Kultur

VON MARA

Musik  - die Sprache der Seelen. Wir alle auf der Welt kennen sie, wir alle “sprechen” sie “in verschiedenen Dialekten” - universell bleibt sie dennoch. Wer Musik hört, hört Welten, lebt Emotionen, baut Brücken zu Gefühlsdimensionen. Für jede Lebenslage gibt es einen Song oder schlicht ergreifend eine Melodie, etwas, worin wir uns wieder erkennen. Sei es pure Freude und totales Glück, leichte Entspannung oder auch mal die kleinen Schniefmomente - Musik lässt einen nie im Stich!

Das geht der siebenjährigen Franziska nicht anders. “Musik macht einfach gute Laune!”, findet sie, während sie fröhlich und selbstbewusst mit ihrer Flöte im Raum hin und her flitzt. Wir befinden uns in einem großen Bühnenraum in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin, wo uns bald ein kleines Musikfestival präsentiert wird. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, während ich mich schon mal in der großen Halle umschaue. Ein Detail nach dem anderen: Vor mir befindet sich ein großes Parkett, das sowohl von teilweise schweren, robusten Vorhängen als auch von feinen, weißen Stoffen seitlich umhüllt ist. Hinter mir steht schweres Metallgerüst; Gitter, Treppen, die bis ganz nach oben führen.

Das sind dann wohl die Facetten der Bühne, das Zentrum der Bewegungen. Und wir befinden uns nicht in irgendeinem Setting - hier wird Musik auf eine ganz besondere Weise gemacht. Hier wird vielfältig erzählt, kreativ gestaltet und dabei einander an die Hand genommen. Die Message bleibt einfach, aber effektiv: Miteinander.

Nach und nach trudeln 15- bis 20-Jährige und so manch Erwachsener - allesamt aufrecht, aufmerksam, aber auch locker - in den großen Bühnenraum der Tischlerei der Deutschen Oper ein. Hier in der Deutschen Oper, das größte Opernhaus in Berlin, kommen erfahrene Künstler*innen den Musikneulingen entgegen. “Common” - “gemeinsam” - entsteht hier ein farbenfroher Kulturtreff - und das stets im musikalischen Dialog. Unmissverständlich und doch so vielschichtig.

In dem transkultutrellen Musikprojekt  “COMMON SOUND” der Jungen Deutsche Oper wird im wahrsten Sinne des Wortes Raum für Ideen, Geist und Spiel im Rahmen des kulturellen Austauschs geschaffen. Zelebriert in Berlin, Großstadtmetropole und buntes Zentrum der kulturellen Vielfältigkeit, treffen Menschen mit unterschiedlichsten Backgrounds und Geschichten aufeinander. Gemeinsam wollen sie in den Winterferien ein  Mini-Festival auf die Beine stellen. Nicht nur die Teilnehmer*innen, sondern auch die Coaches bringen dabei viele spannende Einflüsse mit.

VON KAJA

„Schädel werden von Schulter zu Schulter gerollt“, das sind die ersten Worte, die im kleinen Theatersaal der BOX des Deutschen Theaters erklingen. Es wird HOOL gespielt und nach meinem Besuch bei den Proben wusste ich bereits, dass es kein ruhiger, gesitteter Abend im Theater werden würde. Stattdessen wird geschrien, geflucht und auf den Boden gespuckt. Es werden Bilder auf die weißen Wände der Bühne projiziert und zeitweilig wird der Geräuschpegel im Saal unerträglich laut, doch ich genieße es. Ich genieße es sogar sehr und als die letzten Sätze fallen und das Licht schließlich ausgeht, fühle ich mich wie nach einem Drogenrausch. 

HOOL ist die Adaption des gleichnamigen Debüt-Romans von Philipp Winkler, der die Geschichte von Heiko und seinen vier Jugendfreunden erzählt.

„Eine wirkliche Familie gab es in Heikos Leben nicht. Die Mutter lässt die Kinder beim alkoholkranken Vater zurück. Ihm hat Heiko nichts mehr zu sagen und auch bei den Frauen in seinem Leben, seiner Schwester Manuela und bei Ex-Freundin Yvonne, fehlen ihm die Worte. Sie sind in seinem Kopf, kommen aber nicht heraus.
Sehr präsent sind jedoch Poborsky und Bigfoot, zwei Kampfhunde und der Geier Siegfried. Um die kümmert sich Heiko und um Heiko kümmert sich Onkel Axel, Patriarch der Hooligan-Szene. Vor allem aber sind da die Jugendfreunde: Kai, Ulf, Jojo. Außer dem einen, der fehlt.
Mit seinen Blutsbrüdern schlägt er sich durch für das, was ihm alles ist: Hannover 96, die Hools, ihr Mythos  und die dritte Halbzeit nach dem Spiel. Mit unbändigem, toxischem Zorn führt Heiko einen immer einsameren Kampf, als seine Ersatzfamilie erwachsen wird und andere Wege wählt.“

