Kultur

Die jup!-Redakteurinnen Lili und Hannah besuchten die Uraufführung des Theaterstücks „Ganz nah“ im GRIPS Podewil Theater. Was die beiden erlebt haben und was die tolle Message an dem Stück ist, könnt ihr hier nachlesen!

VON HANNAH UND LILI

 

Wir alle haben Geheimnisse, verstecken etwas. Wir schließen die Tür hinter uns, schieben unsere Tagebücher unter die Matratze, versuchen in der Öffentlichkeit möglichst unauffällig zu sein. Aber warum? Und was wäre, wenn wir alle Scham fallenlassen, unsere Geheimnisse laut herausschreien und die Anderen ganz nah an uns heranlassen würden?

Banda Agita dreht das Theater um und bringt auf die Bühne, was eigentlich backstage bleiben sollte. Eine szenische Forschungsreise zwischen Öffentlichkeit, Privatsphäre und Intimität. In absurden Bildern beginnt die Suche nach der eigenen Scham und dem Monster in jedem einzelnen von uns.

 

Mit diesen Worten catchte uns die Facebook-Veranstaltung "Ganz nah" – Banda Agita Jugendclub am GRIPS Theater. Denn dieses Theaterstück schien etwas ganz Besonderes zu sein – keine gewöhnliche Aufführung, bei der die Schauspieler*innen eine bestimmte Rolle einstudiert haben, aus der sie von Anfang bis Ende nicht herausschlüpfen können. Es ist eher so, als würden die Jugendlichen ehrlich sagen, was sie denken. Und sie wollen es am liebsten herausschreien.

Banda Agita – so heißt der Jugendclub vom GRIPS Theater. Die Jugendlichen kommen aus unterschiedlichen Stadtteilen von Berlin und beschreiten unterschiedliche Bildungswege. Aber sie haben eine gemeinsame Leidenschaft, die sie verbindet, nämlich das Theaterspielen. Letztlich sind sie junge Menschen wie du und ich. Mal rebellisch, mal laut, mal leise. Und das Coolste an ihnen: Sie schämen sich kein bisschen für etwas, das sie sagen oder wie sie sind.

Denn leider ist es in unserer Gesellschaft doch so: Wir machen uns Gedanken, viel zu viele Gedanken. Sie kreisen in unserem Kopf herum, aber wir sprechen sie nicht aus. Wir trauen uns nicht, mit unseren Schlabberklamotten auf die Straße zu gehen, weil wir denken, dass die anderen Leute einen falschen Eindruck von uns bekommen könnten. Und ach: Hauptsache nicht zu gewagt oder zu bunt gekleidet rausgehen. Lieber unauffällig sein und in der Menge untergehen.

Und manchmal ist es so, als würden tausende Augen auf uns gerichtet sein. Ob in der Bahn oder auf der Straße, wir fühlen uns beobachtet. Plötzlich wissen wir nicht mehr, wohin wir gucken sollen oder wie wir einen Fuß vor den anderen setzen… Oh Gott, es ist, als hätte man das Laufen verlernt!

Endlich zu Hause. Hier sind wir allein, nur hier können wir wir selbst sein. Im Grunde verbergen wir unsere wahre Identität vor anderen – nur, um nicht aufzufallen oder sich nicht schämen zu müssen. Sind wir etwa in unserer Freiheit so weit eingeschränkt, dass wir in der Öffentlichkeit nicht zeigen dürfen, wer wir wirklich sind? Das Stück „Ganz nah“ zeigt auf eine sehr witzige Weise, dass es gar nicht so schlimm ist, einfach mal seine Beklommenheit abzulegen. So bekommt der Zuschauer einen interessanten Einblick in die Lebenswelt und Intimität anderer junger Menschen.

 

Strapsen, Lippenstift und Rock´n´ Roll: Alles Dinge die einem zu The Rocky Horror Show einfallen. Wir sollten nicht entäuscht werden - im Gegenteil.

VON ALINA und FRANCESCA

 

Den Film „The Rocky Horror Picture Show“  kennt so gut wie jeder, doch wie sieht es mit den Wurzeln aus? Denn schon zwei Jahre vor dem Film schuf Richard O´Brien das Kult-Musical, von dem lobend behauptet wird es sei laut, anzüglich und verrückt. Doch kann das Wiedererwachen des Top Musicals die Erwartungen der Zuschauer und besonders der Fans erfüllen? Knapp 35 Jahre nach der Premiere von „The Rocky Horror Show“ 1973, geht Richard O´Briens Meisterwerk 2018 erneut auf Tour. Mit dabei - ein vielversprechender Cast. Wir waren also sehr gespannt, als wir des Jahres im Admiralspalast saßen um dieses legendäre Musical zu sehen.

