Tanzen im Auge des Sturms - Hurricane Festival 2017

am 24.07.2017
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Wie jedes Jahr verwandelte sich die Motorrad-Sandrennbahn Eichenring im niedersächsischen Scheeßel Ende Juni in ein Festivalgelände. Vom 23.-25. Juni hieß es also „Rocken, raven, rutschen!“ anstatt „Auf die Plätze, fertig, los!“. Wir sind für euch hingefahren, abgesoffen und haben im Auge des Hurricanes getanzt!

 

Auch wenn das Festival eigentlich nur drei Tage, also von Freitag bis Sonntag, geht, spielen Donnerstagabend für gewöhnlich schon die ersten DJs, um die bereits einen Tag vorher angereisten Besucher etwas in Stimmung zu bringen. Ebenso Tradition wie diese Warm-up-Partys scheinen beim Hurricane allerdings sintflutartige Unwetter zu sein. Während das Festival letztes Jahr aufgrund des schlechten Wetters sogar mittendrin abgebrochen wurde, baten die Veranstalter die Gäste dieses Jahr nur darum, von einer Anreise vor Freitagmorgen abzusehen. Gesagt, getan, entgingen wir auf diese Weise tatsächlich dem größten Unwetter.

Als das Auto geparkt, die Bändchen abgeholt und letztendlich auch das Zelt aufgebaut war, ging es für uns also direkt zu den ersten Bands. Von unserem Zeltplatz zum Festivalgelände waren es etwa 15 Minuten, die immer gut genutzt wurden, um das letzte Bier auszutrinken, denn wie auf Festivals üblich galt auch hier: keine mitgebrachten Getränke auf dem Festivalgelände!

In der Regel sind aus Sicherheitsgründen nur Tetrapacks erlaubt, je nach Kulanz der Security am Eingang sind jedoch auch diese manchmal nicht gern gesehen.

Zum extra abgesperrten Festivalgelände gehörte der gesamte Bereich um die vier Bühnen, inklusive all der Stände an denen Menschen mit mehr oder weniger großer Begeisterung Geld ausgeben können. Unzählige Essens-und Getränkestände mit allen Klassikern und teilweise auch wirklich ausgefallenen Sachen, die neben dem mitgebrachten Dosenfutter für Restaurantpreise erworben werden konnten. Besonders abends, wenn man am liebsten keine der Bands mehr verpassen möchte und trotzdem was zu Essen braucht, war der Ansturm auf dieses Angebot groß. Auch wir standen das ein oder andere Mal in den meist recht übersichtlichen Schlangen. Bao Bao Burger, Mexikanische Pommes und Co. kosteten alle zwischen fünf und sieben Euro und waren für uns das Geld absolut wert.

Wer lieber für länger anhaltende Souvenirs Geld ausgibt, fand sich an den Merchandise-Ständen wieder. Besonders die Pullis und T-Shirts mit dem Hurricane-Logo sah man überall, ob an den Ständen oder an den Besuchern. Ansonsten gab es natürlich von Bauchtaschen, über Sonnenbrillen und Goa-Hosen alles, was das Festivalbesucher-Herz begehrt.

Wer im Vorhinein schon an den Essentials gespart hatte, ging erstmal zu Penny, einer eigens für die drei Tage aufgestellten Festival-Version des bekannten Discounters. Dort gab es zu ganz normalen Preisen hauptsächlich Essen aus Kühltheken, etwas Obst und Gemüse, sowie für die, die das Wetter unterschätzt hatten, Gummistiefel und Regencapes!

Apropos Wetter… wie bereits gesagt, hatten wir das schlimmste Unwetter abgewartet und mussten es so nur schaffen, die drei Tage mehr oder weniger trocken zu bleiben. Das wäre ohne Gummistiefel und Regenjacken allerdings schwer geworden. Nachdem es die erste Nacht fast durch geregnet hatte, war das Gelände bereits Samstagmorgen eine Schlammwüste der Extraklasse. Doch davon hat sich die Menge nicht runterziehen lassen, und wir natürlich auch nicht!

Schließlich gab es abseits von Regen und Matsch noch genug Highlights auf und um den Bühnen, denn ab 12:00 Uhr spielten bereits die ersten kleinen Bands. Mit jedem Act wurde das Publikum größer und die Musiker auf den Bühnen bekannter. Highlights sind natürlich eine sehr persönliche Sache, aber einige unserer musikalischen Höhepunkte sind so unbestreitbar der Hammer gewesen, dass wir sie euch natürlich nicht vorenthalten möchten.

