„Peace, wir pogen“

am 02.11.2017
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Nun ist sie endgültig zu Ende: die Festivalzeit! Doch hierfür holen wir den Sommer nochmal zurück. Wofür? Um euch von unserem letzten Highlight der Saison zu berichten: dem HIGHFIELD Festival am Störmthalersee!

 

Drei Tage Indie-Rock im Landkreis Leipzig und wir Berliner mitten drin. Und der Weg hat sich gelohnt, denn Indie-Rock ist nicht alles, was das Festival zu bieten hat. Zu den Headlinern gehören regelmäßig nationale und internationale Größen des Rocks, so auch dieses Jahr: Billy Talent, die Toten Hosen, Placebo, The Offspring und viele mehr!

Welcome to the Schrebergarten

Aber von Anfang an. Wir hatten uns diesmal für eine Anreise mit dem Auto entschieden, was ein ganz anderes Feeling war, als das, was wir bisher kannten. Nicht nur, dass uns das Umsteigen mit unseren Rucksäcken & Co. erspart blieb, wir landeten auch zum ersten Mal auf dem Auto-Campingplatz. Das bedeutete in unserem Fall; Camping in mitten von Alt-Rockern und Großfamilien, kein Versinken in leeren Bierdosen und 5-Minuten-Terrinen und eine halbe Stunde Fußweg bis zum eigentlichen Festival Gelände. Ja, die Schrebergarten-Idylle war nicht zu leugnen. Aber man ist ja offen für alles…

Eine halbe Stunde Fußweg, die muss man natürlich nutzen! Insbesondere da auf dem gesamten Bühnen-Bereich keine mittgebrachten Getränke erlaubt waren. Zwar gab es unzählige Getränke-und auch Essensstände, jedoch musste hier wirklich tief in die Tasche gegriffen werden. Während sich die Preise für das – zugegeben – sehr gute Essen aus aller Herren Länder sich wenigstens noch an Restaurantpreisen orientierten, überstiegen die Getränke jede humane Preisvorstellung.

Mehr als nur Musik

Geld ausgeben konnte man aber auch für länger anhaltende Souvenirs. Natürlich gab es Merchandise der Bands und vom Festival selbst. Wer kein Geld ausgeben wollte, hatte neben den Bands aber auch was zu sehen und zu hören. Denn gerade auf einem links geprägten Festival wie es das Highfield ohne Frage ist, waren natürlich Kein Bock auf Nazis und andere soziale Initiativen wie PETA ZWEI und Greenpeace am Start. Hier gab es nicht nur Bändchen und Gummibärchen, sondern vor allem alle Informationen über die Ziele und aktuelle Aktionen der Vereine. Ein paar Unterschriften und gleich was Gutes getan gegen Rassismus, Massentierhaltung oder die Verschmutzung der Meere. Da kann man sich den Rest des Tages auch mal anderen Dingen widmen…

… Zum Beispiel der Musik! Entjungfert wurden die beiden Bühnen am Freitagnachmittag von Neonschwarz und Milliarden. Wie üblich spielten die ersten kleineren Acts jeweils kaum mehr als eine halbe Stunde und so war immer Zeit für eine kleine Pause, und die sollte man sich nehmen, denn es war heiß, mehr als heiß!

Ein Sturm kommt auf

Obwohl es gerade erst losgegangen war, hatten die Sanitäter mit Sonnenstichen und Kreislaufzusammenbrüchen der Besucher schon alle Hände voll zu tun. Doch während wir uns noch freuten zum ersten Mal nicht im Matsch tanzen zu müssen, zogen bereits die ersten Wolken auf. Und dabei sollte es nicht bleiben. Gegen 19:00 Uhr dann kippte das Ganze. Es begann zu gewittern, das Programm wurde unterbrochen und die Besucher zu ihren Autos geschickt.

Am Anfang noch zögerlich wurde, nachdem der Regen monsunartige Zustände angenommen hatte und auf jeden Blitz der Donner folgte, diese Aufforderung auch ernst genommen. Ca. 35.000 Menschen zogen Richtung Zeltplätze und verwandelten die zuvor trockenen Wege in eine Schlammlandschaft, die von nun an den Weg zum Festivalgelände zu einer echten Herausforderung machen sollte.

