FILMFEEDBACK

VON KAJA

In dieser Folge beschäftige ich mich mit Sommergefühlen, Freundschaft in Japan, Bibelreferenzen und einem Familien Drama in schwarz-weiß.

 

Aktuell: Mamma Mia! - Here we go again (GB/US 2018, R: Ol Parker, FSK 0)

Sie sind zurück. Mit mehr Musik und genauso viel Spaß und Lebenslust. Und ein bisschen sentimental wird es auch in MAMMA MIA! - HERE WE GO AGAIN.

In meiner Kritik zum ersten Teil, der vor 10 Jahren veröffentlicht wurde, schrieb ich: „Wer mag sie nicht? Die Musik von ABBA – die fröhliche Gute-Laune Musik des schwedischen Quartetts, die in diesem Musical angehauchten Film eine entscheidende Rolle spielt.“(Die besagte Kritik findet ihr hier: https://jup.berlin/FilmFeedback5). Und dieser Satz trifft definitiv auch auf die Fortsetzung zu.

 

In MAMMA MIA! - HERE WE GO AGAIN steht (wieder) Sophie (Amanda Seyfried) im Vordergurnd, die das Hotel ihrer Mutter renoviert hat und nun kurz vor der großen Einweihungsfeier steht. Doch nur Sam (Pierce Brosnan) ist auf der sonnigen griechischen Insel Kalokairi geblieben und hat Spohie bei ihrem Vorhaben unterstützt. Sophies Freund Sky (Dominic Cooper) ist in New York und lernt das Hotelgewerbe, und auch ihre zwei anderen Väter Harry (Colin Firth) und Bill (Stellan Skarsgard) sind anderweitig beschäftigt. Zum Glück können zumindest Tanya (Christine Baranski) und Rosie (Julie Walters) kommen, die besten Freundinnen ihrer Mutter, um Sophie so gut es geht zu unterstützen. Der Film arbeitet mit Rückblenden in die 1970er Jahre, als Sophies Mutter Donna (Lily James) nach ihrem Abschluss aufbrach, um das Abenteuer zu suchen und dabei die Bekanntschaft dreier junger Männer machte. Von einem von ihnen wurde sie schließlich schwanger. Sophie fühlt sich ihrer Mutter näher als je zuvor, denn sie selbst ist schwanger und das genau an dem Ort, an dem ihre Mutter es auch war.

 

Oftmals sagt man ja, dass ein Film, der sehr erfolgreich war, durch eine Fortsetzung nicht besser wird, aber für mich hat es bei MAMMA MIA 2 den gegensätzlichen Effekt gehabt. Ich habe mich bereits beim ersten Mal in diesen Film „verliebt“ und noch Wochen nach dem Kinobesuch ausschließlich den Film Soundtrack gehört sowie lautstark mitgesungen. Mir hat die Stimmung und Inszenierung des zweiten Teils so sehr gefallen, dass ich sogar ein zweites Mal ins Kino gegangen bin, um mir den Film ein weiteres Mal anzuschauen. Die Schauspieler, die die jungen Versionen von Donna, Sam, Harry, Bill, Tanya und Rosie verkörpern, sind so gut ausgewählt worden, dass ich über die Tatsache der teils variierenden Augenfarben einfach hinwegsehe. Wieso man nicht einfach Kontaktlinsen oder etwas ähnliches verwenden konnte, bleibt wohl für immer ein großes Geheimnis.

Schon in den ersten Szenen taucht man in die sonnigwarme Sommeratmosphäre des Films ein und wird bis zur letzten Sekunde nicht mehr von dieser losgelassen. Das türkisblaue Farbschema, das sich durch den ganzen Film zieht, verstärkt diesen Sommercharakter zusätzlich und lässt alles sehr harmonisch wirken. Für meinen Geschmack war es auch nicht zu penetrant, sondern ich habe mich gefreut, dass in diesem Film endlich mal wieder richtig filmisch gearbeitet wird. Besonders die Szene, in der Sophie und Sky „One of Us“ singen, möchte ich in diesbezüglich hervorheben. Diese Szene ist ein kleines kinematographisches Meisterwerk und ließ mein Filmwissenschaftlerherz freudig höher schlagen. Generell sind die Überblenden in diesem Film grandios und von mir sehr wertgeschätzt worden. Ich finde es einfach schön, dass mit einer einfachen Kamerafahrt von der Gegenwart zurück in die 70er „gesprungen“ wird. Die Übergänge sind einfach so schön fließend. Und auch wenn in MAMMA MIA! - HERE WE GO AGAIN schon sehr viel mit Inszenierung, Übergängen, Farben und kleinen versteckten Easter Eggs gespielt wird, so gibt es einen Song, der meiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit und etwas mehr von der „One of us“-Inszenierung hätte gebrauchen können. Bei „Knowing Me, Knowing You“ werden einfach nur Sam und Donna gezeigt. Das wars! Da hätte man so viel mehr draus machen können, zumal das Lied meiner Meinung ein sehr kraftvolles ist. Echt schade... 

