Theater

Theater der Dinge – die Plakate hingen in ganz Berlin, aber was verbarg sich dahinter? Viele Künstler*innen aus verschiedenen Ländern präsentierten ihre theatralischen Erfindungen zu den Objekten, mit denen wir uns neben Tieren und Pilzen unsere Welt teilen. Deutschland war mit Florian Feisels ,,SchmetterDinge” bei diesem Festival in der Schaubude vertreten.

VON KRISTINA

 

Was haben Schmetterlinge mit Porzellanpuppen zu tun?
Warum sammeln Menschen Dinge?
Geht es Puppen besser ohne Menschen, wenn es Tieren besser ergeht ohne den Menschen?

Die Puppen sind von Menschenhand gemacht - Tiere nicht. Sie sind gemacht, um berührt zu werden und nicht, um unter der Erde vergraben zu sein, weil ihre Porzellanfabrik abgerissen werden musste.

Wie beschreibt man ein Theaterstück, was genau genommen keines ist? Was macht überhaupt ein Theaterstück aus? Eine Handlung und Darsteller*innen? Alles gegeben.
Und doch ist Florian Fleisels ,,SchmetterDinge” so als würde man ihn zu Hause besuchen, zuerst verlegen im Raum stehen bleibt und ihm nach und nach begeistert lauscht, wie er euphorisch und aufgeregt von seinen Sammlungen spricht. Ja, so ist es mehr die Erzählung eines verrückten Fanatikers, der einen zum Nachdenken anregt und inspiriert, als ein Theaterstück, wo man einfach berauscht wird.

Er spannte die Flügel. Endlich konnte er fliegen und dem Himmel näher sein, um in die Freiheit zu gelangen. Doch das war auch sein Verhängnis. Die Flügel mit Wachs befestigt schmolzen durch die Strahlen der Sonne und seine geliebten Flügel ließen ihn in den Tod stürzen. Ikarus hatte einen Traum gewagt und ist gefallen. VON KRISTINA

Was hat das nun mit Theater zu tun?

Ganz viel! In der Kinder- und Jugendtheaterszene Berlins wird viel Aufwand betrieben, um Kindern ein größtmögliches Erlebnis zu bieten. Immer wieder wird kreativ gegrübelt und getüftelt, wie Themen und Geschichten im Theater umgesetzt werden können. Bei so viel Kreativität wird stets auch gewagt und dabei manchmal fällt man dabei in den Ozean.

Der IKARUS-Preis wird deshalb für Inszenierungen verliehen, die nach der Meinung der Jury erfolgreich geflogen sind.

Dieses Jahr wurde diese Auszeichnung nun schon zum 16. Mal verliehen. Aus acht Stücken mussten sich die Juror*innen entscheiden. Jedoch kam diesmal nicht bloß eine Jury zum Einsatz. Denn Kinder und Jugendtheaterstücke, von Erwachsenen gespielt und bewertet - wo bleiben da die Kinder? Ganz genau! So gab es dieses Jahr glücklicherweise zum allerersten Mal eine Jury aus Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren, die einen eigenen Preis vergeben durfte.

Eine Jury hatte zuvor aus 40 Stücken die acht Nominierungen herausgesucht und bei der Preisverleihung konnte man einen kurzen Einblick in die Vorstellung der Besten der Besten bekommen. Dass alle acht Stücke potenzielle Gewinner sind, wurde mit jeder weiteren Vorführung klar. Doch die finale Entscheidung musste irgendwann fallen.

„Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, vor allem weil alle Stücke so unterschiedlich und eigentlich nicht vergleichbar sind. Aber wir haben uns entschieden!”

In der Tat, das hatten sie, doch bevor der Gewinner verkündet wurde, hatten alle riesig Spaß bei der Preisverleihung am 7. November. Grund dafür war vor allem die 4xSample Beatboxcrew, die beeindruckend und witzig aus jedem Detail eine musikalische Performance kreierte, sowie Moderator Raphael Hildebrand, der mit breitem Lächeln und viel Humor charmant durch das Programm führte.