Die nächsten Stunden verbrachten wir im Auto, aßen kalte Dosensuppe und hörten das Highfield Radio, um zu erfahren, wann es weiter gehen sollte. Damit hatten wir es sicher sehr viel besser getroffen als all die, die gerade dabei waren, ihre abgesoffenen Zelte wieder zu beleben, und dennoch wurde auch bei uns die Stimmung mit jedem abgesagten Act nicht gerade hochgerissen. Und das waren von da an alle, bis auf die Beginner, die gegen Mitternacht die ehrenvolle Aufgabe hatten, das durchnässte Publikum in einen Zustand zu versetzen, in dem man alles um sich herum vergisst – vor allem den nassen Schlafsack.

TAG 2

Unser nächster Tag begann mit SXTN. Diesmal zwar in Gummistiefeln, dafür aber trocken. Sogar die Sonne kam wieder raus und es wurde richtig warm, um nicht zu sagen heiß. Denn Nura und Juju wollten uns tanzen sehen, und was die beiden Rapperinnen sagen, das wird gemacht.

Mit Rap ging los, mit Rap ging es weiter. Fatoni und die Antilopen Gang ließen keine Pause zu. Nach dem Motto ‚Peace wir pogen’ feierte das Publikum die mal mehr mal weniger sozialkritischen Texte.

Weniger Pogen dafür umso mehr Peace gab es im Anschluss bei Milky Chance. Als Fans erster Stunde waren wir natürlich auch hier dabei. Und ja, auch nach dem dritten Mal live sind die Jungs noch der Hammer und schafften nebenbei im Zusammenspiel mit Wetter und einem ganz bestimmten Duft in der Luft, mehr Woodstock Feeling als irgendeine andere Band.

Doch sie waren nicht unser letztes Highlight des Tages. Was nämlich den Jungs von SDP an Niveau fehlt, holen sie mit Stimmung wieder raus. Zur perfekten Festivalzeit, wenn die Sonne langsam untergeht und die Scheinwerfer endlich mehr als Deko sind, wurde sich hier für die Nacht aufgewärmt. Für wen genau? Für Kraftklub und Casper, die Headliner des Tages bei denen sich endlich die ganze Festival-Horde sammelte. Nun gab es keine Pause mehr. Schon eine Stunde vorher gab es keine Chance mehr in den vorderen Zuschauerraum zu gelangen und wer es wie wir trotzdem versuchte, kam in den Genuss von echtem Loveparade-Feeling. Doch ganz egal wo man stand, die Stimmung war auf dem ganzen Gelände so, wie man sie haben wollte: Bombastisch!

Tag 3

Auch Sonntag ging es für uns wieder gegen 15:00 Uhr los und zwar mit Von wegen Lisbeth – dem Berliner Crush des Jahres. Bei nur 45 Minuten Spielzeit gibt‘s keine Zeit zum Aufwärmen, doch die brauchte auch keiner. Selber vollkommen überwältigt davon, wie viele sich um die Uhrzeit schon für sie zu den Bühnen bewegt hatten, spielten die fünf fast alle ihre Songs. Oder ließen sie spielen, denn das Publikum war so textsicher, wie die Jungs auf der Bühne.

Der Rest des Tages stand für uns im Zeichen des Rocks wie er im Buche steht. Donots und The Offspring sammelten bereits das Publikum vor ihren Bühnen. Die Hosen, Die Toten Hosen, waren dann der krönende Abschluss. Wieder von sehr weit weg verfolgten wir den Auftritt der Legenden, und ja, die Show war auch aus gefühlten 100 Metern Entfernung noch der Hammer. Noch im Bann der Musik, der Lichter und der letzten Tage ging es ein letztes Mal den Weg zurück zu unserem Auto, doch diesmal ins Auto.

Ins Auto und nach Hause. Ein letztes Mal für dieses Jahr, aber ich würde sagen bis nächstes Jahr. Denn trotz oder vielleicht gerade wegen der Unwetter und dem Indie vor dem Rock, werden wir das Highfield in guter Erinnerung behalten.

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