Kommen wir nun aber wieder zu den positiven Seiten des Films, die deutlich überwiegen. Selbstverständlich ist auch Cher, die Sophies Großmutter verkörpert, ein Grund gleich morgen ins Kino zu gehen und sich MAMMA MIA! - HERE WE GO AGAIN anzuschauen. Ihr Duett mit Andy García zu ABBAs Hit „Fernando“ ist einfach nur wunderschön, auch wenn hier der Kitsch Schalter vollends umgelegt wird. Kitsch ist generell ein Thema, das in diesem Film nicht zu kurz kommt, aber bei einer jungen Frau, die erst die Lehrerin küsst und sich dann kurz nacheinander auf drei junge Männer einlässt, ist dies vielleicht gar nicht so störend. Wer allerdings kein großer Fan von ebenbesagter übermäßiger Romantik (oder ABBA Musik) ist, der sollte sich überlegen, ob er lieber mit etwas Sentimentalität umgehen will oder einen grandiosen Film verpasst. Zum Ende des Films gibt es übrigens eine einzige Szene, in der so richtig auf die Tränendrüse gedrückt wird, um kurz darauf ein kunterbuntes spaßiges Abspann Feuerwerk zu „Super Trouper“ mit allen Hauptfiguren abzufeuern. 

 

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass MAMMA MIA! - HERE WE GO AGAIN ein Film ist, der mir sehr am Herz liegt und dessen Soundtrack mich wahrscheinlich noch den Rest des Jahres begleiten wird. Ich kann euch diesen Film nur wärmstens empfehlen!

 

VON KAJA

 

Aktuell: Ocean's 8 (US 2018, R: Gary Ross, FSK 0)

Jedes Jahr im Mai findet die weltbekannte MET Gala des Metropolitan Museum of Arts statt und jedes Jahr gibt es auf dieser Gala ein enormes Staraufgebot. OCEAN'S 8 nimmt dieses Megaevent und integriert es in seine Gaunergeschichte.

 

Debby Ocean (Sandra Bullock), die Schwester von Danny Ocean (George Clooney), ist wieder aus dem Gefängnis da und will mit ihrer Partnerin Lou (Cate Blanchett) den nächsten großen Coup durchführen, den sie sich über die letzten fünf Jahre ausgedacht hat. Die beiden wollen mit acht weiteren Frauen das 150 Millionen Dollar Collière von Cartier stehlen. Dazu holen sie sich die Juwelierin Amita (Mindy Kaling), die Trickbetrügerin Constance (Awkwafina), die Hehler-Expertin Tammy (Sarah Paulson), die Hackerin Nine Ball (Rihanna) und die Modedesignerin Rose (Helena Bonham Carter) mit ins Boot.

Wem nun der Name Danny Ocean oder der Filmtitel bekannt vorkommt, aber nicht weiß, wo er diese Namen schoneinmal gehört hat, dem möchte ich mal etwas auf die Sprünge helfen. OCEAN'S 8 ist das weibliche Spin-Off zu der Ocean's-Reihe mit George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon und weiteren bekannten Gesichtern, die Anfang der 2000er Jahren mehrere Banken mit mal mehr, mal weniger Erfolg ausraubten.

 