Am Freitag geht unser Platz eins definitiv an die Headliner des Abends: Imagine Dragons! Die amerikanische Indie-Rock Band hat uns mit ihrer Songauswahl und Live-Performance in nachhaltiges Schwärmen versetzt. Damit waren wir nicht die einzigen, was natürlich enorm zur Stimmung im Publikum beigetragen hat. Einfach mit der Masse gehen und es ist nicht schwer, jedes Lied zu feiern als wäre es das eine, auf das man die ganze Zeit gewartet hat!

Das hat auch Alle Farben geschafft! Auf der ‚White Stage‘, einem überdachten Elektro Bereich in der Nähe der Hauptbühne, wechselten sich das ganze Wochenende kleinere und größere DJs ab. Doch nicht viele hatten so ein textsicheres Publikum wie unser Berliner Nachbar. ‚Please Tell Rosie‘, ‚She Moves‘ und ‚Bad Ideas‘ wurden fast komplett vom Publikum übernommen und schafften es, in der in Pfützen tanzende Masse doch noch richtiges Sommer-Feeling zu erwecken!

Wer sich am Samstag buchstäblich in unsere Herzen gesungen hat? Das war Lorde! Die neuseeländische Ausnahmekünstlerin ruhte sich bei ihrer Performance nicht auf ihren Hits aus, sondern gab in jeder Hinsicht alles. Wer vorher noch nicht von ihr fasziniert war, der war es spätestens jetzt! Am helllichten Tag erschuf die junge Frau mit ihrer unglaublichen Energie und Art sich zu bewegen einen Strudel von Emotionen im Rhythmus ihrer Songs, dem sich keiner entziehen konnte.

Später am Abend hatten wir dann genau das Dilemma was man bei so vielen tollen Acts wohl kaum umgehen kann: Zwei unserer Lieblingsbands spielten auf verschiedenen Bühnen zur gleichen Zeit. Einzige Lösung: aufteilen! Hätten wir die Enttäuschung bei Linkin Park vorher geahnt, hätten wir ihnen die Jungs von Irie Revoltes wahrscheinlich gleich vorgezogen. Doch konnte ja keiner ahnen, dass gerade eine Band, die für so viele Jahre für alles zwischen Rock, Metal und Elektro bekannt und geliebt gewesen ist, nun ausgerechnet ein Pop-Album rausbringen muss und dieses vor allen anderen Hits auf einem Rock-geprägten Festival spielt.

Aber zu etwas Positivem: Irie Revoltes. Sowohl Songauswahl als auch Tanz-und Mitgrölstimmung waren auf dem Höhepunkt, als die französisch-deutsche Truppe die Bühne rockte!

Und das nicht nur, weil wir einen der Liedsänger (Carlito) vorher zum Interview getroffen hatten. Wer wissen möchte, was er über ihre Musik, Politik und wie beides in Verbindung steht, zu sagen hatte, der liest am besten hier das Interview.

Auch der letzte Tag versprach wieder einige Highlights, doch unseres war unangefochten Fritz Kalkbrenner, der als unser letzter Act des Abends der krönende Abschluss war. Mit Feuerwerk und Lichtspektakel reichte die Stimmung, die der DJ neben seinen Hits produzierte noch für die ganze Rückfahrt.

Unser Fazit: Das Hurricane ist definitiv ein Festival, das jedes Jahr vielversprechende alte und neue Größen der Musikbranche auf seinen Bühnen vereint. Mit Shows so überwältigend, wie das riesige Gelände. Mit Supermarkt und Zeltplätzen so groß wie ein Dorf ist das ganze Event wirklich gigantisch. ABER wir wollen nicht nur schwärmen, denn für Strand-Urlaub-Fans kommt beim Hurricane vermutlich einfach zu viel Wasser von oben. Kein See in Reichweite, dafür aber Pfützen, die von ihrer Größe durchaus an einen solchen erinnern.

Also fragen wir euch: Wollt ihr rocken, raven, rutschen und beweisen, dass ihr nicht aus Zucker seid? Dann sehen wir uns nächstes Jahr auf dem Hurricane!

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