(Nach-)denk!mal‘16

jup!-Redakteurin Amanda besuchte im Januar das Jugendforum denk!mal’16 im Berliner Abgeordnetenhaus und sprach mit den Organisatorinnen Edina-Talita Gergely und Maria Koch.

 

Ende Januar 2016 im Berliner Abgeordnetenhaus. Ich besuche das Jugendforum denk!mal‘16. Gemischte Gefühle, die sich um das Thema Nationalsozialismus breitmachen. Ich erinnere mich daran, dass die Rote Armee am 27. Januar 1945 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau eintraf und die restlichen Überlebenden befreite. Wieder werde ich mit der perversen Perfektion von Menschenmassenvernichtungen, die im Zuge der Rassenhygiene in Deutschland geschehen sind, konfrontiert. Wieder der Zweite Weltkrieg. Wieder Hitler und Himmler. Und schon wieder stellen sich mir die Fragen: „Was hat das alles mit mir zu tun? Geschichte hatte ich auch in der Schule!“ Oder: „Ich weiß, der Zweite Weltkrieg und so.“

Doch ist es wirklich wieder die alte Leier, die uns aus mindestens zwei Jahren Oberstufe aus den vergilbten Geschichtsbüchern entgegenblickt?

Keineswegs! Um das beurteilen zu können, sollte man wissen, was sich überhaupt hinter der einprägsamen Bezeichnung denk!mal verbirgt. Laut Duden bedeutet Denkmal eine „zum Gedächtnis an eine Person oder ein Ereignis errichtete, größere plastische Darstellung“. Doch laut Ralf Wieland, dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, bedeutet denk!mal weitaus mehr: Seit 2002 öffnet das Abgeordnetenhaus Jahr für Jahr seine Hallen für Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre. Sie setzen sich auf unterschiedlichste Art und Weise dafür ein, den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken. Aus vier verschiedenen Kategorien (mach!mal, schreib!mal, sing!mal, mal!mal) entstand eine kreative Ausstellung, die eine Woche lang im Casino des Abgeordnetenhauses kostenlos und für jedermann gezeigt wurde. Ebenfalls funktionierte man den Plenarsaal für die Abendveranstaltung um und ließ zum Beispiel einen Deutsch-Polnischen Rap zum Thema erklingen, der von Jugendlichen selbst geschrieben wurde. 

  • Projekttitel: „Die Rückkehr der Horror-Nazis“ – Marcel-Breuer-Oberschulenzentrum (Foto: Amanda)
  • „Ins Dunkle“ – Evangelische Schule Berlin Zentrum (Foto: Amanda)
  • „Die Rückkehr der Horror-Nazis“ – Marcel-Breuer-Oberschulenzentrum (Foto: Amanda)

 

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." – George (Jorge Augustín Nicolás Ruiz de) Santayana

 

Gerade das Zitat von George Santanayana scheint an Aktualität leider nicht eingebüßt zu haben. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hingegen, die sich auf ihre Art und Weise mit den Opfern des Zweiten Weltkrieges auseinander gesetzt haben, waren persönlich sehr betroffen. Schließlich waren die anwesenden Zeitzeugen an diesem Abend selbst Jugendliche, als sie den Holocaust erleben mussten.

Einen „Kloß“ im Hals hatte vor allem das Projektteam stecken, dass sich mehrere Monate mit den einzelnen Lebensgeschichten der zahlreichen Opfer auseinandersetzte. Im Interview mit Talita Gergely, Projektleiterin, und Maria Koch, Projektmitarbeiterin, erfuhr ich, was unabdingbar für das Gelingen eines solchen Projektes ist:

 

„Leidenschaft und Interesse sind immer dabei!“ – Talita Gergely

 

Außerdem erklärte mir Talita auch, welche Fokusgruppe diesmal besonders auf dem denk!mal’16 thematisiert wurde und weshalb. Sie verwies darauf, dass zum ersten Mal eine Sinti und Roma Familie, die Familie Rosenberg, das Cover des denk!mal zierte. Auch betonte sie, die Opfergruppe würde oft übersehen und nach wie vor diskriminiert.

Im Interview berichteten die beiden außerdem, warum es wichtig ist, dass sich auch in Zukunft junge Menschen mit dem Thema Nationalsozialismus auseinandersetzen, welche Projekte ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind und wie man beim Jugendforum denk!mal mitwirken kann.

Hör rein!

 

Jugendforum denk!mal'16 | jup! Interview

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Wünsche und Ziele von denk!mal

Ein auch weiterhin stattfindendes denk!mal zu schaffen, die Bildung von neuem Interesse für die Erinnerungskultur Deutschlands und der neue jugendliche Blickwinkel darauf, das und vieles mehr wünscht sich das Projektteam für die Teilnehmenden, deren Eltern, Cousinen, Freunde, Klassenkameraden und natürlich auch für das denk!mal’17-Team.

Das Resümee des diesjährigen denk!mals dürfte wahrscheinlich nicht überraschen. Ich finde es kommt dennoch nicht aus der Mode sich in diesem Punkt, ruhig jedes Jahr auf neue, einig zu werden:

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