Wer von euch sich jetzt fragt, wieso man erfolgreiche Filme mit einem weiblichen Spin-Off "kaputt" machen muss (und ja solche Kommentare habe ich wirklich gelesen), dem würde ich wärmsten empfehlen im Jahr 2018 anzukommen, sich mal mit dem Thema Feminismus zu befassen und einfach zu aktzeptieren, dass auch wir Frauen so einiges auf dem Kasten haben. Allerdings gibt es auch einige Kleinigkeiten, die ich zu kritisieren habe, die den Film meiner Meinung nach im Allgemeinen allerdings nicht schlechter machen. Mir fiel rückblickend auf, dass die dargestellten Frauen Figuren im Grunde Klischées oder besser einem bestimmten Schema folgen. Eine etwas Verrückte, eine Mutter, eine Asiatin, eine Hackerin und dann noch die eine, die von ihrem Ex hintergangen wurde und so lässt sich die "Checkliste" der Frauenfiguren erweitern. Selbstverständlich bringt jede dieser Frauenfiguren ihre ganz eigenen Fähigkeiten in die Gruppe ein, jedoch scheint ihr Hintergrund nur zu Beginn eine Rolle zu spielen und im folgenden nicht mehr von Wichtigkeit zu sein. Tammy ist zwar Mutter, jedoch telefoniert sie ein einziges Mal mit ihrem Sohn und dann wird diese Tatsache so gut wie ausgeblendet. Allein Debbys Vergangenheit holt sie ein und das auch nur, da es für den Plan von Wichtigkeit sein könnte. Desweiteren scheint alles, was die Frauen unternehmen ohne Konsequenzen abzulaufen. Die führen den Raub durch und ...
(vorsicht, jetzt folgt ein Spoiler! Wer den nicht sehen will, liest bitte ab dem kommenden Absatz weiter)
...kommen damit im Enteffekt sogar durch. Nichts geht schief! Alles läuft so, wie sie es sich vorgestellt haben und am Ende scheinen alle glücklich zu sein. Tammy kehrt zu ihrer Familie zurück und Rose entwirft die nächste große Kollektion. Irgendwie etwas unglaubwürdig, dass das alles so glatt läuft und sie für keine ihrer Taten Konsequenzen befürchten müssen.

Desweiteren wurde sowohl das Drehbuch, die Regie, als auch die Produktion von Männern geleitet. Wenn schon Frauen im Vordergrund eines Filmes stehen, sollte man doch meinen, dass sie ebenfalls in der Jobverteilung vermehrt vertreten sind. Jedoch scheint dies bei OCEAN'S 8 leider nicht der Fall zu sein. Etwas positiv zu nennen ist dennoch, dass jeweils eine Frau beim Drehbuch und der Produktion an zweiter Stelle im Wikipedia Artikel angeführt sind. Es bleibt also die Hoffnung, dass sie in diesen Bereichen mitarbeiten durften.

OCEAN'S 8 ist wirklich ein toller Film, der sehr viel Spaß macht und der sich super gut für einen Mädelsabend eignet oder einfach um Spaß zu haben, auch wenn die dargestellten Frauen noch mehr Tiefe und Facettenreichtum vertragen könnten. Es gibt übrigends neben den tollen Hauptdarstellerinnen auch einige Cameo Auftritte (was das ist, habe ich hier ziemlich weit am Ende erklärt: https://jup.berlin/FilmFeedback5) bekannter Stars. Wenn der Raub auf der MET Gala durchgeführt wird, kann man fast schon auf Starsuche gehen, so viele bekannte Gesichter gibt es zu sehen. Leider gehen einige Witze oder Anekdoten in der deutschen Synchro verloren, wie beispielsweise dass Sandra Bullock und Heidi Klum eine kurze Konversation auf deutsch führen. Das bemerkt man in einem komplett deutschen Film natürlich nicht.
Aber alles in allem kann ich euch OCEAN'S 8 nur wärmstens ans Herz legen.
 

Hier gehts zum Trailer.

 

Klassiker: Dirty Dancing (US 1987, R: Emile Ardolino, FSK 12)

"Aaaannnddd ... I had the time of my life"

Das ist wohl eines der berühmtesten Zitate aus DIRTY DANCING mit Patrick Swayze und Jennifer Grey. Aber auch Zitate wie "Nobody puts Baby in the corner" (dt.:"Mein Baby gehört zu mir") oder "I carried a watermelon" ("Ich habe eine Wassermelone getragen") sind Anwärter auf den Preis des bekanntesten Zitats dieses Films.

Die Mädchen und jungen Frauen unter euch haben diesen Film wahrscheinlich schon mindestens gefühlte hundert Mal gesehen und wahrscheinlich quält ihr euren Freund damit, dass er ihn sich doch endlich mal mit euch zusammen anschauen soll. Für euch Jungs ist DIRTY DANCING hingegen wohl fast so schlimm wie TITANIC, über den ich bereits in einer anderen Folgen gesprochen hatte (https://jup.berlin/FilmFeedback4). Aber die Geschichte von DIRTY DANCING ist einfach etwas, dass sich die meisten Mädchen wohl mindestens einmal in ihrem Leben gewünscht oder zumindest vorgestellt haben. Mit dem eigenen Partner tolle Figuren aufs Pakett zaubern, denn dem Tanzen sagt man bekanntlicherweise nach, dass es die Beziehung verbessern kann.