(Quelle: Deutschen Theaters über HOOL)

VON FELIX

Jahr für Jahr im Januar findet in Berlin die Grüne Woche statt. Aussteller aus aller Welt präsentieren ihre Kultur, Lebensmittel und andere landwirtschaftliche Produkte. Das Partnerland Finnland war in diesem Jahr mit einer eigenen Halle vertreten und lud zum Probieren von Smørrebrød, ein reichhaltig belegtes Butterbrot und anderen Leckereien ein. Immer wieder (gerade bei Kindern) beliebt sind die Landwirtschafts- und Tierhallen.

Doch auch wenn sich die Grüne Woche jedes Jahr aufs Neue als eine fortschrittliche Messe präsentiert, die auch Aussteller, die auf tierfreundliche Lebensbedingungen pochen, zu Wort kommen lässt, wird sie von Demonstrationen, wie der „Wir haben es satt!“ überschattet. Zentrale Standpunkte der Demonstant*innen waren unter anderem artgerechte Tierhaltung, Klimagerechtigkeit und eine Diversität bei den landwirtschaftlichen Betrieben. Die Veranstalter der Demonstration zählten 23.000 Teilnehmer, laut der Polizei waren es bis zu 13.500. 

"Wir machen uns für eine ökologische Landwirtschaft stark, die Agrarindustrie haben wir satt", sagte der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Georg Janßen. "Die aktuelle Agrarpolitik zielt nur auf eine Steigerung der Exporte, dadurch sinken die Preise." Das bedrohe die Existenz vieler Bauern. Beispiele dafür sind etwa die Milchpreisdebatte oder die geringen Preise, die Großabnehmer sowie Endkunde für Schwein und Rind zahlen wollen.

Auf der Grünen Woche war von der angespannten Stimmung draußen vor den Türen nur wenig zu spüren. Während der zehn Tage schlenderten insgesamt 400.000 Besucher durch die (gerade am Wochenende überfüllten) Messehallen am Funkturm. Doch die Zeiten, in denen man die Grüne Woche mit vollen Mägen und Taschen wieder verlässt, sind vorbei. Längst werden für kleine Häppchen ein Euro verlangt. Dafür gibt es Ausblicke in die Zukunft: Inwieweit Drohnen in naher Zukunft dem Obstbauer die Arbeit beim düngen, bewässern und bei der Qualitätskontrolle wirklich erleichtern können, wird sich zeigen. Vorgestellt wurden erste Prototypen dafür schon in diesem Jahr auf der Grünen Woche.

Alles in Allem gab die Messe einen guten Ausblick in Richtung Zukunft. Doch wenn die richtige Tierhaltung noch immer vielerorts nicht beachtet wird und Dumpingpreise für Milch und Milcherzeugnisse gezahlt werden, sieht die Zukunft der Landwirtschaft bei weitem nicht so rosig aus, wie auf der Grünen Woche dargestellt!

28.02.2019
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07.03.2019
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14.03.2019
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21.03.2019
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VON GABRIELA

Wer die Kraft von Improvisation unterschätzt, muss unbedingt die Choreographien von Trisha Brown kennenlernen. Der Begriff „Lampenfieber” stand definitiv nicht auf ihrer Wortschatzliste.

Trisha Brown war eine der einflussreichsten Choreographinnen des 20. Jahrhunderts. Sie wurde im Jahr 1936 in den USA, in einer mittelgroßen Stadt namens Aberdeen geboren und hat mit ihren Lehrtechniken mehrere Generationen von Tänzer*innen beeinflusst.

Ihr Ziel war es, mit ihrem Tanz ihre Gefühle und Emotionen so natürlich darzustellen, wie möglich. Für sie waren  bestimmte Gesten und Bewegungen von großer Bedeutung. Auf solche Weise konnte sie die Zuschauenden sogar schauspielerisch ansprechen. War das noch Tanz oder schon etwas anderes?

