7. „Wir haben es satt!“-Demo in Berlin

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am 26.01.2017
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Am Samstag, den 21.01.2017, fand die 7. „Wir haben es satt!“-Demo statt. Groß und Klein versammelten sich, um mit Fahnen, selbstgemalten Schildern, Trillerpfeifen und Trommeln auf ihre Botschaft aufmerksam zu machen. Sie wollen und fordern eine faire und naturnahe Landwirtschaft. Frei nach dem Motto der ABL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.) : „Power to the Bauer“.

Laut Veranstalter kamen 18.000 Menschen. Und um dem noch einen drauf zu setzten, kamen noch rund 130 Traktoren aus ganz Deutschland. Denn diese Demo war nicht nur für Verbraucher, sondern auch für Erzeuger. Hand in Hand wollten sie so zeigen, dass nur eine bäuerliche Landwirtschaft die Menschen mit gesunden und bezahlbaren Lebensmitteln versorgen kann.

Der Umzug:

Zu Einstimmung hielten unter anderem der Vorsitzende des BUNDs Hubert Weigert und viele andere eine Rede und stellten erste Forderungen an Politik und auch an die Verbraucher, denn der Kassenzettel wird hier als Stimmzettel gesehen.

Wer spontan kam und noch kein Schild oder Fahne hatte, konnte sich an zahlreichen Ständen schon zu Beginn der Veranstaltung eindecken.

Den Auftakt des Umzugs der Demo bildeten die rund 130 Traktoren, die mit Schildern geschmückt als erste los durften, begeistert hupten und die Menge anheizten. Sprüche wie: „Minister Schmidt, sei nicht so matt – wir kriegen sicher alle satt“, „Rogge‘n‘Roll“ und „Lasst die Konzerne in weiter Ferne – pflanzt Kleegras und Luzerne!“ zeigten die Bauern ihren Unmut und ihre Forderungen für eine gerechtere Landwirtschaft.

Danach ging es auch für die Leute zu Fuß los und natürlich die verschiedenen Wagen und Figuren der unterschiedlichen Organisation. Trommler vom NABU und anderen Organisation gaben den Takt an und Musik schallte von den geschmückten Wagen. Denn eins ist klar: Hier demonstriert man mit Freude und das mit allen; keiner wird ausgeschlossen. Denn das wurde von den Veranstaltern von Vornherein klargestellt: Hier ist kein Platz für Rassismus und Rechte Hetze! Egal welcher Hintergrund und welche Orientierung, hier wird gemeinsam friedlich und mit Spaß demonstriert, man könnte fast sagen: gefeiert!

Und nicht nur du und ich, sondern auch die Spitzenpolitiker der Grünen sind mit ihrer Partei mitgelaufen und setzten so ein klares Zeichen.

Der Umzug an sich führte vom Potsdamer Platz vorbei an Bundesrat und Landwirtschaftministerium, dann ging es Richtung Friedrichstraße vorbei am Bundestag und auf die Straße des 17. Juli direkt zum Brandenburger Tor. Wer stand schön aufgereiht in Reihe und Glied dort auf der Straße des 17. Julis? 130 Traktoren in zwei Reihen. So einen Anblick gibt es nicht allzu oft!

Abschluss am Brandenburger Tor:

Der Tag war lang und auch kalt, deshalb konnte man sich bei einer leckeren Gemüsesuppe aufwärmen. Und auch die kam nicht von ungefähr, denn am Freitag vor der Demo wurden bei der „Schnippeldisko“ Tonnen von Gemüse, das im normalen Handel aussortiert wurde (zwei Beinchen oder zu krumm), verarbeitet, um für die Demonstranten*innen eine Suppe zu kochen. Rund um die Demo gab es nämlich noch diverse Veranstaltungen und Aktionen, bei denen man mitwirkenkonnte: von Vorträgen und Diskussionen bis zur Schnippeldisko und Aktionen, um auf die Demo aufmerksam zu machen.

Am Brandenburger Tor war auch nach der Suppe noch lange nicht Schluss. Reden von verschiedenen Organisationen aus aller Welt und ein Konzert gab es. Und rund um den Platz gab es noch verschiedene Stände von Organisationen wie NABU, BUND, campact! und vielen mehr. Dort konnte man sich informieren, austauschen, spenden, Buttons und Co. abstauben. Auch hier waren Gemeinschaftsgefühl und Freude zu spüren.

Mein Fazit:

Schon letztes Jahr war ich dabei und begeistert! So viele Menschen, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen. Gleichzeitig finde ich es schade, dass sich in den sieben Jahren, in denen diese Demos stattfinden, nicht viel geändert hat bzw. Änderungen kaum etwas bewirkt haben. Immer noch verdienen die Bauern kaum, Gentechnik und Pestizide sind fester Bestandteil der industriellen Landwirtschaft und vom Tierleid möchte ich gar nicht erst anfangen. Aber trotz dieser traurigen Gedanken hat mir die Demo schöne Augenblicke beschert. Der Anblick der Schar an Traktoren am Brandenburger Tor war atemberaubend. Ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass Anton Hofreiter und Renate Künast von den Grünen plötzlich vorne mitlaufen und mit demonstrieren. Auch wurde mein Schilde zigmal fotografiert und ich wurde sogar vom ZDF gefilmt und befragt. Das war ein tolles Gefühl.

Und immer wieder schön ist es, wie viele sich kreativ beteiligen und wie die ganzen Organisationen kunstvoll ihre Wagen schmücken. Und natürlich haben die Veranstalter gute Arbeit geleistet!

Was mich jedes Mal von Neuem rührt: in der Gemeinschaft mit Hoffnung und Freude auf ein so wichtiges Thema aufmerksam zu machen und die Botschaft „Wir haben Agrarindustrie satt!“ in die Welt hinauszutragen.

Ich hoffe, ihr seid nächstes Jahr auch dabei und bis dahin: Bleibt schön öko!

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