Ratgeber

"Behindert, ja und?" - Linus und Jasper haben beide von Geburt an Cerebralparese. Gemeinsam haben sie die Webseite Handicap Lexikon ins Leben gerufen, um Menschen über verschiedene Handicaps zu informieren. Exklusiv für jup! Berlin geben sie uns einen Einblick in ihren Alltag, indem sie vom 1.12.2017. bis zum 5.12.2017 den jup! Instagram und jup! Twitter-Account übernehmen! Also, schaut vorbei, verfolgt ihre Posts und schickt ihnen Fragen! Jasper und Linus beantworten sie gern!

Der Aktionszeitraum ist nicht zufällig gewählt: Der 3. Dezember ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen und am 4. Dezember feiert Handicap Lexikon Geburtstag.

Vorab hat die jup! Redaktion die beiden schon mal mit Fragen gelöchert. Die spannenden Antworten findet ihr in den beiden Interviews unten. Außerdem haben wir Jasper und Linus bereits im Somemr auf der YOU Messe getroffen und mit ihnen ein Video-Interview über ihr Projekt Handicap Lexikon geführt. Ihr wollt mehr über die beiden wissen? Dann lest die Blogbeiträge der beiden, die wir auf jup! zweitveröffentlichen.

Mehr Infos zum Handicap Lexikon und zu den Interview-Bögen, die ihr dort ausfüllen könnt, gibt es selbstverständlich auf handicap-lexikon.de.

Außerdem könnt ihr Handicap Lexikon auf Facebook, Twitter und YouTube folgen!

 

„Willst du ihnen helfen, dann erinner‘ sie an ihre Worte: 'Manchmal helfen Schellen!'“ lautet die Hook aus dem Track „Schellen“ von Audio88 und Yassin. In ihrem Track geht es um platte, rechtspopulistische Aussagen des Alltags.
Ein jeder hat die dort zitierten Aussagen schon einmal gehört. Neben etlichen auf Rassismus aufgebauten menschenfeindlichen Aussagen geht es in einem Part um sexuelle Belästigung in einer Bar, Kneipe oder einem Club, wo auch immer sexuelle Belästigung stattfinden kann. Ich zitiere:

 

„Lächel doch mal, ich geb‘ dir auch einen aus. Wenn du nicht wegen Männern hier bist, dann zeig nicht so viel Haut. Viel Spaß auf dei‘m Heimweg! (Schlampe) Ich bin bestimmt nicht der letzte, der deinen Ausschnitt falsch versteht!

[…]

Bevor man etwas Dummes tut, muss man dumm denken, unter ihrem Aluhut sind sie auch sowas wie Menschen. Willst du ihnen helfen, dann erinner‘ sie an ihre Worte: ‚Manchmal helfen Schellen‘!“

 

Nehmen wir nun einmal das angegebene Zitat auseinander. Der erste Satz baut auf dem gesellschaftlichen Bild der süßen kleinen und schwachen Frau auf, die gefälligst süß und zerbrechlich auszusehen hat. Als Gegenleistung dafür hat sie dann auch einen Drink verdient. „Hübsches“ Aussehen als Gegenleistung für Drinks? Dieses Bild von Frauen, auch bei Frauen, dürfte wahrscheinlich keine Seltenheit sein. Sexuelle Belästigung ist alltäglich, entgegen jener rechtspopulistischen Meinung ist es weder ein Nah-Ost- oder ein muslimisches Problem. Sexuelle Belästigung/Nötigung sowie Vergewaltigung, juristisch eine fortgeschrittenere  Stufe der sexuellen Nötigung, ist ein Teil unserer Gesellschaft, den es solidarisch zu bekämpfen gilt. Dazu später mehr.

Auch der Subtext des zweiten Satzes dürfte den meisten nicht fremd sein: „Ziehst du dich so aufreizend an, bist du doch selbst schuld, wenn dir jemand etwas antut!“ Diese Ansicht ist weiter verbreitet, als man glauben mag. Vielmehr ist das Bild der aufreizend angezogenen Frau, die Sex will, denn ansonsten würde sie sich so nicht anziehen, in der Gesellschaft sehr tief verankert. Nicht nur, dass es eben nicht der Fall ist, schiebt man mit solchen Aussagen die Schuld ebenfalls den Opfern zu. Man behauptet, sie hätte sich mit ihrem Outfit dazu entschieden, eine Belästigung oder Vergewaltigung in Kauf zu nehmen.

