Kinder machen Politik

Am 14. Juli fand in Lichtenberg eine Kinder-Bezirksverordnetenversammlung (BVV) statt. 60 Fünftklässler*innen von der Brodowin-Grundschule, von der Grundschule am Roederplatz und der Selma-Lagerlöff-Schule waren vor Ort und stellten ihre Ideen und Lösungsvorschläge für ein besseres Leben in Lichtenberg vor.

 

ein Text von Anne

 

Die Vorbereitung: Zukunftswerkstatt aus Klage, Utopie und Umsetzung

Erarbeitet wurden die Vorschläge und die dazugehörigen Plakate in einem dreitägigen Workshop, der von Mitarbeiter*innen der ver.di Jugendbildungsstätte Berlin-Konradshöhe e.V. durchgeführt wurde. Zu Beginn der Workshops konnten sich die Kinder Kleingruppen und Fraktionen zuordnen. Jede Gruppe durchlief eine Zukunftswerkstatt, die aus einer Klagephase,  einer Utopiephase und anschließenden Überlegungen zur Umsetzung bestand.

Außerdem wurden Ausschüsse gebildet, die sich mit den Themen beschäftigen, die den Kindern am wichtigsten waren. So setzten sich die Kinder in den Ausschüssen Gerechtigkeit, Schule/Freizeit, Verkehr, Umwelt und Sicherheit/Frieden mit Problemen, ihren Wünschen und Lösungsmöglichkeiten auseinander, gestalteten Wandplakate, dachten sich Rollenspiele aus und übten die Präsentation ihrer Ergebnisse.

 

Der große Tag der Kinder-BVV

Der eigentliche Tag der Kinder-BVV begann im Rathaus Lichtenberg. Begrüßt wurden die Kinder von Manuela Elsaßer, der Koordinatorin für Kinder- und Jugendbeteiligung in Berlin-Lichtenberg. Nach einer kurzen mündlichen Einführung stellte sie anhand einer Schautafel kurz die Mitglieder des Bezirksamtes vor. Dazu zählen die Bezirksbürgermeisterin Frau Birgit Monteiro und die Bezirksstadträt*innen Dr. Andreas Prüfer, Kerstin Beurich, Dr. Sandra Obermeyer und Wilfried Nünthel.

Doch es sollte nicht bei dem Vortrag bleiben, eine kleine Rathausführung mit Dachbodeneroberung und Besichtigung des Trauzimmers stand auf dem Programm. Innerhalb weniger Sekunden hatten die Kinder ihre Handys gezückt und machten fleißig Bilder von dem alten Gebäude. Das Standesamt im Erdgeschoss war für sie nicht weniger beeindruckend. Frau Elsaßer führte zwei Spaßhochzeiten durch und die Kinder waren begeistert. Das Trauzimmer an sich war bereits sehr beeindruckend, Holzvertäfelungen und Blattgold an der Decke zierten den Raum.

Danach zog die Gruppe weiter in die Aula der Max-Taut –Schule, wo schon alles für die Kinder-BVV aufgebaut war:  die Schaubilder hingen an Stellwänden, die Stühle waren aufgereiht und die Kameras aufgebaut. Neben den betreuenden Lehrer*innen und Schulsozialarbeiter*innen waren auch einige Eltern und Verordnete der Erwachsenen BVV gekommen, um sich die Präsentationen der Kinder anzuschauen.

 

„Ich erkläre hiermit die Kinder-BVV für eröffnet.“

Eröffnet wurde die Kinder-BVV vom Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung, Herr Rainer Bosse, der die Kinder freundlich begrüßte und die drei anwesenden Bezirksstadträt*innen und die Bürgermeisterin des Bezirks Lichtenbergs vorstellte. Anschließend stellte jeder Ausschuss seine Ideen und Wünsche vor.

 

Ausschuss „Gerechtigkeit“

Den Anfang  machte die Gruppe „Gerechtigkeit“.  Sie führte u.a. ein kleines Rollenspiel passend zum Thema auf. Die Szene zeigte zwei Menschen, von denen einer ausländerfeindliche Sprüche äußerte. Im zweiten Durchlauf zeigten die Schüler*innen, wie man mit solch einer Situation umgehen sollte: Sie kritisierten die ausländerfeindlichen Aussagen und starteten eine Diskussion mit dem Aggressor.

Auch die vielen Obdachlosen in Berlin wurden von den Kindern thematisch aufgegriffen. So möchten sie ein Fest für Obdachlose veranstalten, um damit auf die Zustände aufmerksam zu machen und den Betroffenen zu helfen.