Die Märchen Hans im Glück, Schneewittchen und Die Bremer Stadtmusikanten wurden auf originelle Art neu erzählt. Verstörend und exzentrisch zugleich schuf das Theater an der Parkaue eine moderne Inszenierung voll von Liedern und Neonfarben. Die Geschichte der Aktivistin Malala wurde gezeigt. Musikalisch wurden wir über die Umstände der Hühner in Massentierhaltung aufgeklärt. Madagaskar wurde zum neuen Ziel eines Jungen, der keine Liebe mehr von seiner Mutter erhält und die Geschichte des Mauerbaus in Berlin wurde anhand einer Familie mit Live-Musik und Witz, aber auch Dramatik erzählt.

Dann kam endlich der Moment der Enthüllung und der Gewinner für die 10 jungen Juroren wurde lauthals ins Publikum gerufen: „Einmal Schneewittchen, bitte!” Tosender Applaus und Anna Fregin, die Puppenspielerin, läuft mit breitem Grinsen auf die Bühne zu.

Kurze Zeit später, nachdem die zwei Beatboxer den Saal zum Lachen brachten und die Spannung bis zur Decke schoss, gab es einen zweiten Moment der Enthüllung: die Jury entscheidet sich für die Hühneroper und somit steht der zweite Gewinner des Jahres fest.

Konfettiregen und Rosengewirr - dazu werden Riesenschecks über insgesamt 7.500 Euro festgehalten und alle Nominierten stürmen die Bühne. Was für ein Fest!

Die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung hat einen neuen Aktionsfonds für kulturelle Jugendbildung ins Leben gerufen. Dieser ist Teil eines neuen Projekts Jugend.Sprungbrett.Kultur kurz JSK! Das JSK soll helfen, Diversität, Transkulturalität und Partizipation aus der Perspektive von Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung zu formulieren und sie zu unterstützen, ihre eigene Projekte und Ideen umzusetzen.

Der Aktionsfonds fördert mit den Mitteln des Landes Berlin – der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie – integrative und partizipative Maßnahmen und Projekte von und mit jungen Geflüchteten (14-27 Jahre). Bis zu 5.000 Euro können in diesem Jahr noch beantragt werden. Die Ausschreibung mit den Förderkriterien sowie die Formulare für die Antragstellung können auf der Website der LKJ Berlin hier heruntergeladen werden.

Wer kann gefördert werden?
Gruppen, Initiativen oder gemeinnützige Institutionen (e.V. oder gGmbH), Personen (junge Erwachsene ab 18 Jahren) mit Fluchterfahrung, Wohnort Berlin und die
- Haupttätigkeit in der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit haben
- selbst Projekte/Maßnahmen von und mit Geflüchteten durchführen und/oder
- Projekte in Kooperation mit Selbstorganisationen / ehrenamtlichen Initaitiven junger Geflüchteter durchführen

Wie viel kann beantragt werden?
Einzelvorhaben können bis zu 5.000€ beantragen

Welche Vorhaben können beantragt werden?

Projekte für 14 bis 27-Jährige, die
- kreative/innovative künstlerische Ideen von Geflüchteten-Selbstorganisationen und
jungen Menschen mit Geflüchtetenstatus im Umgang mit traditionellen Künsten und
neuen Medien aufgreifen – Fotografie, Printmedien, Zeitungen, Rundfunk, Hörfunk,
social media, social network, Internet, Spoken words/Poetry slam,
Schreibwerkstätten, Theater, Musik, Tanz, Bildende Kunst etc.,

- kulturelle und alternative Lebensformen junger Geflüchtete als Ausgangspunkt
künstlerischer Praxis nehmen,
- kulturelle Bildung in verschiedenen Politikfeldern und Einrichtungen umsetzen.

Die Antragstellung ist ab sofort möglich!

Bei Fragen zur Antragsstellung kann sich an die Projektkoordinator*innen gewandt werden: Abdel Amine Mohammed (amine.mohammed@lkj-berlin.de) und Marwa Al-Radwany (marwa.al-radwany@lkj-berlin.de).

Quelle: LKJ

 

VON LILI

Morgens nach dem Aufstehen, an der Bushaltestelle, im Bus, in der Schule, an der Uni oder auf der Arbeit, vor dem Einschlafen – Instagram begleitet Manche den ganzen Tag. Man wird überschüttet mit einer Welle an Posts, die einem zeigen, wie das vermeintlich beste Leben aussieht. Eine Welle an Luxus, Food-Porn und Werbung. Natürlich unterstützt mit einer Vielfalt an Hashtags - für neue Follower, für mehr Reichweite, für mehr Profit. „Influencer“ ist jetzt der neue Traumberuf der Jugend. Fotoshootings, Reisen, Luxus. Qualität und Tiefgründigkeit sind meistens nicht die Wörter, die die meisten mit Instagram verbinden. Diese Grenze wurde allerdings mit dem Instagram-Walk vom Grips Theater am Hansaplatz überwunden.  Ins Leben gerufen von der FSJ-lerin Sophia, wurde die Aktion dieses Jahr das erste mal durchgeführt – und das mit Erfolg. Aber alles von Anfang.