 

 

Apple, Samsung und Huawei regieren den Smartphone-Markt. Nun schickt sich HTC an, dem Trio wieder Konkurrenz zu machen. Nach letzten schwächeren Modellen soll das HTC U11 einschlagen. Wir haben es getestet.

 

VON OLIVER MATTUTAT, 21.11.2017

Bei HTC waren die letzten Jahre ein einziges Auf und Ab. 2007 waren sie noch eine der treibenden Kräfte im Smartphone-Markt, doch die starke Konkurrenz durch zum Beispiel Huawei und einigen missglückten Produkten machten es dem Konzern aus Taiwan nicht einfach. 20 Jahre nach Firmengründung (1997) soll nun alles besser werden.

Vor ein paar Monaten veröffentlichten sie mit dem HTC U11 eines ihrer neuen Flaggschiffe.

 

Der erste Eindruck

Nach dem Auspacken fällt sofort auf, dass das Gerät gut in der Hand liegt. Die abgerundeten Kanten helfen bei der Handhabung auch ungemein. Äußerlich sieht die schwarze Variante, die wir für den Test zur Verfügung hatten, ansprechend und elegant aus. Die Rückseite, die aus Glas besteht, ist aber leider sehr fingerabdruckanfällig. Da gilt es, öfter die Rückseite auch zu säubern. Dafür liegen auch ein Microfaser-Tüchlein und eine durchsichtige Kunststoffhülle dem Handy bei. Außerdem reflektiert die Rückseite sehr stark. Als Spiegel ist sie somit durchaus brauchbar, für Leute, die es schlicht mögen, ist es aber eher nichts.

 

(K)ein Anschluss unter dieser Nummer

Auch HTC geht den Weg, den andere Handyhersteller einschlagen. Sie haben die Klinkenbuchse weggelassen. Das Handy verfügt nur über einen einzigen Anschluss und das ist die neuere USB-C-Schnittstelle. Musikhören geht dann entweder über Bluetooth oder den mitgelieferten Wandler von Klinke auf USB-C. Außerdem liefert HTC auch gleich Kopfhörer mit USB-C-Stecker mit, auf die ich später noch zu sprechen komme.
Das bedeutet aber auch, dass man sich entscheiden muss, wenn man kabelgebunden Musikhören möchte. Denn gleichzeitiges Aufladen ist dann nicht möglich. Leider hat das HTC U11 nicht den Qi-Standard für kabelloses Laden.

 

Gestochen scharf

Auf den ersten Blick macht das Display einen unglaublich guten Eindruck. Das Quad HD-Display vereinigt 2.560 x 1.440 Pixel auf 5,5 Zoll Größe. Bilder sind gestochen scharf und auch das Schauen von Videos macht so sehr viel Spaß.

 

Der schlaue Rahmen

Als DAS Feature des U11s hat HTC die sogenannte Edge Sense-Funktion präsentiert. Erstmal zur Funktionsweise: Der Rahmen im unteren, seitlichen Bereich auf beiden Seiten druckempfindlich. Die Aktion, die dieses Drücken auslöst, kann angepasst werden. Standardmäßig öffnet sich die Kamera-App. Es ist aber auch möglich, eine andere App darüber zu starten, oder zum Beispiel die Taschenlampe ein- bzw. auszuschalten oder eine Sprachaufnahme zu starten. Darüber kann man erweitert noch entscheiden, ob kurzes Drücken eine andere Aktion nach sich zieht als das Drücken und Halten. Außerdem gibt es in Apps auch Aktionen, die man ausführen kann. In der Kamera ist der Druck auf den Rahmen der Auslöser für Fotos. Zusätzlich kann man auch eigene Aktionen erstellen und sich so individuell die Aktionen zusammenbauen, die man in einer App braucht. Ein Beispiel: In der Dropbox App kann ich so einstellen, dass mit einem Rahmendruck mir das Menü für den Upload auf gemacht wird.
Wie sich diese Funktion im Alltag macht, erfahrt ihr später im Alltagstest.

„Lauf nicht so freizügig rum!“
„Zieh Dir etwas Vernünftiges an!“

Warum? Warum darf ich nicht das anziehen, worin ich mich wohl fühle?