 

Es ist Sommer 1963. Die 17-jährige Frances Houseman (Jennifer Grey), genannt Baby, verbringt die Sommerferien mit ihrer Familie in einem Wellness Resort, wo sie den attraktiven Tanzlehrer Johnny Castle (Patrick Swayze) kennenlernt. Fasziniert von seinen Tanzkünsten steigt auch bei Baby die Lust auf leidenschaftliches Tanzen. Als Johnnys Tanzpartnerin Penny (Cynthia Rhodes) ausfällt, bietet Baby ihre Hilfe an und ergreift so ihre Chance beim Tanz Trainig Johnny näher zu kommen. Zunhemend kann auch er sich Babys Charme nicht mehr entziehen, doch ihre Liebe steht unter keinem guten Stern.

 

DIRTY DANCING ist einfach nur ein toller Film. Ich weiß, ich bin voreingenommen, weil ja alle Mädchen diesen Film toll finden (*hust* Klischée *hust*), aber er ist wirklich gut. DIRTY DANCING macht einfach Spaß. Die Tänze und Dialoge sind so gut aufeinander abgestimmt und auch am richtigen Anteil an Humor fehlt es in diesem Film nicht. Dennoch kann er auch sehr ernst sein und seinen Fokus auf die Probleme der Figuren lenken, ohne dass es seltsam wirkt. DIRTY DANCING ist einfach richtig gut. Schaut ihn euch an. Punkt!

Das Remake von 2017 (Regie unter Wayne Blair), mit Abigail Breslin und Colt Prattes als Baby und Johnny hingegen, ist nicht sooo schlecht. Versteht mich nicht falsch, der Film ist schlecht, aber nun mal nicht so extrem schlecht. Er versucht zu sehr wie das Original zu sein, weswegen die Schauspieler*innen, die Tänze und die Gespräche steif und einstudiert wirken. Man merkt förmlich, wie die Schauspieler*innen versuchen, den Originalen nachzueifern und im Vornherein wissen: „so muss ich mich jetzt geben“ und „so muss ich mich verhalten, um dem Original nahe zu kommen.“. Besonders wenn man die bereits erwähnten Zitate so gut kennt. In diesem Film kommen sie einfach nicht gut zur Geltung. Es fühlt sich schlichtweg nicht richtig an.
 

Im Original wirken die Tänze, wie bereits erwähnt, leicht und spaßig und leidenschaftlich. Aber im Remake hingegen wirken alle Beteiligten steif. Die Tänze sehen nicht nach Spaß, sondern nach sehr viel Übung und auswendig lernen aus. Der Spaß-Faktor am Tanzen, den der Film von 1987, noch vermittelt, fehlt in dieser Version.
Der Film WILL gut sein und im Trailer wird gesagt „Es ist ein Musical für eine eine neue Ära“, aber was ist denn so schlimm daran sich einfach das Original anzusehen? Da hat man wenigstens noch echte Gefühle und nicht nur ein paar extra Szenen, damit nicht der gesamte Film wirkt, wie einfach übernommen und kopiert.

DIRTY DANCING 2017 will einen guten Job abliefern und gerade, weil sie es so verkrampft versuchen, scheitern sie! Das Original ist um Längen besser, also schaut euch lieber den Film an.   

 

 

Viel Spaß mit der 11. FILM FEEDBACK- Folge von Kaja. Alle FILM FEEDBACK- Folgen gibt es hier!

VON KAJA

 

Aktueller Film

Transit
(D 2017, R: Christian Petzold, FSK: 12)

Georg (Franz Rogowski), ein deutscher Flüchtling, der gerade noch rechtzeitig aus Paris verschwinden kann, bevor ihn die Nazis, die Frankreich einnehmen wollen, verhaften können. Er reist nach Marseille, doch auch das dient nur als eine Übergangsstation, denn bleiben darf nur paradoxerweise, wer beweisen kann, dass er nicht bleiben. Zum Glück führt Georg die Papiere des Schriftstellers Weidel mit sich, der Selbstmord begangen hat. Eigentlich sollte er diese nur im mexikanischen Konsulat abgeben, doch nun eröffnen sich neue Möglichkeiten für ihn. Er nimmt die Identität Weidels an und hofft, eine der wenigen Schiffspassagen zu erhalten. Dann trifft er Marie (Paula Beer) und verliebt sich in die geheimnisvolle Frau, die nach ihrem verschwundenen Ehemann sucht – einem Schriftsteller. Diese hat die Hoffnung noch immer nicht aufgegeben, dass ihr Mann zurückkehren könnte.