 

Das Theater für Kinder und Jugendliche

Angekommen im bunten Foyer, bemalt durch die typischen Figuren des Theaters (von dem Bruder des Gründers), schlossen wir uns der kleinen Gruppe an. Schon hier haben wir mitbekommen, dass es kein gewöhnliches Theater ist, in dem schick angezogene Leute über irgendwelche Details in der Inszenierung fachsimpeln. Alltägliche Zuschauer und vor allem Kinder, die von der Handlung lernen sollen. An der sogenannten „Wall of Fame“ konnten wir mitverfolgen, wer alles in dem Theater spielt bzw. gespielt hat. Neben dem festen Ensemble sind aber auch Techniker*innen oder die Schneider*innen verewigt. Auch wurde uns erzählt, dass das Theater vom Gründer Volker Ludwig für Kinder und Jugendliche errichtet wurde, da Theater in den 60ern nur für Erwachsene zugänglich und verständlich war.

 

Anschließend wurde uns auch schon die Bühne für den Tag gezeigt- mit der aufgebauten Kulisse zu „Phantom (Ein Spiel)“. Durch die Bankreihen gehend, haben wir die Bühne in den unterschiedlichsten Perspektiven gesehen. Es war der erste Einblick und sollte der Oberflächigste bleiben.

 

VON SINA

Theater ist speziell. Ich kann meine Meinung darüber einfach nicht ändern. Es ist nicht so, als hätte ich eine komplette Abneigung gegenüber dieser Art von Kunst und Expression. Ich gehe sogar gerne ins Theater. Aber ich kann auch verstehe, wenn man sagt: „Theater? Nein, das ist nichts für mich.“
 

Nach dem Instagram-Walk im GRIPS Theater am Hansaplatz wurde das Stück „Phantom (Ein Spiel)" aufgeführt. ‚Ein Spiel‘? Werde ich noch herausfinden, was das bedeutet. ‚Phantom‘? Ja, das verstehe ich. Denn niemand weiß zu wem das Kind gehört, das von fünf Mitarbeiter*innen in einem Fast Food Restaurant wird, als sie gerade das Lokal aufräumten. Weil die Polizei nicht weiterhelfen kann, beschließen die Kolleg*innen, zu mutmaßen. Wer könnte das Kind abgelegt haben? Und warum? Und genau dieses ‚Warum‘ wird nun in zwei Stunden Spielzeit untersucht. So entsteht in den Köpfen des Restaurantpersonal die Figur der jungen bulgarischen Immigrantin Blanka, die nach Deutschland kommt, um hier in einer großen Putzfirma zu arbeiten und so ihre Familie in der Heimat zu versorgen. Jeder der mitwirkenden Darsteller verkörpert diese junge Frau einmal. Ein Spiel mit der Fiktion und der Fiktion innerhalb der Fiktion, welche der Zuschauer lediglich durch Licht, zwischenzeitliche filmische Einspieler und andere Kostüme unterscheiden kann. Es wäre nicht modernes Theater, wenn die Umkleidung nicht, für jedermann sichtbar, auf offener Bühne stattfinden würde. Wenn nicht der alles bedeckende Overall fällt wird und einen lediglich von roter Spitzen-Unterwäsche bedeckten Körper entblößt. Wenn sich der männliche Darsteller nicht wie selbstverständlich eine weibliche Rolle inszeniert. Und wenn das Szenenbild nicht auch nur von den Darstellern verändert wird.

Eine Schulklasse sitzt neben mir und lacht viel. Einige sitzen auch am Handy und schreiben lieber mit Freunden, aber so, dass die Lehrer es nicht sehen. Ich sitze dort, friere, weil ich 15 Grad am Abend überschätzt habe. Ich merke, dass ich müde werde, aber irgendwas hält mich wach. Ich möchte wissen, wie das Kind dort hin gekommen ist. Also höre ich mir die Version der Kollegen an und warte ab, ob es am Ende eine Aufklärung gibt. Ich möchte entscheiden können, welche Version mir besser gefällt - ein Polizeibericht oder das Ende der Geschichte der Fast-Food-Mitarbeiter*innen. Ich muss aber mit voranschreitender Zeit feststellen, dass ich keine Vergleichsoption bekommen werde.
 