Ich stehe an der Bushaltestelle. Ca. 20.15 Uhr, ein Sommerabend. Ich  schaue, wann der Bus kommt, will nur noch nach Hause und was essen. Ein  Auto hält neben mir. Ein silberner Mercedes voll besetzt. Die 
Beifahrertür geht auf: „Hey, Bus ist da!“, sagt ein Mann und zwinkert mir zu. Ca. 30 Jahre alt, er macht Anstalten, auf mich zuzukommen. Es sitzen vier weitere Männer im Auto. Sie schauen mich alle an. Ich 
laufe weg. Schnell. Wohin? Keine Ahnung. In die Videothek. Fährt das  Auto mir hinterher? Ist das der gleiche Mann, der da gerade auch  ‚Video World’ betritt, wie gerade eben? Ich hole mein Handy raus:  „Mama, bitte hol mich ab!“ Ob ich jetzt eine lange Jeans anhatte oder  eine kurze Hot-Pan. Ob ein Croptop oder einen langen Pullover - EGAL!

Ich lese andere Berichte von dummen Anmachen. Der Schlusssatz geht in die Richtung: „Ich war ja selbst schuld, wenn ich mich leicht  bekleide.“ Entschuldige dich doch gleich, ein Mensch zu sein! Es gibt  keinen Grund, sich selbst die Schuld zu geben.

Jeder Mensch ist frei

Fangen wir mit dem banalsten Argument an, das Grundgesetz. Jeder  Mensch ist von Natur aus gleich und frei. Er darf selbst über seinen  Körper entscheiden. Sprich: Du darfst anziehen, was du willst, wie du  es willst, wo und wann du willst. Jeder, der meint, du kleidest dich einem Anlass entsprechend falsch, vertritt seine eigenen Interessen,  seine eigene Einstellung. Wenn du meinst, es ist das Richtige, dann  ist es das Richtige.

Kleidung zur Individualität

Wenn du dich jetzt der Meinung anderer fügst, geht deine eigene  Individualität verloren. Deine eigene Meinung wird unterdrückt. Lass dir nichts einreden, was du eigentlich nicht magst. Kleidung ist optisch 
betrachtet der beste Weg, sich selbst zu repräsentieren und in Form von Stoffen seine Persönlichkeit widerzuspiegeln. Allerdings muss das nicht heißen, wenn du kurz und wenig bekleidet bist, dass du 
klischeehaft „einfach zu haben“ bist. Es ist auch ein Ausdruck von Bequemlichkeit, wenn du dich mit kurzen Hosen wohler fühlst. Wenn du  schöne Beine hast und stolz drauf bist, warum zeigst du sie nicht? 
Wenn schon 90 % aller Frauen irgendwann von Cellulite befallen sind,  aber du nicht, warum nicht stolz drauf sein? Und wenn schon Cellulite,  dann einfach Bodypositivity. Sei stolz auf deinen Körper. Sei stolz  darauf, dass du dich traust, ihn zu zeigen. Und erinnere dich immer daran, dass es nicht gleich eine Einladung zum Gaffen ist, wenn du  Haut zeigst, sondern ein Zeichen von Selbstbewusstsein und Mut. Du darfst!

Es kommt allein darauf an, was du magst und wie du dich präsentieren  möchtest. Alles andere ist ein Zwang der Gesellschaft, der aus uns  Menschen etwas wie eine einheitliche Masse formt, die leicht zu  verändern ist. Aber du bist kein Objekt, das sich von anderen  anstößig anquatschen lässt oder sogar angefasst werden darf. Zeige  das!

 

VON S.

Mit der Einstieg Berlin fand am 10. Und 11. November wieder die größte Berufswahlmesse Berlins statt. Wie jedes Jahr bot sie Schüler*innen, Abiturient*innen und Eltern ein breites Spektrum an Informationen rund um das Thema Ausbildung und Studium. Hannah und Kai waren für euch vor Ort.

