ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD

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am 05.09.2019
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Es ist Tarantinos neunter und somit vorletzter Film, der nicht nur mit einem herausragenden Cast daher kommt, sondern auch eine Hommage an das alte Hollywood Kino Ende der 60er Jahre darstellt.

Als jup! Redakteurin hatte ich nicht nur die Möglichkeit die Film-Premiere in Berlin zu besuchen, sondern durfte auch der offiziellen Pressekonferenz beiwohnen, um den Filmstars direkt Fragen zu stellen.

Den Bericht findet ihr hier: https://jup.berlin/so-war-die-pressekonferenz-zu-once-upon-time-hollywo…

Hochkarat mit Glamour-Faktor

ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD erzählt die Geschichte des einst erfolgreichen Schauspielers Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und seines Stunt-Doubles Cliff Booth (Brad Pitt). Auf Grund des Umschwungs in der einstigen Traumfabrik, neigt sich die Karriere des Western-Serienheldes scheinbar dem Ende zu. Doch der Schauspieler will nach seinem Ruhm mit der Hit-Serie „Bounty Law“ nicht einfach aufgeben und versucht deshalb weiterhin fieberhaft gemeinsam mit seinem besten Freund Cliff Booth zu neuem Ruhm als Filmstar zu gelangen. Die Hauptrollen in sogenannten Spaghetti-Western, die ihm der Filmproduzent Marvin Schwarz (Al Pacino) anbietet, lehnt Rick Dalton jedoch dankend ab. Er lässt sich lieber als Bösewicht in etlichen Filmen von jüngeren, aufstrebenden Stars verprügeln. Während seine eigene Karriere ins Schwanken gerät, zieht nebenan der berühmte französisch-polnische Regisseur Roman Polanski (Rafal Zawierucha) mit seiner Frau, der Schauspielerin Sharon Tate (Margot Robbie), ein.

Mit einem Cast, der vor bekannten Namen nur so strotzt, kann ein Film doch eigentlich gar nicht schlecht werden. Noch dazu, wenn er von einem Mann wie Quentin Tarantino realisiert wurde. Aber so sehr mir dieser auch Film gefallen hat, muss ich doch ein wenig Kritik üben. Auch alle Menschen, die auf einen brutalen Film über die Manson Morde gehofft hatten, muss ich enttäuschen. Die Manson-Familie und die von ihnen begangenen Morde, spielen meiner Meinung nach eine eher untergeordnete Rolle. Aber beginnen wir mit den positiven Dingen, die ich über diesen Film zu sagen habe.

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Traumfabrik 60er Jahre

Mit ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD schafft Quentin Tarantino eine tolle Hommage an das Ende der „goldenen Ära“ des Hollywood-Kinos. Ganz nach Tarantino Art, nimmt er die Zeit und die Geschehnisse zum Anlass und macht sie sich zu eigen. Tarantino, der selbst ein großer Bewunderer des klassischen Hollywood-Kinos ist und in den späten 60er Jahren in Los Angeles aufwuchs, schafft einen sehr persönlichen Film, der mit Anspielungen auf diese Zeit und mit Zitaten berühmter Klassiker gespickt ist. Dennoch würde ich den Film zunächst nicht als einen „klassischen“ Tarantino Film bezeichnen. Als ich den Film das erste Mal in der Pressevorführung sah, hat er mir sofort sehr gut gefallen. Jedoch blieb bis zum Ende das Gefühl, dass noch irgendetwas fehlen würde, schließlich war es ein Tarantino Film. Erst als die harte Gewalt und das viele Blut auf der Leinwand zu sehen waren, nickte ich innerlich mit dem Kopf und freute mich. Tarantino und Gewalt gehören einfach zusammen. Genau mit dieser Erwartungshaltung spielt der Film zuvor mehrfach. In einigen Szenen wird Spannung aufgebaut, die sich immer weiter zuspitzt und das Gefühl vermittelt, dass gleich etwas Schreckliches passieren könnte.

Der Film beinhaltet jedoch auch humoristische Szenen oder Momente, die ich als Augenzwinkern des Regisseurs verstanden habe. So ist im Hintergrund beispielsweise das Lied "Mrs. Robinson" aus dem 1967 erschienenen Film DIE REIFEPRÜFUNG zu hören, wenn Cliff Booth das erste Mal auf das Hippie-Mädchen Pussycat (Margaret Qualley) trifft. Für viele von euch wird diese Tatsache nun wenig aussagekräftig sein, jedoch will ich euch versuchen zu erklären, wieso mir diesen Moment aus zweierlei Gründen im Gedächtnis blieb. Zum einen handelt DIE REIFEPRÜFUNG von der Liebesbeziehung des College Absolventen Ben und der verheirateten Mrs. Robinson. Der Altersunterschied zwischen Cliff Booth und dem Hippie-Mädchen Pussycat geht in eine ähnliche Richtung. Cliff wirkt „zu alt“ für sie und fragt sogar explizit nach ihrem Alter fragt, als sie vorschlägt ihn auf der Autofahrt mal eben so oral zu befriedigen. Zum anderen wurde in diesem Film zum ersten Mal vorurteilsfrei und publikumswirksam die Beziehung einer verheirateten Frau zu einem jüngeren Liebhaber gezeigt, was die starren Moralvorstellungen der amerikanischen Gesellschaft herausforderte. Somit gilt DIE REIFEPRÜFUNG als Vorreiter der New Hollywood Ära, die das klassische Hollywood-Kino „modernisierte“ und zum Zeitpunkt, an dem ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD spielt, durchaus bereits spürbar war.