Der von Christian Petzold inszenierte Film spielt 1942 in Südfrankreich und ist eine Adaption des teils autobiografischen Romans „Transit“ von Anna Seghers. Transit feierte auf der diesjährigen 68. Berlinale Premiere und ging neben Filmen wie „Isle of Dogs“, „Figlia Mia“ und „3 Tage in Quiberon“ ins Rennen um den Goldenen Bären.

Der Hauptdarsteller Franz Rogowski, der meiner Meinung nach in letzter Zeit zu einem der beliebtesten deutschen Schauspieler gehört, verkörpert die Figur des Georgs sehr authentisch und mit vielen Ecken und Kanten, so wie jeder Mensch nun einmal ist – unperfekt. Zudem war Rogowski in gleich vier Filmen, davon zwei in der Wettbewerbs-Sektion der Berlinale zu sehen. „Transit“ und „In den Gängen“ im Wettbewerb, sowie „Fikkefuchs“ und „LUX – Krieger des Lichts“ in der „LOLA at Berlinale Reihe“.

Ich habe Franz Rogowski in den letzten Monaten in gleich drei Filmen gesehen und jede Figur, die er verkörperte, hatte so seine Eigenheiten. Doch, was allen Figuren gemein war ist, dass sie alle sehr glaubwürdig dargestellt wurden, von dem Schauspieler mit der, umgangssprachlich genannten, Hasenscharte. Daher war es für mich auch keine große Überraschung, dass Rogowski am vergangenen Freitag, dem 27. April 2018 den deutschen Filmpreis, auch genannt LOLA, als bester männlicher Hauptdarsteller für seine Rolle in „In den Gängen“ bekam.

Transit war ein sehr schöner Film, der in unglaublich schönen Kulissen gedreht wurde. Ich meine, wer mag nicht den Anblick des Meeres im Hintergrund und kleinen süßen „Rues“ (Straßen) in Südfrankreich?

Petzold, der zuvor besonders beim Polizeiruf 110 Regie führte, hat einige Merkmale, die er in jeder seiner Produktionen einbaut und ist Teil der sogenannten Berliner Schule: „Die Berliner Schule ist die Bezeichnung für eine Stilrichtung im deutschen Kino, die seit Mitte der 1990er-Jahre entstanden ist.“ (Quelle: Wikipedia)

Den Einfluss der Berliner Schule auf Petzolds Werke kann man auch in „Transit“ erkennen, so sagt die Wikipedia-Seite, dass in Filmen, die von Regisseuren der Berliner Schule gedreht wurden, die Menschen häufig auf der Flucht sind, ohne aber neue Horizonte oder besseres Leben erreichen zu können, so wie es bei „Transit“ der Fall ist. Flucht spielt also eine große Rolle und wenn man weitere Kenntnisse über die Berliner Schule und Petzolds vergangene Filme hat, wie beispielsweise „Barbara“, der vor sechs Jahren auf der 62. Berlinale lief, oder eben die Polizeiruf 110-Folgen, so kann man sich während des Kinobesuchs auf die Suche nach weiteren Charakteristika Petzolds begeben. Zum Beispiel gibt es immer einen Popsong im Score, also in der Musik, der Polizeiruf 110-Folgen, die unter der Regie von Petzold entstanden sind. Somit wartet schon fast sehnsüchtig auf den Moment in „Transit“, in dem ein Popsong zu hören ist. Das kleine Kind in mir ist schier ausgeflippt, denn der besagte Popsong wird erst ganz am Ende, während des Abspanns gespielt.

Wie auch immer, ich habe jetzt ziemlich viel über den Hauptdarsteller und den Regisseur gesprochen und dabei den Film, den ich euch ja eigentlich vorstellen wollte, ganz außen vor gelassen. Hier nun also mein Fazit: „Transit“ ist ein sehr toller Film mit einer mitreißenden Geschichte. Der historischen Hintergrund gibt dem Film noch eine ganz besondere Note und während des Films überlegte ich gelegentlich, wie ich mich wohl verhalten hätte, wäre ich in Georgs Situation gewesen. Nicht nur die Handlung des Films ist meiner Meinung gelungen, sonder es ist auch ein sehr schön inszenierter und gedrehter Film.   

Hier seht ihr den Trailer:

 

Viel Spaß bei der aktuellen FILM FEEDBACK Folge von Kaja und Nushin! Heute im Gepäck: "Lady Bird", "Call me by your name", "Die Halbstarken" und "Persona". Alle FILM FEEDBACK- Folgen gibt es hier!
 