 

Story

Janet und Brad sind ein frisch verlobtes Paar und wollen gemeinsam ihren ehemaligen Lehrer Doktor Scott die gute Nachricht überbringen. Auf dem Weg dahin geraten sie in einen Sturm der zu einer Autopanne führt.
Durchnässt und orientierungslos klopfen sie an die Tür eines unheimlichen Herrenhauses, welche von dem Butler Riff Raff geöffnet wird. Er lädt sie ein herein zu kommen und verkündet, dass sie „in einer sehr besonderen Nacht“ angekommen seien. Der Grund dafür ist das neuste Experiment des Doktor Frank-N-Furter, der nicht nur der Schlossherr sondern auch ein Transvestit ist. Sein Ziel: den perfekten Mann zu erschaffen.
Zwischen Gesang und Tanz verführt er nicht nur Brad sondern auch Janet. Doch Riff Raff und seine Schwester Magenta setzen dem Vergnügen bald ein Ende. Denn sie wollen zurück in die Galaxie Transilvanien auf den Planeten Transexual. Doch zuvor muss noch der grausame Doktor Frank-N-Furter mit einem Plasmastrahl pulverisiert werden. Columbia, eine Verehrerin des Doktors, wirft sich todesmutig vor ihn und opfert ihr Leben für seins. Doch das kann die Geschwister nicht aufhalten und so werden auch der Doktor und seine Schöpfung  getötet. Brad und Janet bereuen, dass sie sich haben verführen lassen und fliehen.

 

 

Eine aufrüttelnde Foto-Ausstellung im Museum Europäischer Kulturen vom 09.03.2018 bis zum 15.07.2018

VON KATHARINA

Erwartungsvoll betrete ich den Raum, wo die Foto- Ausstellung ,,Ich habe mich nicht verabschiedet/ Frauen im Exil“ vertreten ist. Im ersten Moment bin ich von der geringen Größe des Raumes verwundert, da ich mit einer größeren Ausstellung gerechnet habe. Sobald ich aber die Fotos betrachte, fühle ich mich emotional aufgewühlt und die Fotos hinterlassen bei mir einen prägenden Eindruck.

Lebensgroße Fotos

Heike Steinweg, die Fotografin, hat Frauen, die hier in Berlin im Exil leben lebensgroß porträtiert. Alle kommen sie aus Kriegsregionen wie Syrien, Afghanistan oder Irak; alle haben sie Verluste, Schmerz und Trauer erfahren.

Es sind 33 Frauen die im Fokus dieser Ausstellung stehen. Selbstbewusst und offen blicken sie in die Kamera und sprechen dadurch die sie betrachtende Person direkt an.

Direkter Augenkontakt

Das Gefühl, dass die Frau mich direkt anschaut und mich jeden Moment ansprechen kann ist wie ein roter Faden der Ausstellung, dazu ein kurzes Zitat der Porträtierten. Die Frauen, die aus Konfliktländern fliehen, erleben heftige  Umbruchssituationen, müssen sich mit fremden Werten auseinandersetzen und ein neues Leben aufbauen. Der Schmerz, den sie erlebt haben spiegelt sich in ihren Augen wieder aber auch eine unglaubliche Kraft.

Je länger man seine bloßen Handflächen gegeneinander schlägt, desto merkwürdiger erscheint einem dieses Geräusch. Doch dieses Stück hat jeden einzelnen Klatscher des Applauses verdient.

VON ZORA

Im Stück „Unconditional Love“ unter der Leitung von Theresa Henning geht es um bedingungslose Liebe, ob nun zwischen Liebenden oder mit sich selbst.

Ich gehe mit Kopfschmerzen in den Jugendclub des Jungen DT. Die auch einfach „Box“ genannte Bühne, ist ja bekannt für ihre eher auf Bewegung und Wirkung basierenden Stücke. Ich denke mir also, es wird sicher ein eher entspannter Abend werden. Doch prompt, als ich den Saal betrete, dröhnt mir schon basshaltige Musik in den Ohren.