Begeisterung wider Erwarten

Im Nachhinein brauche ich diese auch gar nicht, denn mir gefällt die Ende der Fiktion in der Fiktion. Mich überzeugt, die Geschichte einer Bulgarin, die gezwungen wird nach Deutschland zu kommen. Sie ist gebildet, im Gegensatz zu vielen in ihrem Alter. Und sie ist mutig, weil sie entschieden hat, so jung, wie sie ist in ein fremdes Land zu gehen. Um zu arbeiten. Um zu leben. Allein auf sich gestellt. Das Motiv des Aufbruchs aber auch des Mutes, welches sich durch das Stück ziehen, machen „Phantom (Ein Spiel)“ zu einem Stück, dass durchaus ins GRIPS Theater passt. Denn auch wenn die Altersfreigabe 16 ist - das Stück enthält pädagogisch wertvolle Motive auch für jüngere. Und das GRIPS Theater wurde bekanntlich für Kinder gegründet. Mir gefällt, dass Klischees dargestellt, aber auch kritisiert und abgelehnt werden. Ja, Blanka geht ausgerechnet in das wirtschaftlich starke Deutschland um Geld für ihre Familie, besonders für ihren kranken Vater, zu verdienen. Ja, sie wird von den Eltern dazu gezwungen und ja, der Plan geht schief, es gibt keinen Job in Deutschland und Blanka muss sich selbst Arbeit und Geld verschaffen. Deutlich wird aber auch, dass die Figur der Blanka von Beginn an so aufgebaut ist, dass sie im späteren Verlauf dazu benutzt werden kann Vorurteile zu brechen und zu beheben. Nein, Blanka prostituiert sich nicht. Nein, Blanka wird nicht ungewollt durch eine Vergewaltigung schwanger und legt das Kind aus Verzweiflung ab. Nein, Blanka fängt nicht an zu klauen und andere Leute auszubeuten, nein.
 

Oh Pause. Ich sitze ohne Akku im Theater und fange an, mir die anderen Stücke, die das GRIPS Theater spielt, in einem Prospekt durchzulesen. Ich sollte mal den Klassiker „Linie 1“ anschauen gehen. Während des Walks wurde viel darüber geredet. Auch wenn ich keine Theater-Fanatikerin bin-ich werde wieder her kommen. Noch viel lieber, wenn man mich nicht weiter auf die Folter spannen möchte. Ich fange nämlich gerade an, mich für die Figuren zu interessieren. Glück gehabt, es geht weiter.
 

Strukturierte Themenvielfalt

Neben der Immigranten-Geschichte wird die soziale Ungleichheit in Deutschland aufgegriffen und weitere Figuren erstellt. Man könnte meinen, das Gewusel auf der Bühne wird unübersichtlicher, wenn fünf Personen über 20 Figuren darstellen möchten. Die einfachen weißen Kostüme, die einfach erweitert werden, machen den Überblick jedoch relativ strukturiert. Auch die sprachliche Veränderung, sei es durch Soziolekt oder Dialekt, werden die Charaktere gut differenziert, sodass man auch das Spiel im Spiel sehr gut erkennt. Der Untertitel ‚Ein Spiel‘ wird mir zwar erst klar, als ich das Gesehene verarbeite, aber auch währenddessen ist die Metafiktion und das Spiel mit den Perspektiven und Positionen des Geschehens das, was das Stück unglaublich interessant, sehenswert und dazu modern machen.
 

Mir gefällt, dass man sich für dieses Stück viele Gedanken gemacht hat und nicht das nächstbeste zusammengeführt hat. Dazu muss man auch sagen, dass die Darsteller*innen einen tollen Job gemacht haben. Ich stelle mir die Erschaffung der Figur Blanka im Prozess der Stückentwicklung schwierig vor. Umso besser gefällt mir letztendlich, dass Blanka innerhalb der Fiktion der Fast-Food-Restaurantangestellten variabel dargestellt wurde und das die Figur dadurch so viele Facetten bekam. Ohne 'Ein Spiel' wäre das schwer möglich gewesen. Die Idee, finde ich sehr passend, um die Individualität aller Menschen auszudrücken und so im gesamten Stück, Vielfalt auf unendlich vielen Ebenen thematisieren zu können.
 