Aktueller Film

LADY BIRD
(US 2017, R: Greta Gerwig, FSK 0)

Die 17-jährige Christine McPherson (Saoirse Ronan) möchte schnellstmöglich ihren Abschluss auf der katholischen High-School machen, um im darauffolgenden Jahr an einem College zu studieren. Ihr Ziel: Ihrer Kleinstadt in Kalifornien entkommen. Geldprobleme und ihre Mutter Marion (Laurie Metcalf) stehen der jungen Erwachsenen, die sich selbst den Namen Lady Bird gibt, jedoch im Weg. Als hätten Teenagermädchen nicht bereits genug Probleme, verguckt sich Lady Bird auch noch in den charmanten guterzogenen Danny (Lucas Hedges) und anschließend in das lässige Bandmitglied Kyle (Timothée Charlamet). Die freche und konservative Schülerin durchläuft eine verwirrende Zeit in ihrem Leben, in der sie mit den Konsequenzen von falschen Entscheidungen konfrontiert wird, um herauszufinden, was ihr selbst im Leben am wichtigsten ist. Sie stößt auf Verzweiflung und neue Freundschaften.

"Lady Bird" (2017) ist der Film, der sich mit seinen 5 Oscar-Nominierungen in die Köpfe aller Filmkritiker geschlichen hat.

Das Anfangsbild besteht aus Christine und ihrer Mutter, die beide laut über Christines Schulkarriere diskutieren. Spontan, genervt und von der einen Sekunde auf die andere schmeißt sich Lady Bird aus dem fahrenden Auto. Die Zuschauer werden regelrecht in diese und alle darauffolgenden Szenen hineingeworfen. Man wird von Anfang an damit vertraut gemacht, dass Lady Bird außergewöhnlich ist und sie eine eigene Weise hat, an bestimmte Situationen heranzugehen. Sie ist rebellisch, zynisch und oftmals unorganisiert, aber wenn es drauf ankommt, scheint sie eine nachdenkliche Person zu sein, die von ihrem Alltag überfordert ist.

Mit Humor, der einen satirischen Touch hat, führt uns Lady Bird durch ihr Leben. Der Verlauf der Geschichte wird von ruhiger Kameraführung und altmodischer Musik begleitet. Das Coming-of-Age-Drama scheut sich nicht davor, bei den Zuschauern durch peinliche Situationen zwischen den Charakteren und Dialoge, welche sehr fremd rüberkommen, eine unangenehme und komische Atmosphäre zu erzeugen, die den Film individuell macht.

Ich finde die "In meinem Himmel"-Schauspielerin Saoirse Ronan ist zu Recht für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert worden, da sie die Rolle von Lady Bird sehr überzeugend verkörpert.  Während des Films habe ich mich häufiger gefragt, wie groß der Anteil an Saoirse Ronan Improvisationen im Film ist, denn von Anfang bis Ende spürt man die Natürlichkeit ihre Rolle.

Einerseits hat sich die Regisseurin Greta Gerwig für einige Szenen und Ereignisse Zeit gelassen, weshalb die Handlungen manchmal ein wenig langatmig wirken. Anderseits wird dieser Filmstil damit ausgeglichen, dass im Laufe der Handlung nie ein Gefühlschaos zwischen den Charakteren entsteht. Die Gefühle von Lady Bird sind immer nachvollziehbar und eindeutig. Für mich persönlich hat genau das, den Film beim Schauen angenehm gemacht.

Lady Bird (2017) ist nicht nur ein Independent Film über das Aufwachsen eines Jugendlichen, sondern auch ein Mutter-Tochter-Drama. Die Mutter von Lady Bird hat eine ganz besondere Rolle für den Ablauf der Geschichte. Man verfolgt zunehmend die Entwicklung der Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Fest steht: Bis zur letzten Sekunde fühlt der Zuschauer mit jedem Charakter mit. Definitiv ein Filmtipp!

