Berlinale

VON HANNAH

„Stell dir vor, du bist 17 und lebst in den Hochhäusern am Stadtrand. Die Luft flimmert: Sommer. Dann die Nacht, als Jackie dir den Kopf verdreht. Im Freibad, Fuchsrotes Haar. Stell dir vor, wie dir die Funken aus den Fingern sprühen vor Glück. Und Peng. Dir fliegt die Welt aus den Angeln: Zöllner erwürgt seine Frau. Edda, die 21-jährige aus der Videothek, stellt dir nach. Du steigst mit Kondor in den Ring. Immer wieder meinst du, diesen Indianer zu sehen. Und zum Showdown zieht ein geradezu biblisches Gewitter auf. Fühlt es sich so an – das Abenteuer, jung zu sein?“

Quelle: www.eswareinmalindianerland.de

VON KAJA

Und ein weiterer Film, der die Geschichte oder mehr einen Ausschnitt aus dem Leben eines bekannten Schriftstellers in den Fokus setzt.

Wie man anhand des Titels schon erkennen könnte, erzählt UNGA ASTRID die Geschichte der jungen Astrid Lindgreen, damals noch Astrid Ericsson, und ihrer Schwangerschaft als junge Frau.

Astrid Lindgreen sollte für alle von euch eigentlich ein Begriff sein, aber wer nicht sicher weiß, von wem ich spreche: Astrid Lindgreen gilt als eine der erfolgreichsten Kinder- und Jugendschriftstellerinnen und ihre Bücher wurden in über 20 Sprachen übersetzt. Sie ist die "Mutter" von Pipi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Karlsson vom Dach oder den Kindern von Bullerbü. Wer also noch nie mit einer dieser Geschichten in Berührung gekommen ist, der sollte mal ein ernstes Wörtchen mit seinen Eltern reden, wieso diese einem solch tolle Geschichten vorenthalten haben.

Aus dem vorangegangenen sollte klargeworden sein, dass ich Astrid Lindgreen besonders aus meiner Kindheit kannte, ich ihre Geschichten mochte, ich mich allerdings noch nie so wirklich mit ihrem Leben oder gar Gründen befasst habe, wieso ihre Geschichten so ansprechend für Kinder sind. UNGA ASTRID hat mir einige dieser Fragen beantwortet.

Astrid Ericsson, zweite Kind von Samuel August Ericsson und Hanna Ericsson, geborene Jonsson, kam schon früh mit dem Schreiben und der redaktionellen Arbeit in Berührung. Mit 16 Jahren bekam sie eine Stelle in der Zeitungsstelle im Nebenort und schrieb ab diesem Alter eigene Texte, zunächst eher Nachrufe und Berichte, doch sie sagte selbst von sich, dass sie schon immer gut im Geschichten erzählen war. Mit 18 Jahren wurde sie dann schwanger und gab das Kind nach der Geburt zunächst zu einer Pflegemutter, bis diese einige Jahre später schwer krank wurde und sich nicht mehr um Lars, genannt Lasse, kümmern konnte.

Der Film von Pernille Fischer Christensen beleuchtet eben diesen Abschnitt aus Lindgreens Leben oder besser, er nimmt ihn als Vorlage und ändert die Geschehnisse ein wenig ab. Und falls nun einer von euch denkt ich hätte den kompletten Film verraten bzw. gespoilert, dem sollte gesagt sein, dass man die Lebensgeschichte der Kinderbuchschriftstellerin, nach einer kurzen Suchanfrage bei Google, bestens lesen kann.

Mich hat UNGA ASTRID nicht nur gerührt, bewegt und wie eine warme Umarmung anfühlen lassen, sondern er hat mir auch mögliche Ansätze einer Antwort auf die Frage geliefert, wieso Lindgreens Bücher so gut sind. Auf der einen Seite musste sie, als sie mit 18 Jahren schwanger wurde, schnell erwachsen werden und konnte somit ihre Kindheit nicht fortführen, solange sie sollte, auf der anderen Seite hatte sie dementsprechend schon früh ein Kind, dem sie Geschichten erzählen konnte und musste. Lasse blieb zudem nicht ihr einziges Kind, weswegen sie beim Schreiben ihrer Geschichten vermutlich an ihre Kinder gedacht hat und dass sie so früh Mutter geworden ist, spielt wohl auch in die Tatsache mit hinein, dass Astrid Lindgreen nie ganz aufgehört hat Kind zu sein.

 

Sektion: Berlinale Specials
Land: Schweden, Deutschland, Dänemark
Regisseur: Pernille Fischer Christensen
Länge: 123 Minuten

Hier könnt ihr euch einen Filmausschnitt anschauen!