Ich wurde überzeugt, dem Theater immer aufs Neue zu vertrauen. Denn jedes Stück ist anders. Klar, auch jeder Film unterscheidet von den anderen. Zum Beispiel in Handlung, Handlungszeit, Handlungsort, Kameraführung und so weiter. Aber im Theater weiß man nie, was einen erwartet. Die Schauspieler dort sind nicht wie Filmstars. Das Theater kann skurriler erzählen, Theater weist ganz andere Schamgrenzen auf als Filme oder Serien. Vor Allem Theater ist life - alles passiert genau in diesem Moment vor deinen Augen. Es ist wahrhaftig auch in seiner Fiktion und hat immer eine klar erkennbare Moral.

Die Moral von „Phantom (Ein Spiel)“ ist, dass man nicht immer das glauben soll, was man auf den ersten Blick zu wissen scheint. Dass man es nicht zulassen darf, dass Vorurteile den Blick auf die Welt bestimmen. Dass man mit Mut und Vertrauen und vor allem Willensstärke so viel erreichen kann und dass die Phantasie manchmal alles ist. Ich habe kein richtiges Ende bekommen, bei welchem das Spiel mit der Fiktion aufgelöst wird. Aber ich habe eine spannende Inszenierung bekommen mit einer tollen Geschichte und vielen inspirierenden Charakteren. Und ich denke, damit hat das Theater seinen Bildungsauftrag, auch für (junge) Erwachsene, erfüllt. Und das Stück hat mich motiviert, weitere Stücke anzusehen. Denn es ist nochmal viel schöner, die Emotionen live und abstrakt wahrnehmen zu können, als andere fiktive Handlungen vor einem Bildschirm.

Ihr seid neugierig geworden? "Phantom (Ein Spiel)" ist ab dem 04.September 2018 wieder auf der Bühne des GRIPS Theaters am Hansaplatz anzusehen. Weitere Informationen findet ihr hier.

Wie soll man Tanz in Worte fassen? Es geht nicht. Zumindest nicht ohne, dass dabei etwas verloren geht. Doch das Stück HILLBROWFICATION war  nicht nur Tanz. Beim TanzTHEATER sieht das alles etwas anders aus.

 

VON ZORA

 

Zu Gast im Gorki-Theater

Das Gorki, wenn man denn den richtigen Eingang findet, ist ein beeindruckendes Theater. Es erzeugt ein Gefühl von Nostalgie und Melancholie. Perfekt für Aufführungen der Klassiker! Das Stück HILLBROWFICATION war jedoch das komplette Gegenteil:. Bunt, laut, exotisch, anders.

Klitschnass vom Regen sitze ich im vollen Saal und warte. Die Leute tuscheln aufgeregt und sichtlich voller Vorfreude. Das Licht geht aus, die Scheinwerfer an. Das Stück beginnt! Musik ist zu hören und mit roboterartigen, abgehackten Bewegungen kommen die ersten Darsteller*innen nach einander auf die Bühne. Das Ganze wirkt etwas bizarr. Ich bin sowohl irritiert wie auch beeindruckt. So zu tanzen ist bestimmt schwierig!

 

Tanzen gegen die Aliens

Jemand mit Mikrophon kommt auf die Bühne und erzählt uns die Handlung und den Grund für diese Art der Fortbewegung. Aliens haben sich auf dem Planeten immer weiter unbemerkt ausgebreitet und übernehmen ihn nun. Die einzige Möglichkeit zu überleben, ist zu tanzen und sich so an die Außerirdischen anzupassen. Zum Beispiel durch traditionelle Tänze. Worauf das Mikro verschwindet und wie auf Knopfdruck alle anfangen zu tanzen und zu rufen, begleitet durch selbsterzeugte Bongo- und Xylophon-Musik. Die verworrene Choreo lässt die bunten Farben der Kostüme verschwimmen. Die Musik, durch Lautsprecher verstärkt, dröhnt in meinen Ohren. Der Tanz endet und die Story wird weitererzählt.