Wer von euch jetzt Lust bekommen hat, ins Kino zu gehen, der kann sich hier den Trailer anschauen:

VON HANNAH

„Stell dir vor, du bist 17 und lebst in den Hochhäusern am Stadtrand. Die Luft flimmert: Sommer. Dann die Nacht, als Jackie dir den Kopf verdreht. Im Freibad, Fuchsrotes Haar. Stell dir vor, wie dir die Funken aus den Fingern sprühen vor Glück. Und Peng. Dir fliegt die Welt aus den Angeln: Zöllner erwürgt seine Frau. Edda, die 21-jährige aus der Videothek, stellt dir nach. Du steigst mit Kondor in den Ring. Immer wieder meinst du, diesen Indianer zu sehen. Und zum Showdown zieht ein geradezu biblisches Gewitter auf. Fühlt es sich so an – das Abenteuer, jung zu sein?“

Quelle: www.eswareinmalindianerland.de

Der dritte Film des Marvel-Helden Thor ist jetzt auf BluRay und DVD erhältlich. Mit dabei viele andere bekannte Marvel-Größen. Unser Redakteur Olli hat für euch schon einmal in den Film reingeschaut.

VON OLIVER MATTUTAT
 

Im nun mehr dritten Teil der Thor-Reihe aus dem Hause Marvel hat der Gott des Donners (gespielt von Chris Hemsworth) wieder alle Hände voll zu tun. Dabei trifft er auch auf alte Bekannte. 
 

Thor befindet sich zu Anfang des Films gefangen in der Höhle von einem drachenartigen Feuerdämon, der davon besessen ist, Asgard zu zerstören. Thor kann sich befreien und die Gefahr abwenden. Doch der nächste Rückschlag lässt nicht lange auf sich warten. Thors Vater Odin, König von Asgard (gespielt von Anthony Hopkins), ist noch nicht wieder zurück auf seinem Planeten. Zusammen mit seinem, meist bösen, Bruder Loki (gespielt von Tom Hiddleston) begibt sich Thor auf die Erde, um seinen Vater zu finden. Dabei treffen sie auf Doctor Strange (gespielt von Benedict Cumberbatch), der Loki als Gefahr für die Erde sieht. Dennoch zeigt er beiden, wo ihr Vater ist. Doch kurz nachdem sie ihn finden und mit ihm sprechen, stirbt Odin. Kurz darauf erscheint die Todesgöttin Hela (gespielt von Cate Blanchett), die gleichzeitig auch die Schwester von Thor und Loki ist. Sie ist festentschlossen, ihren Platz als Königin von Asgard einzunehmen und den Kriegszug, den sie vor vielen Jahren mal mit ihrem Vater führte, wieder aufleben zu lassen. In der Folge kommt Thor auf einen für ihn fremden Planeten. Dort trifft er auf alte Bekannte und neue Gestalten.

Der Hauptdarsteller Chris Hemsworth beschreibt den neuen Teil so: “Wir haben hier einen recht ungewöhnlichen und einzigartigen Film auf die Beine gestellt - mit einer Geschichte, die für sich steht. Er hat den Königstitel von Asgard ausgeschlagen und auf der Erde gelebt. Weil aber die Erde nun einmal nicht seine Heimat ist, passt er in dieses neue Leben nicht wirklich hinein. Deshalb verlässt er die Erde, sucht nach Antworten und entdeckt auf seiner Reise durch dir außerirdischen Reiche überall Chaos.“

Ein bildgewaltiges Spektakel mit sehr viel Action und Humor. Dabei gelingt Marvel für meinen Geschmack wieder mal der Tanz auf der Rasierklinge. Denn einige Gags wiederholen die Macher und irgendwann dachte ich mir: „Noch einmal und der Witz ist über.“ Genau dann ließen sie es auch sein. Über zwei Stunden wurde ich bestens unterhalten. Für mich einer der besten Marvel-Filme, die ich bis jetzt gesehen habe.

Wie es am Ende ausgeht und ob Thor Hela und Ragnarok aufhalten kann, erfahrt ihr ab sofort auf DVD und BluRay.

 

VON HANNAH

Der Film „Das schweigende Klassenzimmer“ ist eine Reise in die Vergangenheit.

Basierend auf wahren Ereignissen erzählt Regisseur Lars Kraume darin von Schülern in der DDR, die mit einer selbst initiierten Schweigeminute plötzlich als Staatsfeinde dastehen.

Es ist das Jahr 1956: Die Mauer ist noch nicht gebaut, doch das System der DDR ist bereits stark etabliert. Die Abiturienten Theo und Kurt leben in Stalinstadt, dem heutigen Eisenhüttenstadt in Brandenburg. Während eines Besuches in Westberlin schleichen sie sich in ein Kino und erfahren in der Wochenschau von den derzeitig stattfindenden schrecklichen Ereignissen in Ungarn:

Mit einer Großdemonstration in Budapest beginnt am 23. Oktober 1956 der Ungarische Volksaufstand. Menschen kämpfen auf der Straße für Demokratie und Freiheit und wollen sich von der sowjetischen Unterdrückung befreien. Knapp zwei Wochen später endet die Bewegung blutig durch den Einmarsch der Roten Armee. Bei den Kämpfen sterben über 3000 Menschen.