 

TAG 1 – Eröffnung durch Bildungssenatorin Sandra Scheeres

VON HANNAH

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres eröffnete als Schirmherrin die Einstieg Berlin und moderierte die Eröffnungsrunde, bei der ich im Publikum saß. Sie stellte gemeinsam mit Martin Jammer, Abteilungsleiter für Landespersonal der Senatsverwaltung für Finanzen, den jugendlichen Besucher*innen beim Eröffnungstalk „Deine Chancen in Berlin“ die vielfältigen Berufstätigkeiten vor. Was ich vor allem mitgenommen habe, ist die Tatsache, dass Lehrer*innen immer noch händeringend gesucht werden. Das hat mir gezeigt, dass es wirklich eine gute Idee wäre, in diesem Bereich ein Studium anzufangen, da man in der Zukunft immer einen sicheren Arbeitsplatz haben wird. Doch nicht nur Erzieher*innen und Lehrkräfte haben gute Berufsperspektiven: Vor allem Polizist*innen, Feuerwehrmänner/-frauen, Ingenieur*innen, Ärzt*innen, Architekt*innen und auch Bürofachkräfte bleiben zukünftig gefragt.

Nach dem Eröffnungstalk wartete ich mit meiner Kamera um den Hals vor der Bühne, um sofort beim anschließenden Presserundgang dabei sein zu können. Doch komischerweise sah ich weit und breit keine Presse um mich herum und fragte deshalb bei einer Mitarbeiterin nach. Sofort wurde klar, dass der offizielle Presserundgang, zu dem ich eingeladen war, leider nicht stattfinden konnte. Ein Herr von der Senatsverwaltung, der den Rundgang durchführen wollte, verließ nämlich gerade die Messe aufgrund eines wichtigen Termins im Büro. Ein Glück löste sich das Problem noch im selben Moment, denn Frau Heiliger von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit war sehr nett und bot an, mir alle Highlights der Messe zu zeigen und mich anschließend in das Presse-Café einzuladen. Somit hatte ich doch noch meinen Rundgang, um Fotos zu schießen und Informationen zu sammeln.

Das Angebot auf der Einstieg Messe ist immer wieder vielfältig: Rund 220 Aussteller stellten ihr Ausbildungs- und Studienangebot vor, unter anderem die Deutsche Bahn, die Charité, die Berliner Verwaltung, die Berliner Verkehrsbetriebe, das Bundeskriminalamt, die Freie Universität Berlin und die Universität Potsdam.  Egal ob Ausbildung, Studium oder Gap Year – an jedem Stand sah man Jugendliche, die sich im persönlichen Gespräch mit den Firmen oder Hochschulen ihre Zukunftsmöglichkeiten auslotsten.

Da bei einem Messebesuch auch eine gute Vorbereitung hilfreich ist,  gibt es online den kostenlosen Interessencheck auf der Website von Einstieg Berlin. Genau wie ich, konnte man schon vorher zu Hause oder auch auf der Messe mit dem Berufswahltest die passenden Aussteller und Vorträge zu den eigenen Interessen finden.
Außerdem erklärte mir Frau Heiliger die sogenannte Berufe Challenge. Hier können die Jugendlichen auf praktischem Weg herausfinden, ob der jeweilige Beruf zu ihnen passt, indem sie beispielsweise bei KIK Schaufensterpuppen einkleiden oder bei der Akademie Mode & Design einen kreativen Kurz-Workshop  rund um Stoffe, Stecknadeln und Schere belegen.

Im Bewerbungsforum gaben Experten nicht nur Tipps zur Bewerbungsmappe, sondern auch zum Vorstellungsgespräch oder Assessment-Center. Wer noch ein Foto für den Lebenslauf benötigte, konnte dies ebenfalls direkt vor Ort machen lassen!

Ich finde, die Einstieg Berlin ist sehr organisiert, sodass jede/r Teilnehmer*in seine Fragen rund um Studiengänge und Ausbildungen beantwortet bekommt und viele Informationen mit nach Hause nimmt.

Hey, ich bin Hannah und mache mein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Onlineredaktion – und zwar nicht nur bei jup!, sondern auch bei jugendnetz-berlin. Nun erfahrt ihr das erste Mal, was ich im letzten Monat so erlebt habe, und ihr werdet staunen, wie vielfältig so ein FSJ sein kann!

In meinem Büro ist die größte Aufgabe, die ich fortlaufend erledige, Veranstaltungen zu bewerben und meine Rubrik Hannahs Reviews aufrecht zu erhalten. Aber ich bin natürlich nicht den ganzen Tag nur im Büro und muss Mails checken, telefonieren, Artikel schreiben… Wir sind ständig auf Achse und besuchen Veranstaltungen – seien es Sitzungen oder Events wie Messen, Workshops oder Konzerte!

