So Pretty bei der 69. Berlinale

am 14.02.2019
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Christopher Street Day – Viele denken da wohl an Alkohol, Technomusik und ganz viel Party. Doch die Paraden, die überall auf der Welt in den Sommermonaten (meist aber im Juni) stattfinden, haben einen ernsten Hintergrund. Sie erinnern an den Stonewall-Aufstand im Jahr 1969 in New York. Damals protestierten tausende Anhänger der LGBT*-Szene gegen die Verfolgung durch die Polizei.

Der Roman, auf dem der Berlinale-Film „So Pretty“ basiert, handelt genau von dieser Zeit. Roland M. Schernikaus Roman spielt in West-Berlin in den 80er Jahren. Obwohl queere Menschen gesellschaftlich schon besser akzeptiert sind, als noch zehn Jahre zuvor, müssen sie noch immer auf Demonstrationen für ihre Rechte kämpfen. Ansonsten ist die Geschichte sehr einfach gehalten und zeichnet ein Abbild von vier Protagonisten in dieser Zeit und wie sie leben, lieben und feiern! Der Film verfolgt die Hauptdarsteller*innen Tonio/Tonia und Franz, Paul und Erika still durch ihr Leben. Er erzählt von ihren Alltagsgesprächen in der WG und den Demonstrationen, die sie besuchen, um für ihre Rechte zu kämpfen.

In den 83 Minuten übernimmt die Regisseurin Jessie Jeffrey Dunn Rovinelli immer wieder Erzählungen aus dem Buch. Allerdings wird in Schernikaus Erzählungen nur auf schwule, weiße Männer eingegangen. Da die queere Szene aber um einiges vielfältiger ist, hat Rovinelli den Fokus auf People of Colour und Transpersonen erweitert.

Michael Stütz ist seit 2017 Kurator und Programmmanager der Berlinale-Sektion Panorama. Außerdem koordiniert er den queeren Preis der Berlinale, den Teddy Award. Im Interview mit Deutschlandfunk-Kultur sagte er, dass queere Filme wie „So Pretty“ auf der Berlinale Tradition haben. Früher ging es in Filmen wie „Buddies“ aber um Aids, heute eher um Geschlechtsidentitäten. Filme sind daher immer auch ein Spiegel der queeren Kultur.

Von mir gibt es für dieses Meisterwerk acht von zehn Filmklappen. Rovinelli zeigt mit unfassbarem Talent den Alltag einer queeren Wohngemeinschaft in NewYork. Die Protagonisten*innen zeigen Liebe und Zusammensein und das alles völlig natürlich.

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