13.12.2018
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14.12.2018
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17.12.2018
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18.12.2018
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Wer von Euch hat nicht auch schon mal von einer Bühnenkarriere geträumt? - Doch was kommt danach?
Hier nehme ich Euch mit auf meine Reise ans Theater Chemnitz, wo ich Einblicke gewonnen habe in den Alltag einer Ballett-Tänzerin, das Leben nach der Tanzkarriere und die Arbeit des Choreographen von „Romeo und Julia“.

Eine Reportage am Ballett Chemnitz zum Berufsbild Tänzer*in

Shows, wie „Let's Dance“, „Germany Next Topmodel“ oder „Deutschland sucht den Superstar“ sind äußerst populär. Aber wenn einem der Durchbruch als Solist*in oder in einer Tanzcompany gelingt, ist das dann ein Ding für die Ewigkeit? - Sicher nein. Schule deswegen abbrechen, Studienplatz absagen ? Hmmm.... Wie kann man seinen Traum also ohne Reue realisieren? Ein Traum der abrupt enden kann, wenn der Trend sich wendet oder wenn man im harten Showgeschäft nicht mehr mithalten kann oder will. Ich bin für Euch ans Ballett nach Chemnitz gefahren und habe mich mal umgehört, was erfahrene Künstler dazu sagen und wie sie empfehlen die Sache richtig anzugehen.

Diese Video-Interviews könnt ihr hier finden

  • Mit Sabrina Sadowska, der Direktorin des Balletts Chemnitz und der Vorsitzenden, der in Berlin ansässigen Stiftung TANZ habe ich über die Karriere als Tänzer*in gesprochen und besonders darüber, was man machen kann, wenn diese Karriere einmal vorbei ist.
  • Mit Luciano Cannito, dem Choreografen einer sehr modernen Inszenierung von Romeo und Julia sprach ich über seine Interpretation von Shakespeares "Romeo und Julia" und warum dieses nach mehr als 400 Jahren immer noch aktuell ist.
  • Eine Karriere als Ballett-Tänzer*in muss man sehr früh beginnen. Ich habe junge Künstler aus 12 Nationen getroffen, die schon viel in der Welt rumgekommen sind. Im dritten Gespräch erzählt Natalia Krekou mir von ihren Stationen und davon, was ihr jetzt und für die Zukunft wichtig ist.

Freut Euch auf die Einblicke in die Arbeit eines Teams ohne Grenzen aus allen Ländern der Welt, damit Ihr seht was Euch erwartet.

Ps.: Und einen Besuch von Chemnitz und des Balletts „Romeo und Julia“ kann ich Euch nur wärmstens empfehlen. Echt cool und von Berlin nur 2,5 Autostunden entfernt.

Nicole für Jup.Berlin


 

Die jup!-Redakteurinnen Lili und Hannah besuchten die Uraufführung des Theaterstücks „Ganz nah“ im GRIPS Podewil Theater. Was die beiden erlebt haben und was die tolle Message an dem Stück ist, könnt ihr hier nachlesen!

VON HANNAH UND LILI

 

Wir alle haben Geheimnisse, verstecken etwas. Wir schließen die Tür hinter uns, schieben unsere Tagebücher unter die Matratze, versuchen in der Öffentlichkeit möglichst unauffällig zu sein. Aber warum? Und was wäre, wenn wir alle Scham fallenlassen, unsere Geheimnisse laut herausschreien und die Anderen ganz nah an uns heranlassen würden?

Banda Agita dreht das Theater um und bringt auf die Bühne, was eigentlich backstage bleiben sollte. Eine szenische Forschungsreise zwischen Öffentlichkeit, Privatsphäre und Intimität. In absurden Bildern beginnt die Suche nach der eigenen Scham und dem Monster in jedem einzelnen von uns.

 

Mit diesen Worten catchte uns die Facebook-Veranstaltung "Ganz nah" – Banda Agita Jugendclub am GRIPS Theater. Denn dieses Theaterstück schien etwas ganz Besonderes zu sein – keine gewöhnliche Aufführung, bei der die Schauspieler*innen eine bestimmte Rolle einstudiert haben, aus der sie von Anfang bis Ende nicht herausschlüpfen können. Es ist eher so, als würden die Jugendlichen ehrlich sagen, was sie denken. Und sie wollen es am liebsten herausschreien.