Theo und Kurt können ihre Fassungslosigkeit und Wut kaum zurückhalten. Zurück in der DDR, berichten sie ihren Klassenkameraden aufgeregt von dem brutalen Aufstand. Aus Respekt und Solidarität möchte die Schulklasse während des Unterrichts zwei Schweigeminuten für die Opfer einlegen. Doch wer hätte gedacht, dass diese kleine, menschliche Geste drastische Folgen für ihren zukünftigen Lebensweg haben wird?

Bilder: © Studiocanal GmbH / Julia Terjung

VON HANNAH

Sommer, in der österreichischen Provinz: Mati plant nach dem Matura (österr. Abitur) wie ihre Mutter Tierärztin zu werden und nach Wien zu gehen. Doch ist sie dafür überhaupt reif genug?

Nach der Schule hängt Mati am liebsten mit ihren männlichen Freunden ab. Gegen diese fährt sie Motocross-Rennen in einem Steinbruch und abends verbringen sie ausgelassene Nächte in der örtlichen Disco. Unter ihren Freunden ist auch Sebi, der heimlich in sie verliebt ist. Er sagt, sie sei einfach anders als die anderen Mädchen, viel cooler eben.

Zu Sebis Enttäuschung lernt Mati aber ein anderes Mädchen kennen und ist direkt von ihr fasziniert. Auf einmal kommt es in der Motorcross-Clique zu Problemen, als Fragen nach wahrer Freundschaft, Liebe und Sexualität keine Antwort zu finden scheinen. Auch in der Ehe von Matis Eltern kriselt es, da ihr Vater sich nicht eingestehen will, eine sexuelle Zuneigung zu Männern zu verspüren.

(Bilder: AUT 2018 von: Katharina Mueckstein © NGF/LBF)

 

Am 22. Februar kommt der deutsche Horror in die Kinos! Kaja und Kai aus der jup!-Redaktion durften vorab Freshtorge, Nilam Farooq und Tim Oliver Schultz interviewen. Freut euch drauf! Ein Horrofilm, der den deutschen Horror wieder groß macht!

 

Hier das Interview mit Freshtorge:

DIE NACHT DER NÄCHTE

Ein Leben lang zusammen sein? Für die heutige „Generation Z“ unvorstellbar! Lieber auf  „Tinder“ bis „Lovoo“ kurze und bedeutungslose Romanzen suchen und sich  „alle 11 Minuten“ in den oder die Neue/n verlieben! Dass das früher anders war, zeigt der Film „Die Nacht der Nächte“.

VON KAI

Die Einzigen, die die Zeit erlebt haben, wo man ein Leben lang zusammen bleibt und noch die alten Hochzeitstraditionen oder eine arrangierte Ehe hatten, das ist die Generation unserer Großeltern bzw. Ur-Großeltern. Da setzt der Film „Die Nacht der Nächte“ auch an. Vier Paare aus vier verschiedenen Ländern (Deutschland, Indien, Japan, USA) erzählen sehr persönlich und offen, was es heißt, 40 Jahre oder länger zusammen zu sein. Was es heißt, in Guten wie in schlechten Zeiten. Was liebe für eine Bedeutung hat. Wie es ist, so lange zusammen zu leben. Darüber berichtet der Film von Yasemin & Nesrin Samdereli.  Das Paar aus Deutschland z.B.  sind Hildegard und  Heinz. Sie sind seit 55 Jahren ein Paar und seit 53 Jahren verheiratet.  Trotz der Kritik, all den Unterschieden und Zweifeln, die die beiden offen ansprechen, wird auf den ersten Blick klar, was sie zusammengehalten hat. Was von Anfang an da war und noch immer ganz offensichtlich zu sehen und zu spüren ist – eine große, echte Liebe.

Der Film erzählt die Geschichte der vier  Paare wundervoll. Man lacht, ist fasziniert und könnte Stunden lang den Paaren zuhören. 97 Minuten hört man gespannt zu und kann sehr viel lernen über die Liebe.  Ich kann den Film jedem aus meiner „Generation Z“ empfehlen, um mal über die Bedeutung von Liebe nachzudenken und wie es ist, ein Leben lang zusammen zu sein. Der Film „Die Nacht der Nächte“ hat eine Länge von 97 Minuten und startet am 5. April 2018.

Hier für euch der Trailer: