Miteinander - Wie Bildung kulturelle Brücken schaffen kann

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am 05.06.2019
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Rund um den Erdball verteilt herrscht eine Vielfalt an Kulturen: Sei es das individuelle Kulturgut eines Landes oder die Bewahrung von einzelnen Erzeugnissen innerhalb eines einheitlichen Verständnisses - gemeinsame Werte und internationale Zusammenarbeit spielen eine wichtige Rolle, um das kooperative Verhältnis zwischen Ländern aufrechzuerhalten.

So auch in Europa, das nur so vor Sprachenvielfalt und internationaler Diversität blüht. Trotz dieser Verschiedenheit soll es im Rahmen der Europäischen Union stets ein vereintes Wesen im gemeinnützigen Interesse repräsentieren und sich füreinander einzusetzen. Miteinander, das ist die Idee hinter dem Leitsatz “In Vielfalt geeint”. Es geht darum, dass man zusammen mehr erreichen und bereichern kann. Für sich selber, und für andere.

Eine solide Grundlage für jene Absichten kann nur durch ein stabiles Verhältnis und gemeinsames Verständnis zwischen den einzelnen Ländern erreicht werden. Den Ansatz dafür muss man so früh wie möglich setzen - sprich, tendenziell die Jugend darin mit einbeziehen. Die jungen Menschen von heute sind die Zukunft von morgen, weshalb es in diesem Zusammenhang eine große Rolle spielt, wie sie sich verhalten und untereinander agieren. Die Leute sollen aufeinander zugehen und sich kennenlernen, sich austauschen und ein Bewusstsein für ihre Mitmenschen entwickeln.

Die Grundbedingung, das A und O schlechthin: Bildung. Nur so können Brücken geschaffen werden, nur so können wir über unsere Grenzen und Vorstellungen hinaus denken. Wo Unwissenheit sich breitmacht, kann Bildung ein Mittel dazu sein, die Bedeutung eines Miteinanders sinnvoll reflektieren und die Erkenntnis daraus praktisch umsetzen zu können.

Im europäischen Raum werden gezielt Maßnahmen ergriffen, um diesen Austausch aktiv voranzutreiben. Ein gutes Beispiel dafür sind Bildungsprogramme, die sich methodisch an Jugendliche oder junge Erwachsene richten. So auch “EuroPeers”.

“EuroPeers” setzt vor allem auf persönliche Verbindung. Hinter diesem Programm versteckt sich die Idee, dass ehemalige Europäische Freiwillige als sogenannte Peer-Educator auf non-formalem Weg in Schulen und Jugendverbänden ihre Motivation und Erfahrungen vom Ausland an Interessenten weitervermitteln. Eins zu eins, mal ganz offen und aus erster Hand - was man oft in Theorien und Texten erzählt bekommt, kann so auf authentischer Art und Weise aufgenommen werden.

Bei einem Einsatz im Ausland wird man mit Konflikten konfrontiert, die wir vielleicht auch hier kennen. Nur mal ein Beispiel: Von lokalen Konflikten und Problemen zu reden ist das eine - sie hautnah mitzuerleben und zu wissen, in welche Richtung es geht, ist das andere. Die Projekte, die in der örtlichen Gruppe verwirklicht werden, sollen zeigen: Euer Engagement zählt. Keine “spröden” Aussagen, sondern eben die Realität. Vor Ort dabei sein, das macht den Unterschied. Mit solchen Erfahrungen ausgerüstet hat man auch als Einzelner die Vision eines bewussten Europas in sich verinnerlicht. Denn Europa ist nicht nur international, sondern auch ganz nah und greifbar bei dir, direkt vor der Haustür. Europa fängt also zu allererst bei dir an.

Auch Eva (28, Freiberufliche Bildungsreferentin) findet das gemeinschaftliche Denken ausschlaggebend. Sie selber hat ihren Master in Lateinamerikastudien mit einem Auslandsaufenthalt in Kolumbien absolviert, und hatte bereits einige Jahre zuvor 10 Monaten in Madrid verbracht. Im Rahmen eines Jugendredaktionprogramms betrieb sie dort Landschaftsgärtnerei mit Jugendlichen und engagierte sich in generationsübergreifenden Projektarbeiten. Sie weiß genau, wo kulturelle Differenzen, aber auch Potenziale liegen könnten. Für sie war es spannend, auch mal die Lebensweise anderer Menschen kennenzulernen, und das aus jeder Altersgruppe.

Auch Daniel (27, Biologie-Laborant) wollte sich so eine Chance nicht entgehen lassen. Selbst an der Grenze zu Polen aufgewachsen, verschlug es ihn nun endgültig in das Nachbarland. In Warschau beteiligte er sich in einer Blindenschule und übernahm die Nachmittagsbetreuung für Kinder. Später gab er auch den jungen Menschen aus der Oberstufe Deutschunterricht. Verantwortungsvolle Aufgaben, an denen man auch erstmal wachsen muss: “Für die Tätigkeit als Peer-Educator und Botschafter absolviert man ein spezielles Training.” Er erzählt, dass dabei ganz bewusst Methoden entwickelt und ausgearbeitet werden müssen. Eigene und spezifizierte Themen innerhalb des Erfahrungsspektrums werden somit nah und möglichst unkompliziert vermittelt und reflektiert.

Das Wichtigste in diesem Zusammenspiel: Die kreative Auseinandersetzung. Es sollen eigene Ideen eingebracht werden und im Dialog immerzu auf Augenhöhe empfangen und diskutiert werden. Die Unterstützungsarbeit erfolgt also mit wechselseitigen Einflüssen von beiden Seiten - den der Institution/Peers  und der potentiell zukünftigen Freiwilligen.

Neben Schulveranstaltungen an beispielsweise den eigenen Schulen stellen die EuroPeers auch anderweitige Mobilitätsprogramme vor oder geben Berichterstattung auf Informationsmessen an einer größere Audienz. Die Vision ist und bleibt dabei die Aufrechterhaltung der Grundwerte: Frieden und Freiheit.

Doch um mal Luft in anderen Gebirgen zu schnuppern und mal ein ganz anderes Gefühl von Heimat wahrnehmen zu können, kann man auch selber das Reisegepäck in die Hand nehmen. Kostengünstige Reisepässe durch sämtliche Transportgesellschaften oder internationale Verkehrsnetze in ganz Europa wird zum Beispiel auch von Interrail unterstützt. Stichwort #DiscoverEU - in dieser Initiative der Europäischen Union werden EU-Travel-Pässe extra an 18-Jährigen vergeben, damit diese durch Europa reisen und es kennenlernen können. Coole Idee, wobei allein 2018 30.000 junge Menschen das Los gezogen haben. Die Idee wird jedoch ganz konkret darauf ausgelegt, dass in Zukunft alle 18-Jährige die Chance erhalten sollen, ungeachtet ihrer finanziellen Situation sich in Europa ausrichten und orientieren zu können.

Ein europäisches Bewusstsein entwickeln, neue Menschen und Kulturen kennenlernen, einen anderen Blickwinkel einnehmen - die Begegnung des Anderen lehrt uns mehr Toleranz und Stabilität und fördert unsere Idee eines gemeinsamen, interaktiven und freundlichen Miteinanders. Und nur das hilft uns, in schwierigeren Zeiten auch mal zusammenzuhalten und uns gegenseitig zu helfen.  

 

Dieser Artikel ist im Rahmen der Europa-Redaktion in Kooperation mit politikorange entstanden.

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