 

Der Jugendnetz-Beirat

Wie jeden ersten Mittwoch des Monats trafen sich auch am 4. Oktober wieder die Medienkompetenzzentren Berlins zur Beiratssitzung – diesmal im Meko Marzahn-Hellersdorf. Hier wird der aktuelle Stand der Dinge besprochen, zum Beispiel welche Highlights es im letzten Monat gab oder welche Projekte anstehen, die beworben werden sollen. Es wird viel gelacht, aber auch ordentlich diskutiert. Im Gegensatz zur ersten Sitzung – als ich noch komplett neu war – konnte ich dieses Mal viel besser folgen und sogar mitdiskutieren. Mir persönlich macht es nämlich echt viel Spaß, auch mal unter Erwachsenen zu sein und dort mitzumischen.

 

Verantwortung übernehmen oder doch nur Kaffee kochen?

Ein anderes Highlight war definitiv der Videodreh mit Janik und Kai am 10. Oktober. Wir drei FSJler*innen hatten die Idee, ein „FSJ - Erwartung vs. Realität“-Video für unseren jup! Kanal zu drehen, denn – man glaubt es kaum – es gibt noch keines dieser Art auf YouTube! Ein Punkt war zum Beispiel, ob man denn beim FSJ endlich eigenständig das machen kann, was man möchte, oder ob einem doch nur die Kaffeemaschine anvertraut wird. Natürlich enthält das Video viel Ironie. Umso lustiger war der Dreh und es ist mir ganz schön schwer gefallen, nicht die ganze Zeit zu lachen. Daran habe ich gemerkt, wie schwierig Schauspielerei ist und ich habe großen Respekt vor allen TV- und Filmdarsteller*innen. Man fühlt sich dennoch sehr professionell, mit Softboxen, Mikros und hochwertigem Kamera-Equipment das perfekte Licht und Bild zu kreieren.
Am späten Nachmittag trafen wir uns wieder alle in der Redaktionssitzung. Alle zwei Wochen gibt es neue, spannende Themen zu besprechen, denn jup! steht nie still: Diesmal haben wir uns insbesondere über das neue Projekt „Auf Augenhöhe – Berlin gegen rechte Gewalt“ ausgetauscht.

 

Lieber Wolke 4

Auf den 17. Oktober hatten FSJler Janik und ich uns schon lange gefreut: Der Berliner Sänger Philipp Dittberner kam in seine Heimatstadt und wir durften live dabei sein! Es ist immer wieder ein super Gefühl, auf der Gästeliste stehen zu dürfen und ich kann manchmal immer noch nicht glauben, wie viel ich durch mein FSJ erleben kann.
Falls ihr immer noch nicht sicher seid, ob ihr Philipp Dittberner kennt oder nicht: Ganz bestimmt kennt ihr aber seinen Hit „Wolke 4“, mit dem er auf Platz 7 der deutschen Single-Charts landete. Seitdem ist er gar nicht mehr aus dem Radio wegzudenken!
Nach einer leckeren Stärkung beim Imbiss um die Ecke liefen wir zum C-Theater am Columbiadamm, wo das Konzert stattfinden sollte. Die Atmosphäre im Columbia-Theater hätte besser nicht sein können: Überschaubar, gemütlich, eine schicke Bar mit flinken Barkeepern und eine kleine, wohnliche Bühne. Auch wenn Philipp Dittberner eine ganze Stunde zu spät kam, wie es leider bei den meisten Sängern der Fall ist, waren alle guter Laune und machten es sich solange mit den Freunden auf dem Boden bequem.
Obwohl ich vorher nur vier bis fünf seiner Songs so richtig kannte, muss ich sagen, dass man zum Sound des Albums „Jede Nacht“ so oder so richtig lostanzen und fröhlich sein kann. Genauso gut kann man aber auch mit einer warmen Tasse Tee gemütlich und nachdenklich am Fenster sitzen. In seinem neuen Album „Jede Nacht“ steckt nämlich ganz viel Lebenslust, Euphorie und Mut – aber auch Melancholie. Der Abend war sehr gelungen und wir sangen sogar noch auf dem Nachhauseweg seine Ohrwurm-Songs mit.

 

Seminarfahrt – Ist das etwa wie Schule?!

