Gleiches Geld für gleiche Arbeit? – Ohne das Land Berlin!

Im Berliner Haushaltsplan 2018 steht, dass FÖJler*innen zukünftig bis zu 33% mehr verdienen sollen, als beispielsweise FSJler*innen (Kultur)! Ein neuer Tiefpunkt für die Wertschätzung ALLER Jugendfreiwilligendienste?

von Janik Emil

Warum braucht man eigentlich einen Freiwilligendienst?

„Freiwilligendienste fördern das gesellschaftliche Engagement zu Gunsten des Allgemeinwohls“ -  so heißt es zu mindestens von dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Doch Freiwilligendienst ist nicht gleich Freiwilligendienst, denn es gibt verschiedene Formen, wie man sich freiwillig betätigen kann. So kann man ein Jahr im Ausland verbringen, ein „Bufdi-“(Bundesfreiwilligen-)Jahr machen oder man hat die Möglichkeit, sich in einem Freiwilligen Sozialen – oder Freiwilligen Ökologischen Jahr zu engagieren.

Sowohl FSJler*innen als auch FÖJler*innen bekommen in ihrer, zumeist einjährigen Arbeitszeit, ein sogenanntes Taschengeld. Momentan sind das beim FSJ Kultur 320€ und beim FÖJ 355€. Dabei wurde mit Absicht der Begriff „Gehalt“ vermieden, da man sich ja schließlich freiwillig engagiert und Freiwillige keine Angestellten sind.

Doch warum bekommt man überhaupt für Freiwilligenarbeit Geld?

Viele, die ihren Jugendfreiwilligendienst machen, ziehen extra in die jeweilige Region, um dort ihren Dienst zu absolvieren. Doch gerade die Lebenserhaltungskosten sind in den letzten Jahren enorm gestiegen – Mietpreise schießen in die Höhe, Fahrtickets zur Arbeitsstelle kosten beispielsweise in Berlin ca. 50€ (ein Sechstel des FSJ-Gehaltes), Nahrungsmittel werden auch immer teurer und natürlich ist auch der Preis für gesellschaftliche Teilhabe gestiegen. Ein Kinobesuch lässt sich nicht mehr spontan finanzieren und Aktionen, wie beipielsweise #freiefahrtfuerfreiwillige, zerstreuen sich ebenfalls im politischen Tagesgeschehen!

Daher sind viele, gerade Jugendfreiwillige, von der Finanzspritze der Eltern abhängig.
Um der Frage zur Finanzierung eines Freiwilligen näher zu kommen, ist es jedoch erstmal wichtig, den Zusammenhang von Förderungsmitteln zu verstehen. Denn für das FSJ und das FÖJ gelten unterschiedliche Förderverfahren. Im FSJ wird nach dem Zentralstellenverfahren gefördert, im FÖJ nach dem Länderverfahren. Genau da liegt auch die entscheidende Problematik, denn im Berliner Haushaltsplan 2018 wurde beschlossen, dass die Finanzierung für das FÖJ angehoben werden soll. Auslöser dafür waren die Pläne der Rot-Rot-Grünen Regierung, welche vorhat, mehr Plätze für das Freiwillige Ökologische Jahr in Berlin zu schaffen. Ein Anreiz soll ein deutlich höheres Taschengeld sein. Das ursprüngliche monatliche Taschengeld lag bei 355€ und soll planmäßig um 125€ auf insgesamt 480€ angehoben werden. Dies ist ein absoluter Erfolg für Jugendfreiwilligendienste, denn mehr als 60.000 Jugendliche deutschlandweit engagieren sich in gemeinnützigen Einrichtungen – und das jährlich!
Durch diese Arbeit leistet man einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft und genau solch eine Einsatzbereitschaft ist momentan mehr gefragt denn je.

Sportvereine, Museen, Kindertagesstätte, Pflegestationen oder auch Tierschutzvereine - an all diesen Beschäftigungsfeldern kann man deutlich erkennen, dass Freiwilligendienste nicht nur ein Grundpfeiler für unser Zusammenleben in einer funktionierenden Gesellschaft, sondern dadurch auch ein entscheidendes Werkzeug für die Demokratie, ist.

Gleiches Geld für gleiche Arbeit?!

Umso wichtiger ist es, diese Positionen auch für die kommenden Jahre attraktiv zu halten – für alle 60.000 Jugendlichen! Es darf nicht sein, dass in Berlin ab diesem Jahr die FÖJler*innen bis zu 33% mehr verdienen sollen, als die FSJler*innen, nur weil sie ein „Ö“ in ihrem Namen zu stehen haben. Denn sowohl für das FSJ als auch das FÖJ gelten die gleichen Rahmenbedingungen – die Arbeitszeiten liegen bei identischen 39 Stundenwochen. Ebenfalls sind die Zielsetzungen konvergent: Man engagiert sich freiwillig, um einerseits einen Beitrag für das Allgemeinwohl zu leisten und andererseits um persönliche Erfahrungen zu sammeln, aus denen sich manchmal sogar  Berufsorientierungen ergeben. Also warum dann eine so große Taschengelddifferenz? Das Argument, dass FSJ und FÖJ unterschiedliche Förderungstopfzusammenstellungen haben, zählt dabei nicht, denn sie ändern nicht den Fakt, dass es durch diesen Beschluss im Berliner Haushaltsplan 2018 zu einer riesigen Diskrepanz, von 33%, innerhalb der Jugendfreiwilligendienste kommt!

Jeder Jugendfreiwillige leistet in seinem Jahr den gleichen Beitrag für die Gesellschaft. Also wenn die Taschengeldauszahlungen erhöht werden, dann doch bitte für jeden und nicht nur für eine bestimmte Gruppe!

 

 

  • Lifestyle eines Freiwilligen!
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  • Gleiches Geld für gleiche Arbeit -  EIGENTLICH ein schöner Ansatz...
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  • Denn nur gemeinsam können wir etwas bewirken!
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