VON KAI

Die Wahrheit um seinen verstorbenen Vater, die will der 12-jährige Thomas von seiner Familie wissen. Doch er stößt nur auf Vertröstungen, Ausflüchte, Widersprüche und keiner will sagen, was die Wahrheit nun letztendlich ist. Thomas reicht es! Der Tag steht kurz bevor, wo der Mann aus dem Gefängnis kommt, der seinen Vater getötet hat. Mit seinem gelben Rucksack und der darin befindenden Waffe macht er sich auf dem Weg zu Nenino. Er will nun endlich seine Antworten erhalten, wer seinen Vater umgebracht hat.

Ein Kind, was zu schnell in die Rolle eines erwachsenen Mannes hinein gesteckt wird.  „Mochila de plomo“, ein sehr lebhafter und mitreißender Film. Wenn auch ein, zwei Szenen ein wenig zu lang gezogen wurden.

Sektion: Generation Kplus
Land: Argentinien
Regisseur: Darío Mascambroni
Länge: 67 Min

Einen Filmausschnitt könnt ihr euch auf der Berlinale-Webseite anschauen! Hier entlang!

VON KAI

Die iranische Insel hat ein großes Vorkommen an Hämatit, ein rotes Mineral, doch nur wenige profitieren von diesem „roten Gold“.  Der 16-jährige Junge Hormoz bekommt ein Versprechen: Wenn er die drei Jahre jüngere Hendi heiratet, hat er die Chance auf dem Tagebau zu arbeiten. Doch  letztendlich wird er enttäuscht und die Chance ist dahin.
Hedi wird schwanger und kann nicht mehr zur Schule gehen. Um nun Geld in die Kasse zubringen, rutscht Hormoz in einen Schmugglerring hinein, der das rote Gold stehlen und selber verkaufen möchte. Wie es ausgeht für Hendi und Hormoz, erfahrt ihr, wenn ihr den Film anschaut.

Der Film verdeutlicht sehr gut, wie es ist, in ärmlichen Verhältnissen, über die Runden kommen und was es für Gefahren gibt. Die Geschichte von Hendi und Hormoz ist spannend erzählt und für den Zuschauer ist es schön, trotz all der Probleme zu verfolgen, wie sich die beiden näher kommen. Leider erst dann, als ihnen ihr Leben beginnt, aus den Händen zu gleiten.

Sektion: Generation 14+
Land: Iran / Tschechische Republik
Regisseur: Abbas Amini
Länge: 88 Minuten

 

VON KAJA

Wer kennt ihn nicht? Ed Sheeran, den Sänger und Songschreiber, der letztes Jahr mit sechs Songs seines neuen Albums „÷“ gleichzeitig in den Top 20 der Offiziellen Deutschen Single-Charts, sowie mit zehn Liedern in den Top 30 und mit 14 Titeln in den Top 50 vertreten war. Der Film SONGWRITER, der von Sheerans Cousin Murray Cummings gedreht wurde, beleuchtet in 84 Minuten die Entstehung des neuen Albums.

Ed Sheeran zeigt sich, in der dokumentarischen Form seines Cousins, als „cooler dude“, so wie du und ich. Er wirkt bodenständig und erzählt, wie das Schreiben von Liedern bei ihm abläuft. Er besucht zudem einen Musik-Kurs in seiner alten High-School und beschreibt den kreativen Prozess, einen Liedtext zu schreiben als alten Wasserhahn in einem verlassenen Haus. Dreht man diesen auf, sieht man zunächst nur dreckiges Wasser mit Dreckbrocken darin und erst mit der Zeit wird dieses Wasser langsam klarer.

So sei es auch mit seinen Liedern gewesen, erklärt er. Seine ersten Lieder, die er geschrieben habe, waren Dreck und mit seinem neuen Album, wäre er endlich an dem Punkt angekommen, an dem seine Songs klarer und reiner seien.

Es macht Spaß dem Prozess und dem Fortschritt der Entstehung des Albums zuzuschauen und das nicht nur, da man ständig mit den großartigen (Vorsicht! Meine Meinung) Liedern von „÷“ konfrontiert und beschallt wird.

VON KAJA

Grüner Nebel in San Francisco.
Leise Töne, wenig Dialog.
Eine Collage aus bekannten und unbekannten Fernseh- und Filmbilder, die in drei Abschnitte eingeteilt werden.

Die Geschichte, die dieser Film erzählen will, ist einerseits schwer und andererseits gar nicht schwer zu beschreiben. Wie auch der Film an sich, steckt die Handlung voller Wiedersprüche, Ironie und kleinem Witz, den die anderen Zuschauer, wohl wesentlich witziger fanden als ich.

Bei mir blieb etwas anderes nach THE GREEN FOG zurück. Verwirrung!