Eine weitere nette Anekdote, die mir auffiel, war das kurze Auftreten Maya Hawkes, die einige von euch vielleicht als Robin aus der dritten Staffel von STRANGER THINGS kennen. Maya Hawke ist die Tochter der bekannten Schauspielerin Uma Thurman, die iherseits keine Unbekannte für Tarantino-Kenner*innen ist. Uma Thurman spielte beispielsweise in Tarantinos Meisterwerken wie KILL BILL VOLUME 1 und VOLUME 2, sowie PULP FICTION mit. Ich fand es also nett zu sehen, dass zwar nicht Uma Thurman selbst, jedoch ihre Tochter in Tarantinos neuem Film ein kurzer Gastauftritt zukommt.

Der Film im Film

Zudem werden in OUATIH neben "nachgestellten" oder "gefakten" Filmszenen, also Film-im-Film-Szenen, ebenfalls originale Szenen aus alten Hollywood Filmen gezeigt. So geht Margot Robbies Figur Sharon Tate in einer Szene in ein kleines Kino in Hollywood, weil dort Rollkommando gespielt wird, in dem sie mitwirkt. In dieser Szene sind Ausschnitte aus dem Original von 1968 zu sehen, sodass man die echte Sharon Tate auf der Leinwand und Margot Robbie, die Sharon Tate in diesem Film verkörpert, gewissermaßen in einem Bild sieht.

Bei einer Besprechung von Tarantino Filmen darf selbstverständlich die herausragende Montage und die interessanten Einstellungen, also eine exzellente Cinematografie, nicht unerwähnt bleiben. Zudem gefiel mir die Inszenierungsweise der Freundschaft zwischen Rick Dalton und Cliff Booth sehr. OUATIH ist übrigens in drei Perspektiven und drei Zeitspannen eingeteilt. So folgt man abwechselnd mal Rick Dalton, dann Cliff Booth oder Sharon Tate durch ihr Leben. Neben all den positiven Aspekten des Films, muss ich jedoch auch sagen, dass ich bis zum Ende den Sinn von Margot Robbies Figur und ihrem Point of View nicht verstanden habe. Ja, bei den am 9. August 1969 geschehenen Manson Morden, ist sie eines der Opfer, die auf brutalste Weise ermordet wurden. Und ja, diese Morde waren der Auslöser für eine ungute Stimmung in Hollywood und Angst unter Hollywood Stars. Dennoch trägt ihre Perspektive nur wenig zur Handlung des Films bei. Meiner Meinung nach steht die Freundschaft zwischen Rick Dalton und Cliff Booth im Vordergrund. Es werden immer mal wieder Hinweise auf die Manson-Familie und deren Gräueltaten gestreut, bis zum großen Finale des Films, sind diese Ereignisse meiner Meinung nach jedoch nur zweitrangig. Ich muss allerdings auch zugeben – fragt mich bitte nicht, wie das passieren konnte – dass ich den Film das erste Mal ohne das Wissen über die Manson Morde gesehen habe. Die Morde und die ganzen damit einhergehenden Geschichten waren wir zum Zeitpunkt der ersten Sichtung des Films nicht bekannt und ich habe erst danach meine Recherche erledigt. Der Film ist aus meiner Sicht sowohl mit, als auch ohne das Wissen über die Morde ein guter Film. Jedoch bekommt der Film einen ganz anderen Ton und eine ganz andere Wirkung, wenn die Geschichten zu den Tate-Morden und Charles Manson bekannt sind.

Behind-the-Scenes bei ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD

Die von der Manson Family verübten Tate-Morde fanden am frühen Morgen des 9. August 1969 auf dem Anwesen am 10050 Cielo Drive in Los Angeles statt. Opfer des Massenmordes waren die hochschwangere Sharon Tate, ihr ungeborener Sohn, sowie ihre Freunde Jay Sebring, Wojciech Frykowski, Abigail Folger und Steven Parent. Die vier Mitglieder der Manson Family Susan Atkins, Linda Kasabian, Patricia Krenwinkel und Charles Watson handelten im Auftrag von Charles Manson und ermordeten auf brutalste Weise Sharon Tate und ihre Freunde, bevor sie einen Tag später, am 10. August 1969 das Unternehmerehepaar Leno und Rosemary LaBianca töteten.

Ich möchte jetzt nicht weitere brutale Details zum Tathergang beschreiben, aber wer sich näher zu diesem Thema informieren möchte, der muss einfach nur nach den Begriffen „Manson Family“ und „Tate-Morde“ und findet ausführliches Material zu diesem Thema.

Mein Fazit

Ich kann euch nur empfehlen diesen Film anzuschauen, wenn ihr mit Gewalt und Blut keine Probleme habt und andere Filme des Regissseurs mögt. Mir hat der Film sehr gut gefallen und ich werde ihn mir demnächst wohl noch ein weiteres anschauen gehen. Ach, und lasst mir euch einen kleinen Tipp zum Ende geben. Bleibt im Kino sitzen, bis die ersten Credits gelaufen sind. Es kommt noch eine kleine Szene mit Rock Dalton, die ich persönlich sehr mag.

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