Vom 23. bis 27.10. hatte ich mit den 20 anderen FSJlern des Berliner Landesjugendrings meine Seminarwoche im Wannsee-Forum. Das Wannsee-Forum ist eine beeindruckend schöne Villa am Pohlesee. Die Verpflegung war klasse und die Zimmer sehr modern und mit Blick auf den See.  Klingt nicht nach Schule, oder?
Es fiel mir auch nach ganzen fünf gemeinsamen Tagen schwer, Abschied zu nehmen. Das lag aber eher an dem Programm, das so vielfältig und spannend gestaltet war, dass die Zeit wie im Fluge verging. Die Seminare beinhalteten den Themenkomplex der „Juleica“, die Jugendleiter*innen-Card, die wir zu Ende unseres FSJs erhalten werden. Inhalt war insbesondere die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und wie man in bestimmten Konfliktsituationen reagieren sollte. In Form von Spielen lernten wir uns Tag für Tag besser kennen und ich fand sogar ein paar neue Freunde, mit denen ich fast immer meine Freizeit verbrachte: Manchmal mit einem Spaziergang zum See, am Kickertisch oder in der Bar zum Kartenspielen. Die Woche war für uns alle ein besonderes Erlebnis – sowohl lehrreich als auch spaßig. Wie unsere Teamerin sagte: „Freundschaften, die man im FSJ schließt, bleiben ein Leben lang.“ Na da bin ich aber gespannt!
 

In meinem Leben gibt es, wie bei allen anderen Leben auch, Momente des Unwohlseins.

Durch meine zufällige Kollektivzugehörigkeit, durch die entsprechende Ausstattung mit Eierstöcken, Vulva und Klitoris scheine ich, solche Momente gar anzuziehen.

Wer schon immer den besonderen Kick einer Angstsituation am Abend in öffentlichen Nahverkehrsmitteln gesucht hat, der braucht nur wie ein weiblicher Fahrgast aufzutreten und voilà, der schmierige Typ, der euch schon die halbe Strecke frivol zulächelt, sieht seine Chance gekommen, um euch zum Beispiel anzufassen. Spielerrein solcher Art, bedeuten für den Aggressor, eine Hülle und Fülle an sexualisierter psychischer und physischer Gewalt. Ein kurzer Rock, rote Lippen oder auch ein tiefer Ausschnitt lassen dabei sogar zu, dass ihr am Ende der Aktion die Schuld selber tragen dürft.

Lustigerweise obendrein, von Personen, die euch a) nicht zur Hilfe eilten, aber alles mit ansahen, b) die Meinung vertreten, dass Frauen das wollen, weil sie sich ja extra deshalb in Schale werfen oder c) einfach mal mit euch flirten wollten und ihr das natürlich zu "eng" seht, haha.

So einen Moment gab es erst kürzlich bei mir wieder. Beim Versuch ihn logisch, das heißt chronologisch zu rekonstruieren, scheitere ich unaufhörlich bei den Fragen: "Warum ist MIR das passiert?" und "Hätte ich es vermeiden, verhüten, unterbinden können?".

Die Tatsache, dass ich den Tathergang als solchen skizzieren möchte, impliziert, dass es laut meinem Verständnis zu einer Tat gegen meine Person gekommen ist. Diese Tat verletzte meine freie Integrität als Individuum und wertete mich in einer massiven Art und Weise herab, die ich nicht mal dem Täter selber wünsche. Dass auch Nachwirkungen dadurch mit sich gezogen wurden, ich also seit dem noch mehr Angst verspüre als ohnehin notwendig wäre, möchte ich an dieser Stelle ergänzen.

Alles spielte sich auf meinem müden Nachhauseweg ab. Ich war mit Freundinnen irgendwo etwas trinken, nicht be-trinken, nur ein bisschen am Glas nippen-trinken. Die Uhrzeit nicht zu spät, nicht zu früh, wobei solche Einschätzungen in einer "Stadt die niemals schläft" schwierig ausfallen können. Mein Outfit, falls das eine Rolle spielt, schlicht und erogene Teile bedeckend, schützte mich nicht davor, vom fremden Mann (Glatze, ca. 40 Jahre alt und miefend nach Alkohol) bespuckt zu werden. Als ich bei der U9 umstieg, bemerkte ich ihn gar nicht.