Auf der Berlinale Webseite steht, dass die drei Regisseure Guy Maddin, Evan Johnson und Galen Johnson eine Hommage an VERTIGO von Hitchcock erschaffen wollten und das ist ihnen auf jeden Fall gelungen. Wie spannend oder geglückt diese Anspielung wurde, ist eine andere Frage.

Man erkennt die typischen Bilder einer Verfolgungsjagt zu Beginn, den Schwindel, eine fallende Frau und beispielsweise die Museumsszenen. Doch ob der Film auch für Leute funktioniert, die Vertigo nicht kennen, bleibt für mich etwas fragwürdig. Und selbst wenn man VERTIGO kennt und mag – so wie es bei mir der Fall ist – heißt das noch lange nicht, dass man THE GREEN FOG auch gut finden muss. Ich will nicht sagen, dass mir der Film nicht gefallen hat, aber gelangweilt habe ich mich teilweise schon ein wenig, denn gelacht habe ich maximal zwei Mal während der ganzen 62 Minuten.

Was mir allerdings positiv im Gedächtnis geblieben ist, war die gute Montage, die das „continuity system“ berücksichtigt und obwohl die Bilder aus verschiedenen Filmen stammen, gibt es einen Anschluss. Das „continuity system“ (zu Deutsch: Kontinuitätssystem) besagt u. a., dass bei aufeinanderfolgenden Einstellungen beispielsweise das Auto, das nach links abbiegt und an der linken Seite des Bildes verschwindet, in der nächsten Einstellung von der rechten Seite ins Bildes kommen muss, damit der Eindruck eines fahrenden Autos entsteht. Würde das Auto nämlich in der nächsten Szene von links in das Bild kommen, wäre dies verwirrend und die Kontinuität wäre gebrochen. Selbstverständlich gibt es auch Filme und Regisseure, die absichtlich mit dem „continuity system“ brechen und daraus ein Charakteristikum machen.

Schlussendlich ist THE GREEN FOG ein gut gemachter Film, der mich trotzdem mit einem großen Fragezeichen im Gesicht, den Kinosaal verlassen ließ.

Sektion Forum
Land: USA / Kanada
Regisseur: Guy Maddin, Evan Johnson, Galen Johnson

Länge: 62 Minuten

 

Wer sich jetzt noch meine Kritik zu VERTIGO, dem Film, auf dem THE GREEN FOG beruht, lesen will, bitte hier entlang!

Hier der Trailer zu THE GREEN FOG:

VON HANNAH

Der Film „Das schweigende Klassenzimmer“ ist eine Reise in die Vergangenheit.

Basierend auf wahren Ereignissen erzählt Regisseur Lars Kraume darin von Schülern in der DDR, die mit einer selbst initiierten Schweigeminute plötzlich als Staatsfeinde dastehen.

Es ist das Jahr 1956: Die Mauer ist noch nicht gebaut, doch das System der DDR ist bereits stark etabliert. Die Abiturienten Theo und Kurt leben in Stalinstadt, dem heutigen Eisenhüttenstadt in Brandenburg. Während eines Besuches in Westberlin schleichen sie sich in ein Kino und erfahren in der Wochenschau von den derzeitig stattfindenden schrecklichen Ereignissen in Ungarn:

Mit einer Großdemonstration in Budapest beginnt am 23. Oktober 1956 der Ungarische Volksaufstand. Menschen kämpfen auf der Straße für Demokratie und Freiheit und wollen sich von der sowjetischen Unterdrückung befreien. Knapp zwei Wochen später endet die Bewegung blutig durch den Einmarsch der Roten Armee. Bei den Kämpfen sterben über 3000 Menschen.

Theo und Kurt können ihre Fassungslosigkeit und Wut kaum zurückhalten. Zurück in der DDR, berichten sie ihren Klassenkameraden aufgeregt von dem brutalen Aufstand. Aus Respekt und Solidarität möchte die Schulklasse während des Unterrichts zwei Schweigeminuten für die Opfer einlegen. Doch wer hätte gedacht, dass diese kleine, menschliche Geste drastische Folgen für ihren zukünftigen Lebensweg haben wird?

Bilder: © Studiocanal GmbH / Julia Terjung

VON HANNAH

Sommer, in der österreichischen Provinz: Mati plant nach dem Matura (österr. Abitur) wie ihre Mutter Tierärztin zu werden und nach Wien zu gehen. Doch ist sie dafür überhaupt reif genug?

Nach der Schule hängt Mati am liebsten mit ihren männlichen Freunden ab. Gegen diese fährt sie Motocross-Rennen in einem Steinbruch und abends verbringen sie ausgelassene Nächte in der örtlichen Disco. Unter ihren Freunden ist auch Sebi, der heimlich in sie verliebt ist. Er sagt, sie sei einfach anders als die anderen Mädchen, viel cooler eben.