Fest steht: In ihren Performances hat sie eine ganz neue Bewegungssprache kreiert. Einerseits minimalistisch, anderseits komplexes Tanzvokabular. Mit ihrer Theorie, ihren Methoden und Techniken hat sie sich der Avantgarde-Geschichte der 1960er Jahre angepasst. Während ihrer Karriere arbeitete sie oft mit bildenden Künstler*innen, wie Robert Rauschenberg, Donald Judd oder Nancy Graves zusammen.

Die Gelassenheit und die Leichtigkeit ihres Körpers hatte auch etwas Analytisches an sich. Die zeigt sich,  in ihren späteren Choreographien, in denen sie geometrische oder mathematische Elemente hinzugefügt hat.

Hier könnt ihr euch ihre Choreographie „Watermotor“ (1978) anschauen:

Es klingt ein wenig wie "Cookie”, doch mit Keksen hat es nichts zu tun. Vielleicht denkt man an "Guck mal!” und kommt dem schon näher, denn so ähnlich ist es auch. Guckt mal! Das Kurzfilmfestival für Kinder und Jugendliche wartet nur darauf, gesehen zu werden.

VON KRISTINA

Zum elften Mal nun schon werden Kurzfilme aus aller Welt ausgesucht und mit Euch geteilt. Mit jedem Jahr wächst das Publikum, sodass sich die Veranstalter dieses Jahr über 6200 Schulklassen freuen können. Bevor aber laut ,,FILM AB!” gerufen wurde, läuteten die Einlassglocken zur Eröffnung des Festivals. Kinder, Juroren, interessierte Erwachsene und natürlich eine riesige quietschgelbe Ente durften auf der Eröffnung nicht fehlen. Auch Filmemacher ließen sich die Schau der herausgepickten Filme nicht entgehen. Sechs Filme in den Kategorien Umwelt, Dokumentation, Kurzfilm ab 4, 6, 8 und 10 gaben einen kurzen Einblick, wobei jeder komplett unterschiedlich und auf seine Art bemerkenswert war. Kindgerecht und mit wunderschönen Bildern wurden nicht nur Gefühle vermittelt. Ob durch niedliche liebevolle Animationen oder mitreißenden Kameraperspektiven - jeder Film überzeugte auf seine Weise. Von der kleinen Auswahl, die gezeigt wurde, kann man nur noch mehr von den anderen Filmen erwarten, denn jede gezeigte Geschichte war herausragend und berührend. An Witz fehlte es trotzdem nicht.

Feminismus geht nicht nur Mädchen und Frauen an!

"Filme aus aller Welt wurden eingeschickt”, erzählte Monika, die Veranstalterin.  Dieses Jahr vor allem zu Gender Identity und Identität überhaupt, aber nicht nur. Wie können wir unsere Träume und Ziele erreichen? Über Hindernisse stolpern und wieder aufstehen. Wovon träumen Kinder? Was bedeutet es ein Mädchen oder ein Junge zu sein? Ein weiter Punkt im Programm war Girls’ Riot, aber nur ein kurzer Trailer verriet, was noch kommen wird - nämlich Workshops, die Feminismus, Schönheitsideale und mehr als einfache Gleichberechtigung thematisieren.  Angemerkt soll auch sein, dass die Workshops, genau wie das Thema insgesamt, nicht nur für Mädchen sind, denn Feminismus ist keine Angelegenheit für Frauen und Mädchen allein.

Sogar eine kleine Performance gab es zu sehen und das auch gleich in drei Sprachen. In Französisch, Deutsch und Englisch sangen die drei jungen Rapper und erzählten worum es Ihnen geht: Dankbarkeit dafür, auf dieser Welt zu sein; über den Umgang mit Anderen, so wie wir es uns wünschen und dass Materialismus ist nicht alles.

 

 

 

Theater der Dinge – die Plakate hingen in ganz Berlin, aber was verbarg sich dahinter? Viele Künstler*innen aus verschiedenen Ländern präsentierten ihre theatralischen Erfindungen zu den Objekten, mit denen wir uns neben Tieren und Pilzen unsere Welt teilen. Deutschland war mit Florian Feisels ,,SchmetterDinge” bei diesem Festival in der Schaubude vertreten.

VON KRISTINA

 

Was haben Schmetterlinge mit Porzellanpuppen zu tun?
Warum sammeln Menschen Dinge?
Geht es Puppen besser ohne Menschen, wenn es Tieren besser ergeht ohne den Menschen?

Die Puppen sind von Menschenhand gemacht - Tiere nicht. Sie sind gemacht, um berührt zu werden und nicht, um unter der Erde vergraben zu sein, weil ihre Porzellanfabrik abgerissen werden musste.