Der Berliner Alexanderplatz wird immer mehr zum Hotspot von Kriminalität. Viele Jugendliche hängen hier rum, trinken Alkohol, konsumieren Drogen und sind gewaltbereit. Die neue Anlaufstelle JARA soll vor allem jungen Menschen mit Migrationshintergrund oder Fluchtgeschichte neue Möglichkeiten bieten, ihre Freizeit zu gestalten und sich über berufliche Perspektiven zu informieren. jup! Berlin war bei der Eröffnung des Containertreffpunktes am 3. November 2017 mit dabei und sprach mit Projektmitarbeiter*innen und Jugendsenatorin Sandra Scheeres!

VON JANIK EMIL | KAI

 

 

Zeitschriften wie die „BRAVO“ und unter anderem die "Popcorn" gelten als Ratgeber für jugendliche Mädchen sowie Jungs. Geworben wird mit vermeidlichen Alltagsfragen und Neuigkeiten von den bekanntesten Gesichtern der Welt. Wie sich das Jugendmagazin aber tatsächlich an die Realität und Interessen der Zielgruppe anpasst, haben sich die Redakteurinnen Sina, Zora und Charlotte genauer angeschaut.

VON SINA

Ich persönlich habe schon mit 10 Jahren die Bravo gelesen, hatte sogar ein Abo. Einfach weil ich es "cool" fand und nicht drüber nachdachte, ob mir das jetzt hilft oder nicht. Ich hab mir die Titelseite angeschaut und wenn da sowas stand wie "So wirst du zum Star der Schule" mit Miley Cyrus vorne drauf, musste ich das natürlich haben. Ebenfalls auf dem Titelblatt sind Teaser zu den Stories, welche Poster sich in der Mitte der Zeitung befinden und  eine Abbildung des Extras. Oft  sind das Handysticker oder billiger Schmuck, der schon beim bloßen Anschauen kaputt gehen kann. Auffällig sind die bunten Farben, die sich untereinander beißen und der Name der Zeitschrift als Kopf der Seite. Die Bilder und die Schrift überschneiden sich, eine wilde Collage, wie auch auf den restlichen Seiten innerhalb des Heftes. Alles was man braucht, um in einem Regal neben LilliFee und ELLE herauszustechen. Die BRAVO ist vor allem präsent, wenn es darum geht, jungen Erwachsenen in ihrer Entwicklung zu helfen und gleichzeitig vom neusten Klatsch und Tratsch zu berichten. Eben das, was 13/14-Jährige wollen, oder sogar Jüngere.

 

Das vermittelte Bild

Apropos Jüngere. Was finden sie, wenn sie die Zeitung aufschlagen? U.a. nackte Menschen, (zum Teil) glatt rasiert und oft schlank wie ein Streichholz. Es gibt Verhaltenstipps, mit denen man zum Everbody’s Darling werden kann. „Mit diesen Haltungen, bist du gleich viel selbstbewusster!“. Ach ja, bin ich das?
Nein! Wenn ich als 10-jähriges Mädchen meine Brust rausstrecke und die Arme in die Hüften stemme, werde ich als arrogant und aufmüpfig, aber sicherlich nicht als „cool“ und „selbstbewusst“ von meinen Mitschülerinnen bezeichnet. Denke ich in diesem Alter überhaupt schon daran? Sicher nicht, aber jetzt weiß ich, was ich tun muss und nehme es auf, wenn auch unbewusst.
Wirft man einen Blick in die Foto-Lovestory sieht man ebenfalls jede Woche das Gleiche: Mehrere Menschen, ca. 20-22 Jahre alt, werden als 15-Jährige dargestellt. Schmales Gesicht, komplett ohne Hautunreinheiten. Die Körper der Männer durchtrainiert. Die Mädchen könnten sich hinter einem Grashalm verstecken, sind groß und schlank und haben deutlich Make-up aufgetragen. Die Kleidung sieht ordentlich und teuer aus – oft erkennt man Marken wie Hollister, Adidas oder Nike. Es treffen sich also ein Junge und ein Mädchen, von denen eine Person unglücklich ist, und dann verlieben sie sich plötzlich ineinander und nach dem zweiten Treffen sind sie happy ohne Ende zusammen und leben glücklich weiter. BLA BLA BLA. In nur fünf bedruckten Seiten werden unrealistische Liebesbeziehungen mit Märchenfiguren und vermeidlich idealen Erscheinungsbildern kombiniert. Ein oft gewähltes Motiv ist auch, dass das Mädchen von jemandem begrapscht wird und von ihrem späteren Freund „gerettet“ wird.  Neben dieser Sexualisierung junger Mädchen sind es  zudem ausschließlich Beziehungen zwischen einem Mann und einer Frau, die thematisiert werden, nie wird die LGBTQIA + Community auch nur annähernd erwähnt.
Die schöne, heile Welt. Attraktive, intelligente Menschen in schönen Umgebungen, welche die eigene Gepflegtheit widerspiegeln. Als ob das ein Normalzustand sei, an dem es sich zu messen gilt. Keine genaue Definition von „normal“, aber sie wird in Form von immer den gleichen Bildern dargestellt. So auch bei der schon kurz angesprochenen Sexualität. Schaut man auf die Website der BRAVO, findet man nur geringfügig Artikel zum Coming Out, geschweige denn Aufklärungsvideos, die zeigen, dass die Welt eben nicht nur aus Männlein und Weiblein besteht, die miteinander schlafen.

