Geschichte

 

VON SOPHIA, ELISA UND FELIX

Wir waren letzten Sonntag beim Tag des offenen Denkmals, im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen. Da wir uns schon im Voraus für eine Führung durch das Gefängnis angemeldet hatten, mussten wir nur noch in der Cafeteria auf den Beginn der Besichtigung warten. Es dauerte nicht lang und es kam ein Ausstellungs-Aufseher um uns in einen Raum zu bringen. Dort gab es dann einen dreißigminütigen Einführungsfilm über das Gefängnis.
Die Stimmung war etwas angespannt, was klar ist bei so einem düsteren Thema. Mal wieder wurde mir klar, dass das alles  gar nicht mal so lange her ist. Wenn ich mit meinen Großeltern spreche, reden wir nicht grade über Themen wie die Stasi- oder NS- Zeit. Zum Mal, weil meine Großeltern beide im Westen Berlins aufgewachsen sind und von dem ganzen gar nicht betroffen waren.
Jedes Jahr besuchen rund 455.00 die Gedenkstätte, die meisten davon sind noch Schüler. Allerdings kommen auch ehemalige Häftlinge in die stillgelegte Haftanstalt. Unser Gruppenleiter erzählte uns, dass oft ehemalige Häftlinge in Tränen ausbrechen oder sogar Panik-Attacken erleiden und in Ohnmacht fallen. Mich wundert das nicht, bei dem was ich dort gesehen und gehört habe. Die Häftlinge wurden nicht nur physisch fertig gemacht, indem man sie ständig wach hielt oder misshandelte. Nein, die Wärter dort wurden dazu ausgebildet, die Häftlinge auch psychisch zu Grunde zu richten. Sie nannten das operative Psychologie. Oft wurden Geständnisse erzwungen, die Verhöre fanden nur in der Nacht statt und die Häftlinge hatten vorher oft Wochenlang keinen Kontakt zu anderen Menschen. Allein das war für die meisten schon ein Grund zu reden. Wenn das nicht funktionierte, wurden sie bestochen oder ihren Familien gedroht.

 

VON ELISA

Die Lange Nacht der Museen 2018 fand dieses Jahr zum 38. Mal in Berlin statt. Am letzten Samstag im August konnten Touristen und Berliner von 18:00 Uhr bis 2:00 Uhr mehr als 80 Museen in der Hauptstadt besuchen. Dabei waren unter anderem klassische Museen, wie das Museum für Naturkunde, das Neue Museum und das Alte Museum, aber auch Gedenkstätten wie der GeDenkOrt Charité und das Mauermuseum. Wer sich eher für historische Gebäude interessiert, konnte sich das Schloss Charlottenburg und das Schloss Britz ansehen. Außerdem war das Deutsche Currywurst Museum Berlin und das Berliner U-Bahn-Museum für nachtschwärmende Besucher geöffnet. Es war also für Jeden etwas dabei.
Insgesamt wurde die Lange Nacht der Museen 2018 sehr gut angenommen. Rund 35.000 Besucher nutzten die späten Abendstunden, um mit nur einem Ticket jede Menge Austellungsorte zu besuchen. Auf den Straßen vor den Museen bildeten sich meterlange Schlangen und die öffentlichen Verkehrsmittel waren voll. Man hatte sogar das Gefühl, dass am späten Abend, bzw. in der Nacht mehr Leute ins Museum stürmten, als am Tage.
Die meisten Besucher zog es in das Museum für Naturkunde, wo man sich die Saurierwelt oder die größte Mineraliensammlung Deutschlands ansehen kann.
Ich war für jup! Berlin unterwegs und hatte eine gute Freundin im Schlepptau, die sich sehr für Museen interessiert. Für den Abend haben wir uns ziemlich viel vorgenommen, denn das Wetter war genau richtig, um die Zeit in einem schönen Museum zu verbringen. Es war sehr kalt und unangenehm draußen- der Sommer neigt sich langsam dem Ende. Als ersten Punkt auf unserer Liste hatten wir das Bode-Museum auf der Museumsinsel. Pünktlich zum Startschuss der Langen Nacht der Museen um 18 Uhr, besorgte sich meine Freundin ein ermäßigtes Ticket für 12 Euro. Ein unschlagbarer Preis, wenn man sich überlegt, dass man damit 80 Museen besuchen und gleichzeitig noch alle Öffis im Zeitraum der Veranstaltung benutzen kann.
Im großen Treppenhaus des Museums angekommen begrüßte uns das Reiterstandbild des großen Kurfürsten. Im Hintergrund lief eine fantasievolle  Musik, zu der sich junge komplett weißgekleidete Menschen des Staatsballetts Berlin mit viel Hingabe und Gefühl bewegten. Sofort in ihren Bann gezogen versanken einen Moment in ihren Bewegungen. Die Tänzer*innen nutzten vorwiegend die imposanten Treppenaufgänge des neobarocken Hauses. Nach der Eröffnung des Abends durch das Staatsballett, schlossen wir uns einem Museumsführer an, der ein Schild mit dem Wort „Entdecker“ hochhielt. Er zeigte uns in 15 Minuten die kleinen Details des Museums, die man während einer üblichen Führung aus Zeitgründen nicht erzählt bekommt. Wie zum Beispiel, warum die Treppen in Richtung des Einganges gerichtet sind oder wessen Köpfe an den Wänden der Eingangshalle sind. Danach schauten wir uns noch die Ausstellung der Kunst aus Afrika an. Dort wurden überwiegend Plastiken gezeigt, die in Afrika eine kulturelle Bedeutung haben. Insgesamt hielten wir uns aber nicht allzu lange in diesem Museum auf, weil wir unbedingt unseren Plan verfolgen wollten, alle ausgewählten Museen an diesem Abend zu schaffen.