Wie beschreibt man ein Theaterstück, was genau genommen keines ist? Was macht überhaupt ein Theaterstück aus? Eine Handlung und Darsteller*innen? Alles gegeben.
Und doch ist Florian Fleisels ,,SchmetterDinge” so als würde man ihn zu Hause besuchen, zuerst verlegen im Raum stehen bleibt und ihm nach und nach begeistert lauscht, wie er euphorisch und aufgeregt von seinen Sammlungen spricht. Ja, so ist es mehr die Erzählung eines verrückten Fanatikers, der einen zum Nachdenken anregt und inspiriert, als ein Theaterstück, wo man einfach berauscht wird.

Er spannte die Flügel. Endlich konnte er fliegen und dem Himmel näher sein, um in die Freiheit zu gelangen. Doch das war auch sein Verhängnis. Die Flügel mit Wachs befestigt schmolzen durch die Strahlen der Sonne und seine geliebten Flügel ließen ihn in den Tod stürzen. Ikarus hatte einen Traum gewagt und ist gefallen. VON KRISTINA

Was hat das nun mit Theater zu tun?

Ganz viel! In der Kinder- und Jugendtheaterszene Berlins wird viel Aufwand betrieben, um Kindern ein größtmögliches Erlebnis zu bieten. Immer wieder wird kreativ gegrübelt und getüftelt, wie Themen und Geschichten im Theater umgesetzt werden können. Bei so viel Kreativität wird stets auch gewagt und dabei manchmal fällt man dabei in den Ozean.

Der IKARUS-Preis wird deshalb für Inszenierungen verliehen, die nach der Meinung der Jury erfolgreich geflogen sind.

Dieses Jahr wurde diese Auszeichnung nun schon zum 16. Mal verliehen. Aus acht Stücken mussten sich die Juror*innen entscheiden. Jedoch kam diesmal nicht bloß eine Jury zum Einsatz. Denn Kinder und Jugendtheaterstücke, von Erwachsenen gespielt und bewertet - wo bleiben da die Kinder? Ganz genau! So gab es dieses Jahr glücklicherweise zum allerersten Mal eine Jury aus Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren, die einen eigenen Preis vergeben durfte.

Eine Jury hatte zuvor aus 40 Stücken die acht Nominierungen herausgesucht und bei der Preisverleihung konnte man einen kurzen Einblick in die Vorstellung der Besten der Besten bekommen. Dass alle acht Stücke potenzielle Gewinner sind, wurde mit jeder weiteren Vorführung klar. Doch die finale Entscheidung musste irgendwann fallen.

„Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, vor allem weil alle Stücke so unterschiedlich und eigentlich nicht vergleichbar sind. Aber wir haben uns entschieden!”

In der Tat, das hatten sie, doch bevor der Gewinner verkündet wurde, hatten alle riesig Spaß bei der Preisverleihung am 7. November. Grund dafür war vor allem die 4xSample Beatboxcrew, die beeindruckend und witzig aus jedem Detail eine musikalische Performance kreierte, sowie Moderator Raphael Hildebrand, der mit breitem Lächeln und viel Humor charmant durch das Programm führte.

Die Märchen Hans im Glück, Schneewittchen und Die Bremer Stadtmusikanten wurden auf originelle Art neu erzählt. Verstörend und exzentrisch zugleich schuf das Theater an der Parkaue eine moderne Inszenierung voll von Liedern und Neonfarben. Die Geschichte der Aktivistin Malala wurde gezeigt. Musikalisch wurden wir über die Umstände der Hühner in Massentierhaltung aufgeklärt. Madagaskar wurde zum neuen Ziel eines Jungen, der keine Liebe mehr von seiner Mutter erhält und die Geschichte des Mauerbaus in Berlin wurde anhand einer Familie mit Live-Musik und Witz, aber auch Dramatik erzählt.

Dann kam endlich der Moment der Enthüllung und der Gewinner für die 10 jungen Juroren wurde lauthals ins Publikum gerufen: „Einmal Schneewittchen, bitte!” Tosender Applaus und Anna Fregin, die Puppenspielerin, läuft mit breitem Grinsen auf die Bühne zu.

Kurze Zeit später, nachdem die zwei Beatboxer den Saal zum Lachen brachten und die Spannung bis zur Decke schoss, gab es einen zweiten Moment der Enthüllung: die Jury entscheidet sich für die Hühneroper und somit steht der zweite Gewinner des Jahres fest.

Konfettiregen und Rosengewirr - dazu werden Riesenschecks über insgesamt 7.500 Euro festgehalten und alle Nominierten stürmen die Bühne. Was für ein Fest!