Zu Sebis Enttäuschung lernt Mati aber ein anderes Mädchen kennen und ist direkt von ihr fasziniert. Auf einmal kommt es in der Motorcross-Clique zu Problemen, als Fragen nach wahrer Freundschaft, Liebe und Sexualität keine Antwort zu finden scheinen. Auch in der Ehe von Matis Eltern kriselt es, da ihr Vater sich nicht eingestehen will, eine sexuelle Zuneigung zu Männern zu verspüren.

(Bilder: AUT 2018 von: Katharina Mueckstein © NGF/LBF)

VON KAJA

Ein weiterer Film aus der Wettbewerbs-Kategorie, der sich einem zehnjährigen Mädchen widmet, das erfährt, dass die Frau, die sie für ihre Mutter gehalten hat, nicht ihre leibliche Mutter ist. Ein Film darüber, wer eine bessere Mutter ist: die leibliche Mutter des Kindes, die mehr Wert auf Alkohol und Liebeleien legt und sich nie für ihre Tochter interessiert hat, oder die Frau, die das Mädchen zehn Jahre ihres Lebens als ihre Mutter angesehen hat und die sich sehr um sie sorgt.

Vittoria, so heißt das Mädchen, sieht sich mit zwei Vorbildern konfrontiert und muss sich entscheiden, wem sie nacheifern will.

Sara Casu, die trotz ihres jungen Alters schon sehr erwachsen wirkt und in FIGLIA MIA das junge Mädchen Vittoria verkörpert, spielt diese Rolle wirklich sehr gut und überzeugend. Sie leiht einer Figur ihr Gesicht, die so zerbrechlich und so stark zugleich ist. Und in dergleichen Weise inszeniert die Regisseurin Laura Bispuri das Dreiecksverhältnis von Vittoria, Tina und Angelica. Diese Beziehung ist sensibel, aber dennoch ausdrucksstark. Der Film ist mittreißend und emotional und der Zuschauer wird selbst vor die Frage gestellt, welche der zwei Frauen Vittoria das Leben bieten kann, das sie auf der einen Seite will und auf der anderen Seite braucht.

Sektion: Wettbewerb
Land: Italien, Deutschland, Schweiz
Regisseur: Laura Bispuri
Länge: 100 Minuten

 

Hier der Trailer:
(Bildquelle: © Vivo film / Colorado Film / Match Factory Productions / Bord Cadre Films)

Eva

VON KAJA

Benoit Jacquot verfilmt den Roman "Eve" des britischen Schriftstellers James Hadley Chase von 1945 über 50 Jahre nach Joseph Losey erneut und inszeniert die Prostituierte Eva in seinem Film als vielschichtige Figur. Der Film läuft im Wettbewerb und wetteifert somit mit Filmen wie "TRANSIT" oder "ISLE OF DOGS" um einen goldenen Bären der internationalen Jury.

Eva, sie ist professionelle Prostituierte, er ist Schriftsteller, aber auch nicht wirklich. Er klaute sein Ansehen, sie erarbeitete es sich.

Als eines Abends Bernard überraschend Zeuge des Todes eines vergreisten Schriftstellers wird, handelt Bernard schnell, schnappt sich das fertig geschriebene Manuskript dieses vergreisten Schriftstellers und lässt es unter seinem Namen aufführen. Es wird ein voller Erfolg, doch die Welt will mehr vom Ausnahmetalent Bernard lesen. Zufällig trifft er Eva, die er zu seiner neuen Muse auserkehrt. Eine bizarre "Liebes"-Geschichte beginnt.

Sowohl Eva, als auch Bernard, der vermeintlich talentierte Schriftsteller, werden als Figuren dargestellt, die man in bestimmten Momenten lieben und mit ihnen sympathisiert und in anderen Momenten verabscheut und man sich fragt, wie man so jemanden jemals gut finden konnte. Der Thriller-Touch, den der Film (angeblich) haben soll, blieb für mich irgendwie versteckt. Außer bedrohlicher Musik und ein paar emotionalen Ausrastern seitens Bernard, hat dieser Film für mich nicht viel von einem Thriller. Der Film ist trotzdem nicht schlecht, auch wenn er sich zum Ende hin ziemlich zieht und ich mir mehrfach gedacht habe, dass dies das Ende gewesen sein muss und immer noch eine Szene mehr kam. Immer ein Ausschnitt mehr aus den Leben der zwei Protagonisten nach ihrer Begegnung. Immer ein Moment mehr, den der Film noch zeigen will und der für mich übrflüssig war, denn im Prinzip sollten alle Szenen das Gleiche ausdrücken!

 

Sektion: Wettbewerb
Land: Frankreich, Belgien
Regisseur: Benoit Jacquot
Länge: 102 Minuten