 

VON SINA

 

Als angehende Geschichtsstudentin hat es keine lange Gedenkzeit benötigt, bis ich wusste, in welche Museen ich bei der Langen Nacht der Museen gehen werde. Mit dem Stadtplan in der Hand ging es zuerst in das Alte Museum am Lustgarten direkt neben dem Berliner Dom. Die Dauerausstellung über Griechische Kunst und Antike kannte ich schon, dennoch ist der Saal mit den Statuen der Griechischen Götter immer wieder beeindruckend zu betrachten. Generell ist das Alte Museum Kunst für sich. Und auch historisch hat es eine Bedeutung, denn während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Museum und der Platz davor für Propagandaveranstaltungen genutzt.

 

Deutsches Historisches Museum

Weiter ging es ins Zeughaus des Deutschen Historischen Museums; in eine sehr faszinierende Ausstellung über deutsche Geschichte zwischen 1933 und 1989. Neben Informationstafeln über die verschiedensten Ereignisse, Personen oder historische Zusammenhänge waren auch vielfältige Ausstellungsstücke zu betrachten. Durch Wahlplakate wurde die Propaganda des NS-Regimes widergespiegelt. Medaillen und Urkunden von deutschen Jugendlichen der Weltfestspiele, welche 1973 in Ost-Berlin ausgetragen wurden, zeigten die sportliche Jugend der DDR. Flugabwehrkanonen (kurz: Flaks) aus dem zweiten Weltkrieg waren ausgestellt. Auch 500 kg-Munition war zu betrachten, um nur zwei der vielen Waffen zu nennen, die im Deutschen Historischen Museum zu sehen sind. Was mich auch sehr beeindruckt wie auch erschrocken hat, war das Modell aus Gips und Holz, welches Menschen abbildet, die in Ausschwitz umgekommen sind. Einen Gang weiter hangen Fotos von NS-Generälen an der Wand. Keine Portraits, sondern Bilder, welche sie kurz nach dem Selbstmord oder von ehemalig inhaftierten misshandelt zeigen. Ich finde es sehr gut, dass neben dem Leben der Bürger und Juden auch das Schicksal der Parteiangehörigen beleuchtet wird und gezeigt, dass auch sie unter dem Zwang des Regimes litten und drastische Maßnahmen zogen, als Deutschland militärisch immer schwächer wurde. Dabei galt Selbstmord im Dritten Reich eigentlich als feige Tat. Mit dem Ende des Krieges und auch des Reiches wurde dieses Prinzip nicht mehr aufrecht erhalten. Es gab keine Volksgemeinschaft mehr, die aufrecht erhalten werden musste. Die Angst vor dem bevorstehenden Prozess wurde größer, die Hoffnung auf ein erfolgreiches Kriegsende kleiner. Geplant war es eigentlich, an der Führung „Geschichte rückwärts“ teilzunehmen.

 

Auch wenn in der Beschreibung dabei stand, dass die Führung ab 8 Jahren sei, dachte ich, dass man lediglich in einfacher Sprache durch das Museum geführt wird. Im Prinzip haben die Kinder schon über die Hälfte der Zeit ihr Wissen über den Mauerfall geteilt, viel weiter ging die Führung nicht, sodass es eine gute Idee war, die Ausstellung auf eigene Faust zu erkunden. Leider hab ich erst im Nachhinein erfahren, dass in der oberen Etage des Museums die Ausstellung noch weiterging. Dort würden die Jahrhunderte zuvor behandelt werden. Ich bin sehr motiviert, in den nächsten Wochen diesen Teil noch anzuschauen, da ich mir sicher bin, dass es nicht weniger interessant sein wird.