 

Die Männer am U-Bahnhof

Abends am U-Bahnhof, ich zieh‘ meinen Pulli aus, weil mir warm ist, drunter habe ich ein Tanktop. Plötzlich spüre ich von hinten Hände auf meinem Rücken. Eine Gruppe Männer fand es lustig meine Arme und mein Rücken anzufassen und mir zu erzählen, was für schöne Haut ich doch habe. Voller Angst hab ich so schnell wie möglich mein Zeug gegriffen und bin weg gerannt.

 

Die Kneipentypen

Am Ende meiner Straße ist eine kleine Kneipe, an der ich vorbei muss, um zum Supermarkt und Bus zu laufen. Wenn schönes Wetter ist und die Kneipe offen hat, kann ich mich darauf gefasst machen, dass mir von Männern, die älter sind als mein Vater, hinterher gepfiffen und gerufen wird.

 

Der Bus-Mann

Abends alleine im Bus auf dem Weg nach Hause. Eigentlich will ich nur in Ruhe mein Buch lesen als ein Typ anfängt, mich anzuquatschen. Erst denke ich mir nichts dabei und bin auch relativ nett und offen, aber irgendwann versucht er mich davon zu überzeugen, dass ich mit ihm ins Bett gehen sollte. Es stellt sich raus, dass er 30 Jahre alt ist und obwohl ich mehrmals betone, dass ich erst 17 Jahre bin, scheint es ihn keineswegs zu interessieren und er erzählt nur weiter, dass die Jungs in meinem Alter ja zu unerfahren sind und ich mit ihm viel mehr Spaß haben würde. Ich bin freundlich geblieben, weil ich Angst vor ihm hatte und mein Hauptziel in der Situation war, dass er nicht mit mir aussteigt, was er dann zum Glück auch nicht gemacht, nachdem ich ihm mein Facebook gegeben habe.

 

Nein

Zählt mein „Nein“ auch wenn ich vorher „Ja“ gesagt habe? Wenn ich am Anfang einverstanden war, aber ich mich jetzt unwohl fühle und ich nicht mehr möchte? Hab ich dann das Recht „Nein“ zu sagen oder schulde ich dir was? Wenn ich mit dir alleine mitgekommen bin, muss ich dann mitmachen, auch wenn ich gar nicht möchte, weil ich hab mich ja in die Situation begeben? Ich möchte das eigentlich gar nicht, aber ich möchte dich glücklich machen, aber ich hab Angst, aber ich fühle mich verpflichtet. Natürlich weiß ich eigentlich, dass es nicht so sein sollte, dass ich das Recht habe, „Nein“ zu sagen, dass ich mich wehren sollte, aber eigentlich erstarr ich immer vor Angst.

 

Schuld

Das Schlimmste ist für mich wohl das Gefühl von Schuld und Scham jedes Mal, wenn wieder was passiert. Hättest du dich anders angezogen, anders verhalten, weniger getrunken, wärst früher nach Hause gefahren. In meinem Kopf ist es immer meine eigene Schuld, obwohl ich doch immer nur mein Leben leben wollte und keinem dieser Menschen je etwas getan habe. Jemanden davon erzählen, kann ich auch nicht. Es war ja nichts richtiges, ich wurde ja nicht vergewaltig, anderen passieren schlimmere Sachen, es war meine eigene Schuld.

 

VON C.