  • Manuela Elsaßer

Ausschuss „Schule und Freizeit“: Mehr Jugendclubs und ein späterer Unterrichtsbeginn

Die zweite Gruppe beschäftigte sich mit dem Thema Schule und Freizeit. Sie forderten unter anderem mehr Jugendclubs und Sporthallen, sowie die Reparatur bereits vorhandener, jedoch kaputter Spielplätze.

Bezüglich des Themas „Schule“ hatten die Kinder folgende Anliegen: Ein späterer Schulbeginn, kleinere Klassen, mehr Klassenfahrten und ein Raum nur zum Toben. Die anwesenden Politiker*innen machten sich fleißig Notizen und kommentierten einige der Forderungen. So herrschte zum Beispiel Überraschung, als man die Forderung nach einem späteren Schulbeginn hörte. An einer anderen Schule gab es genau den gegenteiligen Wunsch. Dort startet der Schulunterricht nun schon um 7:45 Uhr.

 

Ausschuss „Verkehr“: Höhere Strafen für Raser und weniger Tram-Lärm

Der dritte Ausschuss befasste sich mit dem Thema Verkehr. Den Kindern ist es wichtig, dass die Autofahrer, die zu schnell auf den Straßen unterwegs sind, höhere Strafen erwarten. Sie hatten daher die Idee, mehr Tempo-30- Zonen einzuführen. Sie wünschten sich außerdem, dass der Lärm, welcher abends durch die Tram verursacht entsteht, eingeschränkt wird. Zusätzlich forderte die Gruppe mehr Mülleimer und weniger Baustellen.

 

Ausschuss „Umwelt“: Mehr erneuerbare Energie

Der vierte Ausschuss befasste sich mit der Umwelt. Die Kinder sprachen das Thema Solar- und Windenergie an und verdeutlichten ihr Anliegen auch dieses Mal wieder mit einem Rollenspiel, in welchem ein Junge sein Handy aufgrund fehlender Energie in Zukunft nicht mehr nutzen kann.
Sie forderten, dass Fabriken Solarenergie verwenden und Mitmenschen das Licht ausmachen, wenn sie es gerade nicht brauchen. 

Beim Thema Parks/Grünflächen teilten die Kinder die Punkte auf: Die Punkte, welche sie erfüllen können und die Punkte, um die sich die Politiker*innen kümmern müssen. Sie selbst sollen als Kinder in Grünanlagen nichts abreißen (z.B. Blumen) oder Müll in der Schule aufsammeln. Währenddessen sollen Politiker*innen mehr Parks bauen und mehr Mülleimer aufstellen lassen. Des Weiteren schlugen sie die Einführung des Zigarettenpfands vor, um die Parks sauber zu halten.

Grundsätzlich sollten die Lichtenberger*innen, wenn möglich, ihre eigenen Hühner  halten, Bio-Lebensmittel kaufen und weniger Tierprodukte konsumieren.  Ziel sollte es sein, die Massen- und Bodenhaltung abzuschaffen und mehr Naturschutzgebiete und Freilandhaltung einzuführen.

 

Ausschuss „Sicherheit und Frieden“

Der Ausschuss „Sicherheit und Frieden“ forderte u.a. höhere Strafen beim Überfahren einer roten Ampel und generell mehr Polizisten. Sie selbst können Fahrradhelme tragen und abends die Musik leiser drehen.

Die Veranstaltung endete mit einer kurzen Abschlussrede von Herrn Rainer Bosse, in welcher er den Kindern für ihr Engagement dankte und sie aufforderte, sich auch weiterhin mit dem Thema Beteiligung und Politik zu beschäftigen, denn schließlich können sie etwas ändern!

 

Und was passiert jetzt?

Die anwesenden Politiker*innen versprachen, die Anliegen der Kinder mit in die BVV der Erwachsenen zu nehmen. Außerdem haben Bezirksbürgermeisterin und die Bezirksstadträt*innen den Wunsch, Kinder und Jugendliche öfter an politischen Prozessen und Entscheidungen zu beteiligen. In einigen Monaten wird es einen Termin geben, bei dem geschaut wird, welche Ideen umgesetzt werden konnten oder welche weiteren Verabredungen es geben muss.

 

 

Du weißt gar nicht, was eine Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ist, was ihre Aufgaben sind und wie sie sich zusammensetzt? Dann schau' dir doch das Erklärvideo an!
 

BVV in unter 4 Minuten

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