 

Tränenpalast an der Friedrichstraße

Das nächste Ziel war der Tränenpalast an der Friedrichstraße. Eine Ausstellung rund um das Leben im geteilten Deutschland, speziell aber Berlin. Unter anderem gab es eine Führung, in welcher Fluchtwege aus Labyrinthen von Treppen und engen Wegen anhand eines Modells des Tränenpalastes und Bahnhofes erläutert. Der Bahnhof diente als Grenzübergang, an welchem oft Tränen über den Abschied eines Angehörogen vergossen wurden. Daraus entstand der Name des Tränenpalasts.

 

Für mich interessant waren auch ausgestellte Briefe, die sich auseinander gerissene Familien und Ehepaare gesendet haben. Besonders beeindruckt hat mich die Geschichte einer Frau, die ihrem Mann in Briefen verschlüsselt mitgeteilt hat, dass sie mit einem gefälschten Pass ihre Flucht zu ihm plant. Unterstützung hatte sie dabei von einer der DDR unbekannten Organisation, die diese Pässe verteilte. Über 600 Menschen sind auf diese Weise in den Westen gekommen.Wenig weiter wurde einem auch die Arbeit eines Grenzposten erklärt.

 

BlackBox-Kalter Krieg

Die letzte Ausstellung, welche ich an jenem Abend besuchte, war die Blackbox über den Kalten Krieg in der Nähe des Checkpoint Charlie. Europa nach den zweiten Weltkriegs…Stellvertreterkriege aber auch die neuen internationalen Beziehungen werden in der Blackbox in Form von Bildern, Videos, Zeitungsartikeln, Plakaten und Informationstafeln dar- und ausgestellt. Vor dem Eingang sind (passend zur BlackBox THE WALL, welche gegenüber ist) noch Gedenktafeln zur Berliner Mauer ausgestellt. Darauf zu lesen die häufigsten Fluchtmethoden, sowie misslungene und geglückte Fluchtversuche mit Datum. Die Ausstellung ist mehr oder weniger chronologisch aufgebaut. Man kann jedoch auch leicht zwischen den Jahrzehnten wechseln, da viel mit bloßen Stellwänden gearbeitet wurde und die Gänge klein sind. Interessant fand ich die Komposition der einzelnen Ausstellungsstücke. Aus dem Deutschen Historischen Museum war ich eine strukturierte Anordnung nebeneinander gewohnt. In der Blackbox wurden Werke, die man an die Wand hängen kann, colagenartig auch überlappend aufgehängt. Man hat gesehen, dass sich viel Gedanken über die Ausstellung gemacht wurde und dass man Informationen so breit aber auch kompakt wie möglich zusammenstellen wollte. Schön war, dass auch Konflikte, an die man nicht bei dem Stichwort „Kater Krieg“ denkt, aufgegriffen wurde. Denn neben einem Film über den Vietnamkrieg lief eine kurze Dokumentation über den Bürgerkrieg in Angola, welcher nach der Unabhängigkeit von Portugal ausbrach.

 

Neben den Museen der neueren Geschichte konnte man sich auch über die 90er bei der Nineties-Ralley informieren oder den Alltag eines Ritters nachempfinden. Ausstellungen über das Mittelalter oder die Entwicklung der parlamentarischen Demokratie in Deutschland gab es ebenfalls.

 

Die Lange Nacht der Museen bot den Besucher*innen die Möglichkeit, sich ausführlich über jene Themen, die sie interessieren zu informieren oder bereits da gewesenes Wissen zu vertiefen. Ob Studierter oder wenig Interessierter, jeder konnte etwas aus den Ausstellungen, welche sehr gut aufbereitet waren, mitnehmen. Auch, wenn manche Bilder erschreckend anzusehen waren.

Diesen März zeigen Gangway e.V. und die Jugendstrafanstalt zusammen ihre "ZwischenWelten" im Berliner Abgeordnetenhaus. Auch der mittlerweile dritte Teil der Wanderausstellung, dieses mal unter dem Hashtag #maskenhaft, versucht wieder mit künstlerischen Mitteln den Raum zwischen Freiheit und Gefangenschaft auszuloten.

Unsere jup!-Redaktion hat hier ihre Eindrücke und Inspirationen, die sie beim Besuch der Ausstellung gesammelt hat veröffentlicht.

ZwischenWelten #maskenhaft ist noch bis 22.3. im Abgeordnetenhaus zu sehen.