Glückliche Schweine – Märchen oder Realität?

am 30.01.2018
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Menschenmengen soweit das Auge reicht, Verkostungen bis der Bauch platzt und Tiere in engen Käfigen. Es war wieder soweit: Die Internationale Grüne Woche fand in Berlin statt. Nushin war für euch vor Ort und sah neben vielen Köstlichkeiten auch unschöne Dinge.

Zu Gast auf der Grünen Woche

Was mir sofort auffiel, waren die vielen unterschiedlichen Stände, keiner identisch mit dem anderen. Empfangen wurde ich in Halle 14 mit einem Teller von frischem Fisch mit grünem Seetangsalat. Von da aus ging es weiter mit viel Frittiertem, Hirschsalami, dutzenden Käsesorten, traditionellem Gebäck und Spezialitäten aus aller Welt. Alles auf Plastiktellern präsentiert? Falsch gedacht! Trotz der vielen Menschen, welche alle ausprobieren wollten, gab es ausreichend Brotstücke an den Ständen, um u.a. flüssige Lebensmittel wie Dips, feurige Chili-Soßen und Essige zu probieren. Eine gute Möglichkeit, um nicht nur inhaltlich „Grün“ zu sein, sondern auch bei der Umsetzung der Messe auf Nachhaltigkeit zu achten und die Müllproduktion auf der Grünen Woche zu verringern.

Tiere im Stress

Nachdem ich satt die eine Halle verlassen habe, kam die Halle, auf die ich am meisten gespannt war: Die Tierhalle. Als ich ein paar Tage vorher in den Nachrichten hörte, dass während des Eröffnungsrundgangs einige Tierschützer*innen vor die Kamera rannten und aggressiv von Sicherheitsleuten weggetragen wurden, wollte ich genauer nachvollziehen können, wieso diese vermeintlich tiergerechte Messe für Tierschutzorganisationen als Horrorstation für Tiere gesehen wird. In Halle 25, einer der letzten Bereiche schlich sich ein unangenehmer Duft in meine Nase, der mir versicherte, dass ich richtig war. Ich stoß auf Pferde in Boxen, welche wahrscheinlich auf ihre Show bei dem Hallenreitsportevent HIPPOLOGICA warteten. Ich stellte mich mit meiner Freundin an das Schweinegehege. Was ich sah, war ganz und gar nicht das, was ich erwartet hatte. Durch die Unachtsamkeit der Bewacher nahm ein Besucher eines der zwölf Ferkel am rechten Hinterbein hoch und zog es nach oben. Ob das das war, wozu die Schweine dort lagen – ich glaube nicht. Die Nutztiere saßen verängstigt und gelangweilt in ihrem bisschen Heu und ich bekam das Gefühl von Hilflosigkeit. Dass die Tiere über eine Woche in kleinen Boxen verharren müssen, gestresst von tausenden Menschen betatscht und belästigt werden, scheint für mich ein guter Grund als Tierschützer das Verlangen zu bekommen, etwas ändern zu wollen. Doch nicht nur auf der Messe. Grundsätzlich ging mir das Thema Fleischproduktion nicht mehr aus dem Kopf.

Fleischkonsum in Deutschland – keine „grünen“ Zahlen

Pro Kopf werden in Deutschland 60 kg Fleisch verzehrt. 36,2 kg davon sind Schweinefleisch, 12,5 kg Geflügelfleisch, 9,7 kg Rindfleisch und 1,6 kg andere Fleischarten. (Quelle: Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie e.V, 2016). Laut der Organisation foodwatch ist der Bio-Anteil von Fleisch sehr gering. 2016 lag er bei Geflügel bei 1,4 Prozent, bei Rotfleisch (Schwein, Rind, Lamm, Schaf und Kalb) bei 1,8 Prozent und bei Fleisch- und Wurstwaren sogar nur bei 1,2 Prozent. Das ist nicht viel. Anscheinend hört der „Bio“-Gedanke bei vielen Konsumenten spätestens an der Kasse auf.

Was bedeutet Bio-Fleisch?

Zu den Biorichtlinien der EU habe ich auf der Messe einen Biobauern befragt. Um das Biosiegel zu erhalten, gibt es ökologische Kriterien, die versichern müssen, dass die Tiere tiergerecht und umweltschonend gehalten werden. Der Deutsche Bauer, der aufgrund seiner Tierhaltung dieses Siegel hat, erzählte mit seinem weißen Bart und seinem leichten Dialekt stolz davon, dass seine Nutztiere doppelt so viel Auslauf haben, er keine Gentechnik verwendet, er regionales Futter verteilt und den Tieren weder Schwanz entfernt noch Zähne geschliffen werden. Bei der Schlachtung jedoch musste ich akzeptieren, dass Nutztiere egal wie glücklich sie vorher sind, einen unschönen Tod erleben.

Einerseits ist es gut, dass die Grüne Woche nichts von Massentierhaltung hält, jedoch zeigt die mickrige Zahl beim Bio-Fleisch-Konsum von circa 2 Prozent, , dass die Bevölkerung noch immer nicht zu dem angeblich „besseren“ Fleisch greift.

Quellen und weitere Infos:

Auch Max war auf der Grünen Woche unterwegs. Seinen Beitrag findest du hier!

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