauptsache der eigene Stil wird nach außen sichtbar und vor allem anerkannt. Diese Veränderungen können positive Auswirkungen mit sich bringen, solange man es nicht übertreibt. Denn wenn man sich an unerreichbaren Schönheitsidealen orientiert, kann das Streben nach Veränderung sehr schnell in einen Zwang umschlagen oder sogar krankmachende Auswirkungen haben.

Schön sein, beliebt sein, sich abgrenzen – dafür nimmt man einiges in Kauf, sogar seine eigene Gesundheit. Viele wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass der ausufernde Körperkult und ein falsches Körperbewusstsein zu Erkrankungen wie Persönlichkeitsstörungen, Depressionen, selbstverletzendem Verhalten (Ritzen) und vor allem Essstörungen führen können.

Dieser Beitrag ist Teil des Themen-Spezials "Körperkult & Schönheitsideale" und ist in Kooperation zwischen jup!Berlin und youpod – dem Jugendportal für Düsseldorf – entstanden. Im Rahmen dieses Themenschwerpunkts gibt es für euch informative Videos, Interviews und Informationsdossiers.