Banda Agita – so heißt der Jugendclub vom GRIPS Theater. Die Jugendlichen kommen aus unterschiedlichen Stadtteilen von Berlin und beschreiten unterschiedliche Bildungswege. Aber sie haben eine gemeinsame Leidenschaft, die sie verbindet, nämlich das Theaterspielen. Letztlich sind sie junge Menschen wie du und ich. Mal rebellisch, mal laut, mal leise. Und das Coolste an ihnen: Sie schämen sich kein bisschen für etwas, das sie sagen oder wie sie sind.

Denn leider ist es in unserer Gesellschaft doch so: Wir machen uns Gedanken, viel zu viele Gedanken. Sie kreisen in unserem Kopf herum, aber wir sprechen sie nicht aus. Wir trauen uns nicht, mit unseren Schlabberklamotten auf die Straße zu gehen, weil wir denken, dass die anderen Leute einen falschen Eindruck von uns bekommen könnten. Und ach: Hauptsache nicht zu gewagt oder zu bunt gekleidet rausgehen. Lieber unauffällig sein und in der Menge untergehen.

Und manchmal ist es so, als würden tausende Augen auf uns gerichtet sein. Ob in der Bahn oder auf der Straße, wir fühlen uns beobachtet. Plötzlich wissen wir nicht mehr, wohin wir gucken sollen oder wie wir einen Fuß vor den anderen setzen… Oh Gott, es ist, als hätte man das Laufen verlernt!

Endlich zu Hause. Hier sind wir allein, nur hier können wir wir selbst sein. Im Grunde verbergen wir unsere wahre Identität vor anderen – nur, um nicht aufzufallen oder sich nicht schämen zu müssen. Sind wir etwa in unserer Freiheit so weit eingeschränkt, dass wir in der Öffentlichkeit nicht zeigen dürfen, wer wir wirklich sind? Das Stück „Ganz nah“ zeigt auf eine sehr witzige Weise, dass es gar nicht so schlimm ist, einfach mal seine Beklommenheit abzulegen. So bekommt der Zuschauer einen interessanten Einblick in die Lebenswelt und Intimität anderer junger Menschen.

 

Strapsen, Lippenstift und Rock´n´ Roll: Alles Dinge die einem zu The Rocky Horror Show einfallen. Wir sollten nicht entäuscht werden - im Gegenteil.

VON ALINA und FRANCESCA

 

Den Film „The Rocky Horror Picture Show“  kennt so gut wie jeder, doch wie sieht es mit den Wurzeln aus? Denn schon zwei Jahre vor dem Film schuf Richard O´Brien das Kult-Musical, von dem lobend behauptet wird es sei laut, anzüglich und verrückt. Doch kann das Wiedererwachen des Top Musicals die Erwartungen der Zuschauer und besonders der Fans erfüllen? Knapp 35 Jahre nach der Premiere von „The Rocky Horror Show“ 1973, geht Richard O´Briens Meisterwerk 2018 erneut auf Tour. Mit dabei - ein vielversprechender Cast. Wir waren also sehr gespannt, als wir des Jahres im Admiralspalast saßen um dieses legendäre Musical zu sehen.

 

Story

Janet und Brad sind ein frisch verlobtes Paar und wollen gemeinsam ihren ehemaligen Lehrer Doktor Scott die gute Nachricht überbringen. Auf dem Weg dahin geraten sie in einen Sturm der zu einer Autopanne führt.
Durchnässt und orientierungslos klopfen sie an die Tür eines unheimlichen Herrenhauses, welche von dem Butler Riff Raff geöffnet wird. Er lädt sie ein herein zu kommen und verkündet, dass sie „in einer sehr besonderen Nacht“ angekommen seien. Der Grund dafür ist das neuste Experiment des Doktor Frank-N-Furter, der nicht nur der Schlossherr sondern auch ein Transvestit ist. Sein Ziel: den perfekten Mann zu erschaffen.
Zwischen Gesang und Tanz verführt er nicht nur Brad sondern auch Janet. Doch Riff Raff und seine Schwester Magenta setzen dem Vergnügen bald ein Ende. Denn sie wollen zurück in die Galaxie Transilvanien auf den Planeten Transexual. Doch zuvor muss noch der grausame Doktor Frank-N-Furter mit einem Plasmastrahl pulverisiert werden. Columbia, eine Verehrerin des Doktors, wirft sich todesmutig vor ihn und opfert ihr Leben für seins. Doch das kann die Geschwister nicht aufhalten und so werden auch der Doktor und seine Schöpfung  getötet. Brad und Janet bereuen, dass sie sich haben verführen lassen und fliehen.