Passend dazu Videoaufnahmen der Darsteller*innen, wie ein Musikvideo an die Wände der Bühne projiziert. Eine gewisse Vorfreude kommt auf.
Jetzt beginnt das Stück - mit Stille. Stille und Blicke. Es ist unheimlich... und in irgendeiner Weise doch lustig. Es wird Konfetti geworfen, Witze erzählt, getanzt und gestikuliert. Die Darsteller*innen verlassen die Bühne bis auf eine. Nach einer weiteren Videoshow zum Song BELLYACHE fängt sie an, einen eher poetischen und vollkommen nachvollziehbaren Monolog mit sich selbst zu führen - über Angst und Depression. Unterbrochen wird sie von einem hereinplatzenden Jungen, der das umherirrende Licht fangen will. Enttäuschung breitet sich in mir aus. Ich hätte ihr gerne noch länger zugehört.

Das Licht lässt sich nicht fangen und die Unendlichkeit überwältigt beide, als eine dritte Person in die Box tritt. In einer erfundenen Sprache schreit sie (vermutlich) ihren Freund an, der auf die Wände projiziert ist und auch mit ihr zu reden scheint. Jedoch, ohne einander zu verstehen. Dann schafft es der Darsteller vom Bildschirm doch auf die Bühne. Im Kleid und erfundene Worte rufend kommt er auf seine Partnerin zu und beide tanzen bzw. bewegen sich romantisch miteinander. Sie schreien sich und uns an. Mein Kopf dröhnt und meine Sitznachbarin schaut mich mit schiefem Blick fragend an.

Moinmoin Leute! Die letzten Monate war in meinem FSJ so einiges los... Ich bin viel gereist, habe seeeehr viele gruppendynamische Spiele gespielt und viele neue coole Menschen kennengelernt.
Ihr fragt euch jetzt bestimmt, was alles so in letzter Zeit passiert ist! Antworten auf diese Frage bekommst du, wenn du dir diesen Bericht durchliest. ;)

von Janik Emil

 

denk!mal 2018 – erinnern & gestalten

 

Der Februar begann bei mir mit einem absoluten Eventhighlight. Ich hatte die Chance, die Abendveranstaltung des Jugendforums “denk!mal 2018“ im Plenarsaal des Berliner Abgeordnetenhauses mit zu verfolgen. In einer 90-minütigen Veranstaltung wurden sowohl Theaterstücke, Lesungen, Musik, Tanz oder andere kreative Projekte einem breiten Publikum präsentiert und andererseits an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Als emotionale Zusammenfassung lassen sich die Worte des Präsidenten des Abgeordnetenhauses – Ralf Wieland – gut anknüpfen. Denn nach ihm sei durch das Engagement der Beteiligten an diesem Abend ein ganz persönliches „Denkmal“ für die Opfer des Nationalsozialismus gesetzt worden.

Wenn ihr meinen ganzen Bericht über diesen Abend lesen wollte, dann klickt doch einfach hier!

 

Hallenhockey-WM in Berlin

 

Nur wenige Tage später folgte auch gleich das nächste Großevent – die Hallenhockey-WM der Damen und Herren hier in Berlin.
Und ja, es gibt auch Hockey OHNE Eis – eben Hallenhockey. Der Weg zu dem Bericht über diese Veranstaltung war jedoch leider schwieriger als gedacht. Nachdem ich über die verschiedensten Kontaktmöglichkeiten von Hockeybund zu Hockeybund geschickt wurde, gelang es endlich für einen Tag eine Presseakkreditierung zu ergattern. Kai und ich verfolgten über den ganzen Tag hinweg die spannenden Spiele des Viertelfinals der Damen und Herren. Nicht nur die Ränge der Max-Schmeling-Halle füllten sich von Spiel zu Spiel, sondern auch die Stimmung kochte immer weiter hoch. Dies sah man auch im Nachhinein an den TV-Quoten, denn diese waren so hoch wie noch nie bei einer Hallenhockey-Meisterschaft.

Wenn ihr noch mehr über dieses Sportereignis erfahren wollt, dann seht euch doch die Photostory und den Artikel von meinem Mitfsjler Kai an! (Hier geht’s zur Seite.)

 

Mit Vorfreude machte ich mich auf dem Weg zum Tusch-Festival. Schon zum 20. Mal fand das TUSCH-Festival von Theatern Und SCHulen, die zusammen eine Partnerschaft eingehen, statt. Ob es wohl so werden würde, wie die letzten Male? Würde mich eine packende Story und Emotionen erwarten? Würde ich gebannt dasitzen?

VON ZORA

Die Antwort lautet leider: Nein.

