Tag des offenen Denkmals in Berlin - Hohenschönhausen

am 13.09.2018
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Wir waren letzten Sonntag beim Tag des offenen Denkmals, im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen. Da wir uns schon im Voraus für eine Führung durch das Gefängnis angemeldet hatten, mussten wir nur noch in der Cafeteria auf den Beginn der Besichtigung warten. Es dauerte nicht lang und es kam ein Ausstellungs-Aufseher um uns in einen Raum zu bringen. Dort gab es dann einen dreißigminütigen Einführungsfilm über das Gefängnis. Die Stimmung war etwas angespannt, was klar ist bei so einem düsteren Thema. Mal wieder wurde mir klar, dass das alles gar nicht mal so lange her ist. Wenn ich mit meinen Großeltern spreche, reden wir nicht grade über Themen wie die Stasi- oder NS- Zeit. Zum Mal, weil meine Großeltern beide im Westen Berlins aufgewachsen sind und von dem ganzen gar nicht betroffen waren. Jedes Jahr besuchen rund 455.00 die Gedenkstätte, die meisten davon sind noch Schüler. Allerdings kommen auch ehemalige Häftlinge in die stillgelegte Haftanstalt. Unser Gruppenleiter erzählte uns, dass oft ehemalige Häftlinge in Tränen ausbrechen oder sogar Panik-Attacken erleiden und in Ohnmacht fallen. Mich wundert das nicht, bei dem was ich dort gesehen und gehört habe. Die Häftlinge wurden nicht nur physisch fertig gemacht, indem man sie ständig wach hielt oder misshandelte. Nein, die Wärter dort wurden dazu ausgebildet, die Häftlinge auch psychisch zu Grunde zu richten. Sie nannten das operative Psychologie. Oft wurden Geständnisse erzwungen, die Verhöre fanden nur in der Nacht statt und die Häftlinge hatten vorher oft Wochenlang keinen Kontakt zu anderen Menschen. Allein das war für die meisten schon ein Grund zu reden. Wenn das nicht funktionierte, wurden sie bestochen oder ihren Familien gedroht.

Das U-Boot

Nach dem Einführungsfilm wurden wir in drei Gruppen eingeteilt, die jeweils von einem Ausstellungsführer begleitet wurden. Die Gruppen waren überschaubar und bestanden aus 15 Personen. Wir drei waren noch so mit die Jüngsten. Die Führung startete im sogenannten „U-Boot“, das 1947 von Häftlingen errichtet wurde. Dort wurden wir durch schmale Kellergänge geführt, durch die man in kleine bunkerartige Zellen gelangt. Eine Zelle war mit einer Holzpritsche und einem Kübel, als Toilettenersatz, ausgestattet. Der Ausstellungsführer machte uns auf die alte Glühbirne über der Zellentür aufmerksam, die während der aktiven Zeit der Haftanstalt, Tag und Nacht brannte. Wie ein Häftling schlafen durfte, wurde streng festgelegt. Häftlinge durften nur in einer bestimmten Schlafhaltung nächtigen, d.h. sie mussten auf dem Rücken liegen und die Hände flach über ihrer Bettdecke auf den Bauch legen. Sobald jemand mit dem Kopf Richtung Wand lag, wurde er unsanft aus dem Schlaf gerissen, denn diese Schlafhaltung galt als Grund für Suizid. Am Ende unserer Führung wurden wir in das Gefängnis- Krankenhaus geführt. Dort wurden uns die Freiganghöfe gezeigt. Das waren kleine Zellen, deren Decke offen war und nur aus einem Gitter bestand. Hier konnten Häftlinge, die aus gesundheitlichen Gründen im Krankenhaus waren, frische Luft schnuppern und ein wenig Tageslicht erhaschen. Allerdings nicht ungestört, da immer ein bewaffneter Wächter auf einem Podest, ständig in die Zelle blickte. Was ich sehr erstaunlich fand ist, dass alles noch so erhalten wurde, wie es früher war. Alleine der alte, verbrauchte Geruch. Außerdem ist es unvorstellbar, dass die Leute, die damals während dieser Zeit in Hohenschönhausen gelebt haben, nichts oder wenig von dieser Haftanstalt wussten. Denn sie befand sich in einem militärischen Sperrbezirk, welcher sogar auf der Stadtkarte Berlins nicht vermerkt war. Ein unsichtbarer und unbekannter Ort für Menschen aus der Umgebung. Dicht ran konnten sie sowieso nicht, weil die Haftanstalt durch Mauern und Stacheldrähten, sowie durch Wachpersonal in Wachtürmen verriegelt war. Selbst die Wächter in den Wachtürmen wussten nicht, was sie bewachten. Von außen gelangten sie in ihre Türme, bekamen aber nie einen Einblick in das Innere des Geländes.

Berühmte Haftschicksale

Zu den berühmten Haftschicksalen im Stasi-Gefängnis gehört unter anderem der prominente CDU-Politiker Helmut Brandt. Der 1911 geborene Mitbegründer der Ost-CDU wurde im Jahr 1950 in das Gefängnis eingeliefert, da er gegen die Waldheimer Prozesse protestiert hatte. Die Justiz der DDR wollte im Eilverfahren 3.000 Lagerhäftlinge verurteilen und gegen diese hatte Brandt demonstriert. Deswegen wurde er von dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) festgenommen. Seine 10 jährige Haftstrafe saß er in Berlin-Hohenschönhausen ab. Im Gefängnis wurde er der „Verschwörergruppe“ um den verhafteten Außenministers Dertinger der DDR zugeordnet, obwohl es dafür keinerlei Belege gab. Aufgrund eines Gnadegesuchs wurde er dann 1958 entlassen. Seine Freiheit hielt aber nur 36 Stunden, da er versuchte nach Westberlin zu flüchten. Nach 5 Jahren weiterer Haft wurde er dann schließlich von der Bundesregierung freigekauft. Helmut Brandt starb 1998. Ein weiteres prominentes Opfer des Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen ist Paul Merker. Er war das höchste Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschland, das im Stasi-Gefängnis festsaß. Er war auch als Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium in der Sozialistischen Einheitspartei (SED) tätig. Da er ursprünglich aus dem Westen immigriert ist, fiel er 1950 der Parteiinternen Säuberung zum Opfer. Er verlor all seine Ämter und obwohl er zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, kam er schon 1956 wieder frei, da dort die Tauwetter-Periode ansetzte. So wird die Zeit von Stalins Tod bis zur Entmachtung seines Nachfolgers Nikita Chruschtschow genannt. Die Zeit im Stalin-Gefängnis hat Merker physisch und psychisch zugesetzt, sodass er am 13. Mai 1969 in Berlin starb.

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