Durchblick im Schilderwald der Bio-Siegel

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am 06.06.2016
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Bio! Bio! - überall bio! Biologisch angebaut, ökologisch angebaut, Siegel über Siegel! Wer soll da noch durchblicken?

Jeder spricht von naturnaher Wirtschaftsweise und umweltschonenden Produkten, die fair gehandelt werden. Doch stimmt das alles? Sind die Bio-Produkte überhaupt nachhaltig und gut für die Umwelt? Lohnt sich der Preis? Und vor allem: Warum gibt es so viele Siegel? Auf welche kann man sich verlassen? Was steckt hinter den Siegeln?

Diese Fragen stellen sich viele Menschen, wenn sie etwas über Bio-Produkte und Bio-Siegel hören. Dutzende von Siegel zieren die Verpackungen unserer täglichen Lebensmittel; von gentechnikfrei bis vegan, über biologische Landwirtschaft bis zum nachhaltigen Fischfang. Doch was soll man denn da überhaupt noch glauben, bei all den bunten kleinen Zeichen? Sie prangen auf jeder Verpackung und alle bedeuten irgendetwas anderes. Dabei will ich doch einfach nur schnell meinen Einkauf erledigen, ohne lange nachzudenken, ob ich jetzt das richtige Siegel gewählt habe. Und dann findet man weder auf der Verpackung noch in den Läden eine Erklärung der Siegel.

Sind die Siegel überhaupt verlässlich bzw. geschützt?

Einmal Aufatmen für die Ökos: die Wörter „biologisch“ und „ökologisch“ sind geschützt. Eine unabhängige Prüfstelle garantiert über einen Code auf der Rückseite der Produkte, dass diese Produkte mindestens der EG-Öko-Verordnung entsprechen, also kurz gesagt den Grundstandards der biologischen Landwirtschaft.

Hingegen sind andere Wörter wie „umweltschonend“, „alternativ“ und „nachhaltig“ nicht geschützt. Hinter diesen Produkten verstecken sich keine geprüften Bio-Produkte. Jeder kann sich also Siegel mit diesen Wörtern ausdenken, ohne etwas über die wirkliche Nachhaltigkeit des Produkts auszusagen.

Aber auch zwischen den kontrollierten Siegeln gibt es Unterschiede.

Überblick im Schilderwald:

Im Allgemeinen kann man sagen: Ja, ein Bio-Siegel ist besser als kein Siegel, denn diese Produkte müssen gewissen Grundstandards einhalten. Aber es gibt gewisse Unterschiede zwischen den jeweiligen Bio-Siegeln. Jedes Bio-Produkt muss mindestens der EG-Öko-Verordnung gerecht werden, was man sozusagen als Grundlage des Bio-Anbaus sehen kann. Außerdem werden die Standards der Betriebe streng kontrolliert und müssen genau Buchhalten über ihren landwirtschaftlichen Betrieb. Die konventionellen landwirtschaftlichen Betriebe werden nicht staatlich geprüft und müssen sich nur an allgemeine Auflagen halten. Das EU-Öko-Siegel und das deutsche Bio-Siegel weisen die Grundstandards auf. Somit ist ein Bio-Produkt, was diese Siegel aufweist, nachhaltiger als ein Produkt ohne Bio-Siegel.

Demgegenüber weisen die Bio-Siegel der deutschen Anbauverbände, wie Demeter, Naturland und Bioland nochmals höhere Richtlinien auf. Jeder Anbauverband unterscheidet sich hierbei noch mal in seiner Grundphilosophie, aber vor allem ist eine Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit sehr wichtig. Diese lassen zum Beispiel nur eine Gesamtumstellung der Betriebe auf die biologische Landwirtschaft zu. Im Gegensatz dazu lässt die EG-Öko-Verordnung auch eine Teilumstellung zu. Des Weiteren wird in Betrieben, die ein Siegel der deutschen Anbauverbände besitzen, mehr Freilauf für die Tiere geboten, sie haben absolutes Gentechnikverbot und verzichten auf synthetische Dünger und Pestizide. So sind also die Siegel der deutschen Anbauverbände noch einmal nachhaltiger als die der Bio-Standards.

Nachhaltigkeitstipps

Neben dem Einkaufen von Bio-Produkten tut ihr auch noch etwas Gutes, wenn ihr auf Plastiktüten für euer loses Obst und Gemüse verzichtet und stattdessen leichte Stoffbeutel benutzt. Außerdem solltet ihr auf bereits in Plastik verpacktes Obst und Gemüse verzichten.

Falls ihr euch wundert, warum im Supermarkt die Bio-Produkte in Plastik eingepackt sind, was natürlich dem Gedanken der Nachhaltigkeit widerspricht, gibt es eine einfache Erklärung: Die Verpackung dient nur dem Zweck, konventionelles Obst und Gemüse von Bio-Produkten zu unterscheiden. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass ohne Kennzeichnung Bio-Lebensmittel nicht neben konventionellen liegen dürfen. Also geht lieber öfter in den Bio-Laden und kauft dort eure Lebensmittel einzeln ein.

Wer sich noch mehr über die Siegel und ihre Bedeutung erkundigen möchte, kann sich entweder auf den Webseiten der Umweltverbände umsehen oder sich die App „Siegel-Check“ vom NABU downloaden, welche vor allem für unterwegs sehr praktisch ist. Hier erfahrt ihr nicht nur etwas über Bio-Siegel, sondern auch über die „normalen“ Siegel und die Siegel für vegane und vegetarische Produkte.

Hier geht’s zur App:

Siegel-Check-App Android

Siegel-Check-App iOS

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