Nun ja, gebannt saß ich schon da und Emotionen hatte ich auch, doch mir fehlte die Story in diesen bizarren Bewegungstücken, die mich doch sehr an den Theaterunterricht meiner Schule erinnerten. Wirkung! Hieß es hier. Menschen, die in einem Pulk (große Gruppe) umherlaufen oder sich einzeln durch den Raum bewegen. Fairerweise muss ich sagen, dass es auch Dialoge gab, doch die bestanden meistens aus Fragen an das (nicht wirklich aufmerksam zuhörende) Publikum.

"100 Fragen an die Künstliche Intelligenz“

Das war das Thema. Fragen gab es viele, manche auch sehr tiefgehend. Zum Beispiel: "Was sind Gefühle?" Dies erklärten dann die Schüler*innen des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums einem Roboter. Wohlbemerkt einem sehr unhöflichen Roboter, denn dieser redete immer wieder rein und es war nicht möglich zu sagen, ob dies gewollt war.

„Das Licht der Zukunft“

Die Hans-Gerade-Schule begeisterte mich jedoch mit einer kleinen Tanznummer. Man muss schon sagen, so wenig Story da war, tanzen konnten sie wirklich gut.
Leider kamen sie auch mit einer erschreckenden Lichtshow auf die Bühne, wozu es eigentlich eine Gesundheitswarnung hätte geben sollen.

Diese Stücke zu beschreiben ist schwierig, doch eins kann ich ganz klar sagen: sie haben ihr Thema nicht verfehlt. Diese Stücke waren genauso wirr und unverständlich wie die Zukunft selbst.
 
 

VON NUSHIN

„Das Leben, das wir führen wollen, das können wir selber wählen. Also los, schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen.“
(„Eines Tages, Baby“ von Julia Engelmann)

Diese und viele andere Zeilen, der 25-jährigen deutschen Poetry Slammerin Julia Engelmann konnte man auf der Bühne auf ihrer Deutschland Tour „Jetzt, Baby - Poesie und Musik“ hören. Die ehemalige Psychologiestudentin erlangte ihren Durchbruch vor über 4 Jahren bei einem Dichterwettstreit an der Universität Bielefeld. Ein Internetvideo, in dem Julia, inspiriert durch den "One day/Reckoning Song" von Asaf Avidan, eine Mischung aus Verdeutschung und eigener Kreativität sang, wurde innerhalb weniger Tage mehrere Millionen Mal auf YouTube geklickt.
 

DIE NACHT DER NÄCHTE

Ein Leben lang zusammen sein? Für die heutige „Generation Z“ unvorstellbar! Lieber auf  „Tinder“ bis „Lovoo“ kurze und bedeutungslose Romanzen suchen und sich  „alle 11 Minuten“ in den oder die Neue/n verlieben! Dass das früher anders war, zeigt der Film „Die Nacht der Nächte“.

VON KAI

Die Einzigen, die die Zeit erlebt haben, wo man ein Leben lang zusammen bleibt und noch die alten Hochzeitstraditionen oder eine arrangierte Ehe hatten, das ist die Generation unserer Großeltern bzw. Ur-Großeltern. Da setzt der Film „Die Nacht der Nächte“ auch an. Vier Paare aus vier verschiedenen Ländern (Deutschland, Indien, Japan, USA) erzählen sehr persönlich und offen, was es heißt, 40 Jahre oder länger zusammen zu sein. Was es heißt, in Guten wie in schlechten Zeiten. Was liebe für eine Bedeutung hat. Wie es ist, so lange zusammen zu leben. Darüber berichtet der Film von Yasemin & Nesrin Samdereli.  Das Paar aus Deutschland z.B.  sind Hildegard und  Heinz. Sie sind seit 55 Jahren ein Paar und seit 53 Jahren verheiratet.  Trotz der Kritik, all den Unterschieden und Zweifeln, die die beiden offen ansprechen, wird auf den ersten Blick klar, was sie zusammengehalten hat. Was von Anfang an da war und noch immer ganz offensichtlich zu sehen und zu spüren ist – eine große, echte Liebe.

Der Film erzählt die Geschichte der vier  Paare wundervoll. Man lacht, ist fasziniert und könnte Stunden lang den Paaren zuhören. 97 Minuten hört man gespannt zu und kann sehr viel lernen über die Liebe.  Ich kann den Film jedem aus meiner „Generation Z“ empfehlen, um mal über die Bedeutung von Liebe nachzudenken und wie es ist, ein Leben lang zusammen zu sein. Der Film „Die Nacht der Nächte“ hat eine Länge von 97 Minuten und startet am 5. April 2018.

Hier für euch der Trailer: